„Hiwwe wie Driwwe“ - Buch zum Film und zweiter Teil der Dokumentation über die Sprache pfälzischer Amerika-Auswanderer geplant Begegnung mit dem "Butzemann"

Von 
Simone Jakob
Lesedauer: 
Im Kultfilm „Hiwwe wie Driwwe“ lernen die Zuschauer viele ungewöhnliche „Englisch“-Vokabeln. © Michael Werner

Landau/Mainz. „Guckbox“, „Kumm Esse Diner“ oder „Grundsau“ - der Kinofilm „Hiwwe wie Driwwe“ erzählt von der besonderen Sprache pfälzischer Amerika-Auswanderer. Mit der Dokumentation haben die Landauer Filmemacher Benjamin Wagener und Christian Schega 2019 Kinosäle gefüllt und beim Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen mit 2000 Besuchern einen Überraschungserfolg gelandet. In einigen Lichtspielhäusern der Region war der Kultfilm mehr als 30 Wochen am Stück zu sehen. Jetzt soll ein Reiseführer erscheinen, den der Publizist und Herausgeber der pfälzisch-pennsylvaniadeutschen Zeitung „Hiwwe wie Driwwe“ verfasst hat. Außerdem arbeitet Wagener derzeit am zweiten Teil des Films.

Crowdfunding Kampagne

Über 20 000 Menschen haben den Kinofilm „Hiwwe wie Driwwe – Pfälzisch in Amerika“ gesehen. Jetzt soll das Buch zum Film: „Hiwwe wie Driwwe - Der Pennsylvania ReiseVERführer“ herauskommen.

Um Druck und Vertrieb zu finanzieren, hat Autor Michael Werner – der als Experte auch vor und hinter der Kamera der Dokumentation mitwirkte – eine Crowdfunding Kampagne im Internet gestartet, die noch bis 15. Februar läuft.

Dort können sich Interessierte schon jetzt ihren Reiseführer sichern.

Link: https://www.startnext.com/hiwwe-wie-driwwe-der-pennsylva 

Anfragen von Zuschauern

AdUnit urban-intext1

„Viele Menschen wollen einfach mehr über Pennsylvania und die Menschen dort wissen. Ich habe über 100 Anfragen von Leuten bekommen, die in die USA reisen und sich dort auf die Spuren der Pfälzer Kultur begeben wollen“, erzählt Autor Michael Werner, der als Experte auch vor und hinter der Kamera der Doku dabei war. „Wir hatten mehr als 40 Stunden Filmmaterial beisammen und konnten nur 90 Minuten davon zeigen.

Und als die Corona-Pandemie alles ausgebremst hat, „habe ich angefangen, lustige Geschichten über die spannendsten Orte in Pennsylvanisch Deitschland zusammenzutragen“, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Dabei seien 224 Seiten und 52 Kapitel herausgekommen. „Das ist natürlich kein TripAdvisor, der Touristen verrät, wo es das beste Eis oder den saftigsten Burger gibt. Vielmehr geht es um Orte, an denen man der eigenen Geschichte nachspüren kann. Denn wer die Pfalz verstehen will, sollte nach Pennsylvania reisen. Dort hat sich in Sprache und Bräuchen über 300 Jahre erhalten, was hier durch Kriege und Industrialisierung längst vergessen ist“, betont Werner.

So ließe sich auch manches Rätsel aus der eigenen Kindheit lösen. Zum Beispiel, was die „Elwedritsche“ wirklich sind, warum man den Groundhog Day eigentlich auch in der Pfalz groß feiern müsste und was sich hinter dem Lied vom ,Bi-Ba-Butzemann’ verbirgt. „Die Geschichte vom Butzemann führt uns 7000 Jahre zurück in die Zeit, als die Menschen sesshaft geworden sind und mit der Landwirtschaft angefangen haben“, verrät Werner.

AdUnit urban-intext2

Als Herausgeber der pfälzisch-pennsylvaniadeutschen Zeitung sei er in den vergangenen 30 Jahren 15 Mal in Amerika gewesen und kenne die Gegend genauso gut wie seine Heimat. „Auf den Reisen begegnet man zwangsläufig Geschichten.“ Wie die der alten Dame, die ihn in eine große Wohnküche mit einer ziemlich unordentlichen Ecke geführt habe. „Schau’ da nicht so genau hin, da räum’ ich nie auf, da wohnt das ,Bucklich Maennche’“ sei ihre Erklärung für das Chaos gewesen. Traditionell wurde der Schabernack treibende Hausgeist in der Pfalz jeden Abend mit einer Schale Milch besänftigt.

Auf einer bunten Landkarte im Comic-Stil hat Werner besondere Anlaufstellen eingetragen. Um das Buch-Projekt zu realisieren, laufe noch bis Mitte Februar eine Schwarmfinanzierung im Internet.

Mundart-Sänger als Protagonist

AdUnit urban-intext3

Mit „Crowdfunding“ soll auch die Fortsetzung des Films finanziert werden. „Aber so weit sind wir noch nicht“, berichtet Benjamin Wagener, der das Drehbuch für Teil zwei bereits fertig hat und mit seinem Team gerade über geeignete Drehorte in der Pfalz nachdenkt. Besuchte in Part eins ein Amerikaner die Pfalz, werde nun ein Pfälzer nach Amerika reisen. Mit dem Sänger der Mundart-Band „Fine R.I.P“, Monji El Beji, sei der Protagonist bereits gefunden: „Er ist ein absoluter Vollblut-Pfälzer und Feuer und Flamme für das Projekt“, verrät Wagener.

AdUnit urban-intext4

Wie es mit den Dreharbeiten klappt, hänge von der Entwicklung der Pandemie ab. „Ich hoffe, dass wir die Pfalz-Teile dieses Jahr abdrehen können. Den USA-Teil wollen wir auf 2022 schieben - bei der Reiseplanung hilft uns Michaels Buch.“

Autor