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Die Bestie ruht - La Palma erwacht

Spektakulär spuckte die Erde Feuer im vergangenen Herbst auf der Kanareninsel La Palma. Bis heute wird dort Asche geschippt und Gas gemessen. Doch die ersten Touristen kommen zurück und freuen sich, dass die Wanderinsel mit dem neuen Vulkan einen weiteren Höhepunkt bekommen hat.

Von 
Bettina Bernhard
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Alle Wege zum Vulkan tragen eine dicke Ascheschicht. © Bettina Bernhard

Noch hat Europas jüngster Vulkan keinen Namen, doch für die Einheimischen bleibt er „La Bestia“, die Bestie. 85 Tage lang verfolgten die rund 83 000 Insulaner bange, wie auf der Westseite von La Palma auf Höhe von El Paso rund 45 Millionen Kubikmeter Magma in die Luft geschleudert wurden. Aschewolken verdunkelten den Himmel, glühende Lavaströme erleuchteten die Nacht. 200 Meter hoch und 700 Meter lang ist die Bestie heute, ein schwefelig-gelb und lava-schwarzbraun marmorierter Berg.

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Bis auf 100 Meter Luftlinie kommt man an den Vulkan heran, allerdings nur mit Guide und Genehmigung auf einem neu angelegten Weg. Nur wenige Gruppen täglich dürfen die fünf Kilometer durch die Asche laufen - was so zäh ist wie durch weichen Sand. Der Weg soll nicht verlassen werden, darauf achten die Ranger, die auch die Luft bzw. deren Sauerstoffgehalt kontrollieren. An der Messstelle unterwegs liegt er noch über 20 Prozent, direkt am Vulkan können die Vulkanologen bei gerade noch acht Prozent nur mit Sauerstoffmasken arbeiten. „Für die Wissenschaftler war der Ausbruch ein Traum, denn der Vulkan zeigte lehrbuchmäßig alle erwartbaren Effekte“, erzählt Inselführerin Kerstin Swyzen. Der Pfad führt durch eine apokalyptisch anmutende Landschaft. Aus grauen Aschehügeln recken vergaste Kanarenkiefern ihre Skelette in den Himmel. Doch wer genau hinschaut, sieht: Aus den scheinbar toten Ästen spitzen hoffnungsgrüne Puschel hervor.

LA PALMA

Anreise Mit Condor von Frankfurt und München, www.condor.com; mit Iberia (www.iberia.com) und Edelweiss Air (www.flyedelweiss.com) über Zwischenstopps, mit Eurowings ab Oktober wieder von Stuttgart, www.eurowings.com

Unterkunft Im tropischen Garten: die Hacienda San Jorge in Los Cancajos, DZ/F ab 105 Euro, www.hsanjorge.com

Am Meer: Das Hotel Princess in Fuencaliente, DZ/F ab 95 Euro, www.princess-hotels.com

Im Grünen: Die Hacienda de Abajo in Tazacorte DZ/F ab 173 Euro, www.hotelhaciendadeabajo.com

Vulkantour Genehmigungen für geführte Touren haben: La Palma Outdoor, www.lapalmaoutdoor.com; Graja Tours, www.wandern-auf-la-Palma.de; La Palma Transfer & Tours, www.lapalmatransfer.com; Isla Bonita Tours, www.islabonitatours.com

Allgemeine Informationen La Palma Tourismus, www.visitlapalma.es

Spanisches Fremdenverkehrsamt, www.spain.info/de BB

Männer mit Besen versuchen, die Abdrücke von Touristen auf Abwegen zu tilgen. „Hier an der Cumbre Vieja, wo auch die beliebte Vulkan-Wanderroute entlangführt, hat die frische Ascheschicht alle Fuß-, Auto- und Mountainbikespuren getilgt. Dieser jungfräuliche Zustand soll geschützt und wissenschaftlich begleitet werden“, erklärt ein Ranger.

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Beim Laufen erlebt man die drei Aschevarianten hautnah: feine Asche, die weit weggeblasen wurde und selbst Kerstin Swyzens Terrasse auf der Ostseite täglich bedeckte; Lapili, glänzende, millimetergroße Magmastückchen, die unter den Schuhen knirschen; und Bomben, bis zu faustgroße, dichte und schwere Brocken. Je näher man dem Vulkan kommt, umso mühsamer wird das Atmen. Es staubt und schwefelt herüber vom noch sichtbar qualmenden und gasenden Kegel.

An seiner Seite blubberte die Lava heraus und bahnte sich ihren Weg hinab zum Meer. Der erstarrte Lavafluss ist gespickt mit Mini-Schornsteinen, aus denen Gas entwich. In Tacande sind Ascheschieber auf der Straße unterwegs, die der Lavastrom abschnitt. Wagenweise rabenschwarze Asche karren sie an die Südspitze der Insel und schütten dort Strand auf. Aus dem Lavastrom ragen Weinstöcke hervor, der Rest eines Dachs, eine Kabeltrommel. Am Wegesrand wuchern wilder Fenchel, Kanaren-Ampfer und Wolfsmilch – als wäre nichts gewesen. „Mehr als 7000 Menschen wurden evakuiert – und sie hatten nur 15 Minuten Zeit zum Packen“, erzählt die Inselführerin. Am meisten traf es die beiden Ortsteile von Los Llanos de Aridane, Todoque und La Laguna, zudem den beliebten Touristenort Puerto Naos. Der wird wohl noch lange gesperrt bleiben, weil sich eine Gasblase darunter gebildet hat, die ausgast. Von den 12 000 Gästebetten der Insel sind derzeit 4000 inaktiv, 600 ganz verschwunden, meldet die Tourismusvertretung von La Palma. Kamen 2019 noch 94 485 Passagiere aus Deutschland, sank die Zahl 2020 auf 35 240 und 2021 auf 23 263 Besucher. Dieses Jahr freute man sich bisher über 10 961 deutsche Gäste.

Sie kehren zurück auf die Insel, die durch den Vulkan einiges verloren, aber auch eine neue Attraktion gewonnen hat. Man kann fast alle Wanderungen in den Natur- und Nationalparks machen, in den Meeresschwimmbecken im Norden und an den Stränden im Osten und Süden baden, durch bildschöne Dörfer bummeln und die spektakulären Observatorien auf dem Roque de Los Muchachos besuchen.

Oben auf dem Montagna la Laguna markieren Kreuze die Opfer des Vulkanausbruchs, der Ausblick ist bedrückend. An einzelnen Häusern in der Lavawüste flattert noch Wäsche, eine Bananenplantage ist mitten durchgeschnitten, grellweiß leuchtet die Plastikplane neben der Lava. Mehr als 1200 Hektar wurden beim Ausbruch von Lava verschüttet, sie floss quer durch eines der drei Hauptanbaugebiete für Bananen.

Vom beliebten Aussichtspunkt El Time am Rand der „Schlucht der Todesängste“, die ihren Namen von den tapferen Ureinwohnern hat, die den ersten Eroberungsversuchen widerstanden, indem sie aus den Steilwänden heraus Felsen auf die Eindringlinge schleuderten, sieht man das ganze Ausmaß des Ausbruchs. Am Hang der neue Vulkan, daneben der Lavastrom, der sich vor einem Hügel teilte und über die Steilklippe wie ein Teppich ins Meer floss. Vor der Küste, wo die Ströme ins Meer zischten, die 48 Hektar neu entstandenes Land.

„Für mich war das ganz schlimm, wenn Kunden und Freunde kamen und sagten, guck, jetzt ist mein Haus gleich weg“, erzählt der Wirt der Ausflugsgaststätte El Time. „Ich hatte die Bude so voll, dass ich zeitweise zuschließen musste. Und wären meine Söhne nicht vom Studium in Leon hergekommen, um zu helfen – ich hätte es nicht geschafft mit dem ganzen Rummel“, sagt Juan Carlos, der seit 26 Jahren auf der Insel lebt.

Die Kirche von Tahuja schaffte es zu eher trauriger Berühmtheit, denn hier sammelten sich Journalisten und Schaulustige zum Vulkangucken. Eine Agentur aus Teneriffa machte glänzende Geschäfte mit Tagestouren zur Katastrophe. „Von Teneriffa per Schiff zum Hafen hierher, per Bus zur Kirche, ein Selfie mit Vulkan und dann wieder zurück“, berichten Anwohner und es klingt etwas bitter.

Doch auf der „Insel der zähen Auswanderer“ (Kerstin Swyzen) schaut man nach vorne. Noch dieses Jahr rechnet man mit den ersten Neuanpflanzungen in der zwölf Meter dicken Lavaschicht und die erste Verbindungsstraße wurde eben geöffnet. Und La Palma ist Vulkan: So entstand die Insel vor Millionen Jahren, sie schufen die spektakulären Landschaften und sie bescherten dem Außenposten nun Aufmerksamkeit. Die verdient La Palma –nicht nur für „La Bestia“.

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