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Haustiere - Immer weniger Tierärztinnen und Tierärzte bieten den Service an – zudem sind die Preise für Einsätze gestiegen

Notdienst wird selbst zum Notfall

Von 
Sabine Meuter
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Muss ein Hund operiert werden, wird es oft richtig teuer. Daher rät die Verbraucherzentrale zu einer Operationsversicherung.

Berlin. Die Katze wurde angefahren, der Hund gebissen, das Meerschweinchen liegt apathisch im Käfig – es gibt viele Gründe, warum Menschen auch nachts, an den Wochenenden und Feiertagen mit ihren Tieren zum Veterinär fahren. In einigen Regionen Deutschlands sind sie lange unterwegs, denn die Zahl der Kliniken, also der Tierarztpraxen, die rund um die Uhr erreichbar sind, sinkt laut der Bundestierärztekammer seit etwa vier Jahren.

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„In Sachsen-Anhalt gibt es zum Beispiel keine einzige Klinik mehr“, sagt Thomas Steidl von der Kammer. Diese Entwicklung hat mehrere Ursachen. Da ist zum einen die ohnehin stetige Überlastung der Praxen, weil es immer mehr Tiere, aber immer weniger Personal gibt.

Kleine Praxen mit ein oder zwei Tierärzten tun sich schwer mit einem Nacht- oder Wochenenddienst, obwohl sie laut Berufsordnung zu Notfalleinsätzen verpflichtet sind. Zudem kauften Investorenketten vermehrt Praxen auf, damit werde aus rechtlichen Gründen automatisch der Klinikstatus aufgegeben, erklärt Steidl.

„An den verbliebenen Kliniken bleibt die Arbeit hängen und wird immer mehr. Das ist wirklich ein Problem“, erklärt Katharina Kessler von der Tierklinik im hessischen Hofheim. Die Wartezimmer seien auch an den Wochenenden voll, und das nicht nur mit Notfällen. Manche Leute kämen mit ihrem Tier am Samstag, weil sie an diesem Tag Zeit hätten. Tierbesitzern rät sie, sich schon vorab über Kliniken in der Nähe zu informieren, damit im Notfall nicht unnötig Zeit verloren gehe.

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Strenge Vorschriften

Deutlich verschärft wird das Kliniksterben durch die aktuelle Arbeitszeitverordnung, die laut Steidl „keinerlei Flexibilität zulässt und extrem rigide umgesetzt wird“. Die Mitarbeiter in Tierarztpraxen müssten spätestens nach zehn Stunden Arbeit nach Hause geschickt werden, selbst wenn Überstunden kurzfristig ausgeglichen werden könnten. Für Tierarztpraxen würden strengere Vorschriften als in der Humanmedizin gelten, sagt er. Wer dagegen verstoße, riskiere hohe Bußgelder. Er kenne Fälle, in denen 80 000 Euro Strafe fällig geworden seien.

Für die Lösung des Problems sieht er mehrere Ansätze, dabei ist seiner Meinung nach auch die Politik in der Pflicht. Schließlich stehe der Tierschutz in der deutschen Verfassung, und wenn Tiere mangels ärztlicher Versorgung leiden oder gar sterben würden, sei das tierschutzrelevant. Die Arbeitszeiten müssten flexibler geregelt werden, fordert er. Auch könne es vom Staat – wie etwa in Frankreich und Luxemburg – finanzielle Unterstützung für Tierärzte im Notdienst geben.

Tierbesitzerinnen zahlen viel Geld für Notfalleinsätze. „Es wäre unser großer Wunsch, dass mehr Leute ihre Tiere krankenversichern lassen, damit auch immer eine sinnvolle Behandlung möglich ist“, appelliert Kessler. Es gibt etliche Versicherungsgesellschaften mit einem solchen Angebot. Kessler rät, sein Tier auf jeden Fall schon im jungen Alter versichern zu lassen, ältere Tiere würden häufig nicht mehr angenommen.

„Außerdem kann auch eine junge Katze oder ein junger Hund vors Auto rennen.“ Allerdings würden nicht die Kosten für alle Behandlungen übernommen, daher solle vor Vertragsabschluss auch das Kleingedruckte unbedingt gelesen werden.

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Verbraucherzentrale kritisch

So zahlen einige Versicherungen etwa nur bis zum zweifachen Satz der Gebührenordnung, andere übernehmen 80 Prozent der Gesamtrechnung, schließen gewisse Krankheiten aus oder legen Selbstbeteiligungen fest. Impfungen oder Wurmkuren werden oft nicht erstattet. Die Verbraucherzentrale in Berlin sieht Krankenversicherungen für Tiere kritisch. Diese lohnten sich nur selten, teilt die Organisation mit und rät, wegen der enormen Unterschiede auf jeden Fall die Preise und die von der Versicherung übernommenen Behandlungen miteinander zu vergleichen. Sie rät Tierhaltern eher zu einer reinen Operationsversicherung. Diese seien im Schnitt um ein Drittel günstiger als Krankenversicherungen. tmn

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