Kommentar Bürstadt braucht mehr Offenheit

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Corinna Busalt
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Der Verkauf des ersten Teils der Industriebrache in Bürstadt hätte eine größere Mehrheit verdient gehabt. Das Raiffeisengelände verfällt seit Jahrzehnten. Das lässt die Bürger nicht kalt, wie auch im Parlament deutlich zu spüren war, so emotional wie dort diskutiert wurde. Im Grunde haben beide Seiten recht: Wer jetzt seine Hand gehoben hat, damit Rüdiger Engert die Fläche unter seinen Lagerhallen erwerben kann, möchte so bald wie möglich die Kultur einziehen sehen. SPD und FDP haben aber auch berechtigte Einwände: Der Druck, den Verkauf rasch über die Bühne zu bringen, weil Engert sonst Zuschüsse flöten gingen, hätte vermieden werden können.

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Zeit wäre genug gewesen, schließlich wird über das Gelände seit mehr als zehn Jahren diskutiert. Noch länger schon will Engert die Fläche kaufen und seine Hallen sanieren. Er wurde immer wieder vertröstet. Offenbar wusste die Stadt selbst nicht recht, was sie damit machen soll. Es ist nun mal kein Filetstück: zwischen viel befahrener Industriestraße und Bahngleisen. Insofern ist verständlich, dass sich die Bürgermeisterin freut, wenn nun gleich vier Investoren Interesse signalisieren. Ihre Entwürfe wurden bisher aber lediglich nichtöffentlich vorgestellt.

Jetzt ist es an der Zeit, mit offenen Karten zu spielen – nicht dass es wieder Gerede gibt, in Bürstadt werde gemauschelt. Selbst Rüdiger Engert ist es unangenehm, dass der Verkauf nun ein „Geschmäckle“ hat, obwohl er für größtmögliche Transparenz wirbt. Dass er selbst investieren will, ist ein Glücksfall. Denn der Bürstädter ist kein anonymer Großinvestor, sondern wird sich in seiner Heimatstadt jeden Tag rechtfertigen müssen, falls er mit seinem KamÜ daneben liegt. Er verspricht, den Schandfleck zu beseitigen und was Gutes für Bürstadt zu schaffen. Beim Rest sollte das auch so sein – die Bürger haben es verdient, mitgenommen und gehört zu werden.

Redaktion Redakteurin des Südhessen Morgen und zuständig für die Ausgabe Bürstadt/Biblis