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Klimaschutz Rufer in der Wüste

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Zum Artikel „Klima muss sich lohnen“ vom 6. Juli:

Ein beachtenswerter Ansatz mit dem richtigen Grundgedanken: „Klima muss sich lohnen“. Und zwar nicht nur für den wohlhabenden, grün-orientierten Angehörigen der oberen Mittelschicht in Europa, sondern vor allem für die Geringverdiener weltweit. Sonst rutschen wir in eine neue Welt der Klassengesellschaften, geteilt in die, die sich Wohlstand, Klimaschutz und Mobilität leisten können, und den Rest, der sich das nicht leisten kann und jenen dabei – tatenlos? – zuschaut.

Leider ein vergeblicher Ansatz. Die Richtigkeit von Wambachs Gedankenführung wird nämlich das „Zurück durch Verzicht in das paradiesische, vorindustrielle Zeitalter Klientel“ nicht beeindrucken, weil man mit diesem Ansatz keinen Kreuzzug führen kann. Mit Rationalität, belegbaren Argumenten, Besonnenheit und Umsicht kann man leider nicht emotionalisieren. Das ist nicht gut für das eigene moralische Überlegenheitsgefühl.

Eine wohlhabende Schicht, der es leicht fällt, so zu tun, als ob sie verzichten würde – was ja nicht wirklich geschieht, wenn man vom Verbrenner auf E-Motor umsteigt (oder PR trächtig in eine teure Segelyacht, wie weiland jene schwedische Klimaikone), weil ja die Frage nach der sinnvollen oder unsinnigen Mobilität bestehen bleibt, während andere umweltrelevanten oder ethischen Fragen ausgeblendet bleiben.

Diese Schicht gefällt sich in der Rolle des modernen Flagellantentums. Nur, dass sie sich nicht selbst, sondern bevorzugt die anderen geißelt. Die „Umweltschweine“, „Klimaschweine“, die „politisch unkorrekten Schweine“ und so weiter. Sogar in einem Interview dieser Zeitung vor einiger Zeit fand der Interviewer nichts dabei, den Interviewten zu fragen, ob er ein „Umweltferkel“ sei.

Grenzüberschreitung für das „Gute“? Gesinnungsethik, Influencertum statt Verantwortungsethik, leider eben. Diese Kreuzzugshaltung hat wie jenes Virus alle gesellschaftlichen Felder infiziert, die derzeit en vogue sind: Klima, Verkehrswende, Gendern, Rassismus, sexuelle Orientierung, Sexismus-Debatte und was sonst noch alles. Leider ist auch die Presse davor nicht gefeit; sie bedient diese Haltung, statt sie kritisch zu hinterfragen. Taugt ein Thema nicht zum Aufruf zu einem Kreuzzug, ist es keines. Bezogen auf das Buch von Achim Wambach heißt das: Es wird keinen Kreuzzug für seinen Ansatz geben. Ihm bleibt die Rolle des Rufers in der Wüste.

 

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