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Zur Seximus-Debatte auf der Mess

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Das Gemälde unter anderem dieser Frau an einem Stand der Mannheimer Maimess, deren Rock nach oben gezogen wird, erregt die Gemüter. © Michael Ruffler

Zum Artikel „Sexismus auch auf der Maimess?“ vom 7. Mai:

Willkommen im Mittelalter, Damen und Herren: Körper zeigen – bä, bä, Sünde. Offensichtlich haben manche Leute in den letzten 2000 Jahren nichts dazugelernt. Schade

Hurra wir verblöden! Der Sarotti Mohr lässt grüßen! Wie lange lassen wir uns noch von einer Minderheit gängeln und verblöden? Diese ganze Diskussion ist einfach lächerlich. Und diejenigen, die diese Diskussion in Gang gebracht haben, machen sich doch lächerlich! Oder ist das schon die meinungsbildende Mehrheit?

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Ich kann die Forderung der Grünen und der Gleichstellungsbeauftragten Zarah Deilami nach einem Verbot der Zurschaustellung von unbekleideten weiblichen Körperteilen auf der Maimess (und auch sonst) nur unterstützen. Nach einem Besuch der Mess‘ habe ich mich im Schwimmbad dabei ertappt, wie ich einer jungen Frau mit einem gut sitzenden Bikini hinterhergeblickt habe und mich sofort geschämt. Der negative Einfluss der Maimess‘ auf mein Sozialverhalten ist für mich erschreckend!

Ich plädiere deswegen dafür, zukünftig Stellen in Abbildungen, auf denen nackte Haut zu sehen ist, grün zu übermalen. Die von Frau Deilami geforderte Zensur muss sofort eingeführt werden! Für getrennte Bereiche Mann/Frau in Badeanstalten und Einstellung von Sexismusbeauftragten für Grundschulen, denn hier fangen die ekelhaften Verhaltensweisen der Männer an, sich auszubilden! Ich bewerbe mich hiermit für die Stelle des stellvertretenden Gleichstellungsbeauftragten, denn auch diese Stelle muss gendergerecht besetzt sein.

Ich habe mir erlaubt, das im „MM“ abgedruckte Foto einer attraktiven Dame zehn Personen – fünf männlichen und fünf weiblichen – zu zeigen und sie gebeten, es zu kommentieren. Der Vorwurf einer sexistischen Darstellung wurde nicht erhoben! Damit stehen diese Äußerungen im krassen Widerspruch zu den erhobenen Vorwürfen von Frau Angela Wendt (Die Grünen) und Frau Zahra Deilami, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Mannheim. Ich persönlich halte die Vorwürfe der beiden Damen zu diesem Bild für grottenfalsch und überzogen. Nicht jede Darstellung einer attraktiven Frau ist automatisch als sexistisch zu verteufeln. Deshalb meine unbedingte Bitte, von pauschalen Verurteilungen Abstand zu nehmen und jede Darstellung einer gewissenhaften Prüfung zu unterziehen.

Wenn Abbildungen und Skulpturen halbnackter oder nackter Frauen (oder Männer) in Museen oder Galerien zu sehen sind, ist es Kunst. Auf der Mannemer Mess ist es Sexismus. Vorschlag: eine eigene Ausstellung dieser Abbildungen, auf Fahrgeschäften und Spielbuden, in der Kunsthalle. Wäre bestimmt ein großer Erfolg. Ein Teil der Einnahmen geht an die Schausteller, die in den Zeiten der Pandemie kein Geld verdienen konnten. Und im Übrigen: keine anderen Sorgen?

Da berichtet der „Mannheimer Morgen“ auf Seite 1 und 9 über Sexismusvorwürfe gegen Schausteller (gleich zweimal mit sexistischem Bild, damit auch jeder weiß, was gemeint ist) und tappt auf Seite 16 selbst in die Sexismusfalle, als er mit Bild von der Premiere im Prinzregenten-Theater in Ludwigshafen berichtet: Zahnarzt Fleischmann turtelt mit seiner Geliebten Jacqueline (in ein sexistisches rosa Minikleid gekleidet) – unter den Blicken der Hausmeisterin (die eindeutig nicht sexistisch in eine Kittelschürze gekleidet ist). Um solchen Fauxpas zukünftig zu verhindern, schlage ich vor, dass alle Frauen in Theaterstücken und in Filmen, egal welche Rolle sie verkörpern (auch wieder so ein sexistisches Wort), ab sofort mit der deutschen Burka, der Kittelschürze, zu bekleiden sind, um sexistische Anklänge schon im Ansatz zu ersticken.

Außerdem sollte der „Mannheimer Morgen“ auch bei der Bebilderung seiner Artikel peinlichst darauf achten, dass er den Voyeurismus seiner männlichen Leserschaft nicht auch noch beiläufig bedient und sich deshalb die Bildauswahl von Sexismus Wächter:innen vorab genehmigen lassen. Wo gibt es doch gleich einen solchen Wächter:innen-Rat schon? Ach ja, im Iran, in einem der liberalsten Staaten dieser Welt! Da gibt es doch dieses Sprichwort, mit dem Kind und dem Bade und mit dem Ausschütten – aber ich komme jetzt nicht drauf.

Zu dem Artikel „Nachtwächter hat die Nase voll“ kann ich nur sagen, dass mir all diese Menschen, die alles als „politically not correct“, als sexistisch, frauenfeindlich, nicht gendergerecht oder rassistisch ansehen, nur noch auf die Nerven gehen. Wer sucht, der findet.

Man kann überall ein Haar in der Suppe finden, wenn man lange genug sucht. Nun hat der Nachtwächter aufgegeben. Wie schade! Zu seiner Rolle gehört einfach die derbe Sprache, die damals üblich war. Aber an Toleranz mangelt es wohl den ach so Betroffenen. Die verlangt man nur von anderen.

Dazu passt auch die Meldung, dass die Mannheimer Grünen-Gemeinderatsfraktion Kritik übt an bestimmten Darstellungen an Fahrgeschäften und Spielbuden auf der Mannheimer Mess und diese weghaben will, da es sich um sexistische Darstellungen handle. Was für ein Unsinn! Das passt genau wie die Sache mit dem Nachtwächter oder dem unsäglichen Getue um den Sarotti-Mohr in diese Schiene. Als wenn wir keine größeren Sorgen hätten! Ich möchte noch erwähnen, dass ich seit 47 Jahren mit einem schwarzen US Amerikaner verheiratet bin, der nach drei Jahren Militärzeit in Mannheim geblieben ist und bis zur Rente in deutscher Firma gearbeitet hat. Probleme hatten wir nie.

In die Freude über die nun fast wie in Vor-Corona-Zeit wieder stattfindende Maimess mischten sich, wie nicht anders zu erwarten, die Miesmacher der überall Sexismus findenden Partei. Die Kunst der Grafik ist eine der wenigen Ausdrucksweisen, die in den Jahrtausenden der Menschwerdung sehr unterschiedliche Facetten zeigte und nur in totalitären politischen Systemen angeprangert, eingeschränkt und verboten wurde. In der Zivilisation während des Dritten Reiches und im Stalinismus.

Was ist in diesem Zusammenhang mit den Gemälden zum Beispiel des flämischen Malers Peter Paul Rubens, der gerne sehr weibliche Gestalten in seinen Werken in den Mittelpunkt stellte? Sie sind von den Verbieter*innen wohl bisher übersehen worden? Auch die Abbildungen auf den Rummelplätzen, die schon viele Dekaden und auch besonders im 18. und 19. Jahrhundert vom „fahrenden Volk“ an deren Ständen zu sehen waren, sind eine Form der Kunst und gehören sowohl zur abend- als auch zur morgenländischen Kultur. Das Verhalten der Verbotspartei, die in jeder femininen Abbildung Sexismus sieht, grenzt stark an Prüderie. Es steht absolut oppositär zu ihrem Anspruch, schon Kleinkinder im Vorschulalter mit sexueller Vielfalt zu konfrontieren.

Angela Wendt und ihre Gefolgschaft wollen ihre Version, wie gedacht und gehandelt und wie und was gesagt werden darf, um jeden Preis der Gesellschaft aufdrücken. Ein anderes Beispiel aus jüngerer Zeit war die Geschichte mit dem Sarotti-Mohren aus dem Capitol, der mit Rassismus assoziiert und torpediert wurde und deshalb verhüllt werden musste.

Unsere Leitkultur wandelt sich zusehends zu einer „Leidkultur“. Wer schon Schülern sexuelle Praktiken erklärt und jungen Menschen in der Teen-Phase einen Wechsel ihrer Geschlechtsidentität empfiehlt und gewähren will, sich aber über harmlose weibliche Bildnisse erregt, die noch nie zuvor gestört haben, sollte besser schweigen. Sonst müsste man sich ernsthaft fragen, ob bei ihr/ihm noch alle Tassen und Teller im Schrank stehen.

Zunächst war der Artikel auch interessant, dass man schon lange suchen musste, bis man die sexistischen Abbildungen fand. Kunst ist Geschmackssache, denn was die einen als Kunst empfinden, ist für die anderen billige Darstellung, wie sie von der frauenpolitischen Sprecherin der Grünen genannte wurde. Im Artikel des Grundgesetzes ist die Freiheit der Kunst genauso verbürgt wie die Freiheit der Wissenschaft. Was Herr Schuster auch im Artikel erwähnte.

Nicht mehr Argumente sollen darüber entscheiden, was als sexistisch zu gelten hat, sondern die Gefühle der Betroffenen. Denn zum Wesen der Demokratie gehört es, Interessen von Minderheiten nur dann denen der Mehrheiten stehen, wenn sie fundiert begründet werden. Deshalb diskutieren, aber nicht verbieten. Interessant ist auch: 2019 forderten die Grünen in München Oben ohne für Frauen in Freibädern. 2022 finden Grüne in Stuttgart und Mannheim gezeichnete Frauenbrüste an den Ständen auf dem Volksfest sexistisch.

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3vW16mz

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