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Typisierungsaktion

13-jähriger Leandro-Justin aus Böhl-Iggelheim hofft auf passenden Stammzellenspender

Leandro-Justin leidet am seltenen Langerhans Sarkom und ist auf eine Stammzellenspende angewiesen. Damit der Junge weiterleben kann, stellt die Freiwillige Feuerwehr am Sonntag eine Veranstaltung auf die Beine

Von 
Kai Plösser
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Böhl-Iggelheim. Der 13-jährige Leandro-Justin aus Böhl-Iggelheim benötigt eine lebenswichtige Stammzellenspende. Er leidet an einer seltenen Form des Blutkrebs, dem Langerhans Sarkom. Leandro-Justin ist ein „aufgeschlossener, liebenswerter und hilfsbereiter Junge“, wie seine Mutter Tanja Kiehl im Gespräch mit dieser Redaktion erzählt. Er besucht die 8. Klasse einer Realschule. Sein großes Hobby ist das Fußballspielen. Eigentlich wollte ihr Sohn mal Profifußballer werden, so die Mutter.

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Nachdem bei ihm im November des vergangenen Jahres ein Tumor im Unterbauch diagnostiziert worden war, änderte sich der Berufswunsch jedoch. Nun möchte er mal Arzt auf einer Kinder-Onkologiestation werden. „Ich will ein herzlicher Arzt werden, um den Kindern die Angst zu nehmen“, habe er gegenüber seiner Mutter seinen neuen Berufswunsch geäußert, so Kiehl.

Zunächst auf die Ernährung geschoben

Das könnte passen. Schließlich habe der Junge im Vorfeld geahnt, dass er Krebs haben könnte, nachdem er sich selbst im Internet über seine Beschwerden informiert hatte. „Mama, ich glaube, ich hab Krebs“, habe er gesagt, als die Mutter mit Geschirrspülen beschäftigt war. Ende September des vergangenen Jahres war das. Zuvor hatte der Junge mit Bauchschmerzen zu kämpfen. Zudem sei er „müde und platt“ gewesen und habe wenig gegessen, erläutert die Mutter.

Vom Kinderarzt sei dies zunächst auf die Ernährung geschoben worden. Einen Bluttest wollte der Arzt nicht durchführen, erzählt Kiehl weiter und macht sich Vorwürfe, damals nicht den Arzt gewechselt zu haben. Schließlich war es die Hausärztin der Mutter, die den Bluttest veranlasste. Nach dem das Ergebnis da war, sei sofort klar gewesen , dass etwas nicht stimmt. Am Abend des 16. November wurde Leandro-Justin schließlich in eine Heidelberger Klinik eingeliefert. Am nächsten Tag folgt die Diagnose des Tumors.

Lange wurde daraufhin gerätselt, lange herrschte Ungewissheit. Vier Monate später, im vergangenen März, fanden die Ärzte dann heraus, dass Leandro-Justin am extrem selten Langerhans Sarkom erkrankt ist. Die Krankheit ist noch wenig erforscht. „Anders als es bei Leukämie der Fall ist, weiß man so gut wie nichts darüber“, klärt Kiehl auf.

Um sich selbst über seine Krankheit zu informieren, habe der wissbegierige Leandro-Justin italienische Internetseiten angesteuert und diese ins Deutsche übersetzen lassen. Mittlerweile ist er sogar so weit, dass er Ärzten auch mal den einen oder anderen Therapie-Vorschlag macht, erzählt die Mutter.

Der 13-jährige Leandro-Justin leidet am selten vorkommenden und wenig erforschten Langhans-Sarkom. © privat

Vater schläft im Auto vor der Klinik

Derzeit befindet sich Leandro-Justin im letzten Block seiner Chemotherapie. Seit Januar steht er diese und die Nebenwirkungen tapfer durch. Sein einst 20 Zentimeter großer Tumor schrumpfte dadurch auf etwa zehn Zentimenter. Ende April stand eine große Operation an, bei der der restliche Tumor entfernt wurde. Doch Zellen sind noch vorhanden.

Am Anfang habe ihr Sohn viel geweint, auch weil sie selbst viel geweint habe, erzählt Kiehl. Er durchläuft seit der Diagnose Höhen und Tiefen, genauso ergehe es der Mutter. „Mama, wir schaffen das“, sage der Junge öfters, in anderen Momenten wisse er dann aber nicht mehr weiter. Manchmal denke er, dass alle wegschauen und dass man ihm nicht helfen möchte, so die Mutter. Die Ungewissheit, wie es nach der Chemotherapie weitergeht, mache auch die Eltern fertig, sagt Kiehl. Auch die Begleitumstände sind nicht einfach. Ihr Mann und der Vater von Leandro-Justin schläft zur Zeit beispielsweise sechsmal die Woche im Auto vor der Klinik in Heidelberg, weil dort aktuelle kein Elternzimmer mehr frei ist. Ebenso leide Leandro-Justins siebenjähriger Bruder unter der Situation.

Nun hoffen Familie und Freunde auf einen passenden Stammzellenspender. Eine erste Typisierungsaktion der DKMS Anfang Juni in Gommersheim verlief erfolglos. Als die Freiwillige Feuerwehr in Böhl-Iggelheim von Leandro-Justins Schicksal erfuhr, entschloss sie sich, eine weitere Typisierungsaktion am Sonntag, 7. August, zu organisieren. „Wir wollen euch helfen. Das liegt uns am Herzen“, hätten die Wehrleute zu Kiehl gesagt. Verbunden ist das Ganze mit einer Veranstaltung an der Wahagnieshalle von 10 bis 18 Uhr. Somit können Interessierte nicht nur Stammzellenspender werden, sondern sich auch von einem bunten Rahmenprogramm mit Live-Musik und Kinderattraktionen unterhalten lassen. Gleichzeitig ist die Veranstaltung eine Benefizaktion. Die Spendengelder sollen einem guten Zweck zugutekommen.

„Kommt vorbei, lasst euch registrieren. Stäbchen rein, Spender sein“, ruft Kiehl dazu auf, sich zur Wahagnieshalle zu begeben. Auch der Mannheimer Comedian Bülent Ceylan macht in einem Facebook-Video auf die Aktion aufmerksam. „Hallo und uffbasse, ich hab heute einen Herzenswunsch“, sagt er und bittet, sich registrieren zu lassen. Nur dadurch könne herausgefunden werden, ob man Leandro-Justin helfen könne. Kiehl betont, dass die Registrierung bei der DKMS freiwillig ist. Wer das nicht möchte, solle trotzdem kommen und einfach den Tag genießen. Doch jedem, der sich typisieren lässt, wäre sie dankbar. Schließlich kann dadurch nicht nur das Leben von Leandro-Justin, sondern auch von anderen Menschen gerettet werden.

In die gleiche Kerbe schlägt der Schirmherr der Veranstaltung, Landrat Clemens Körner: „Am Sonntag geht es um Leandro-Justin, aber die Aktion hat einen doppelten Nutzen. Wir haben Hoffnung für den einen konkreten Fall , aber es könnte auch anderen helfen“, sagt Körner gegenüber dieser Redaktion und bedankt sich bei der Freiwilligen Feuerwehr für ihr Engagement. Kiehl dankt der Wehr natürlich ebenfalls, aber auch allen anderen Unterstützern: „Ich bin so dankbar für alles. Das kann man nicht in Worte fassen. Das sind Herzensmenschen für mich.“

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