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Nachruf

Das europäische Kino geprägt

Zum Tod des französischen Filmemachers Jean-Luc Godard äußern sich auch Emmanuel Macron und Brigitte Bardot

Von 
Brigit Holzer
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Jean-Luc Godard begann seine Karriere als Filmkritiker, bevor er Filme drehte. © Christof Schuerpf/epa/dpa

„Unsterblich werden und dann sterben.“ Jean-Luc Godard, das zeigte dieses Zitat, hatte Humor, aber auch den Ehrgeiz, ein großes Erbe zu hinterlassen. Es war seine Antwort auf die Frage eines Journalisten nach seinen persönlichen Lebenszielen. Als unsterblich galt er da bereits. Er war einer der größten französischen Regisseure, der mit der Mitbegründung der Nouvelle Vague das europäische Kino geprägt hat wie wenige andere in seiner Generation.

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Etliche Auszeichnungen erhielt er für seine Arbeit, darunter einen Ehren-Oscar im Jahr 2010 und den César-Ehrenpreis 1987 für sein Lebenswerk.

Am gestrigen Dienstag ist Jean-Luc Godard im Alter von 91 Jahren im Städtchen Rolle am Genfersee „friedlich in seinem Zuhause, umgeben von seiner Familie“ gestorben, wie sein Umfeld mitteilte. Ein offizielles Begräbnis werde es nicht geben. Die Asche bleibe bei seiner Frau, der Fotografin Anne-Marie Miéville, die seine langjährige Mitarbeiterin war.

Erst kurz nach seinem 90. Geburtstag, nach einer mehr als 60 Jahre andauernden Karriere, hatte Godard angekündigt, dem Filmgeschäft Adieu zu sagen. Eine Karriere, in der er sich immer wieder erneuert hatte, ohne sich an übliche Gepflogenheiten anpassen zu wollen.

Er sei eine „Erscheinung im französischen Film“ gewesen, bevor er zu dessen Meister wurde, würdigte ihn der französische Präsident Emmanuel Macron: „Wir verlieren einen nationalen Schatz, den Blick eines Genies.“ Der Cineast habe „die Welt mit einer Welle des Mutes, der Freiheit und der Frechheit überschwemmt“, reagierte Kulturministerin Rima Abdul-Malak. „Und Godard schuf Die Verachtung. Außer Atem ist er in das Firmament der letzten großen Erschaffer von Sternen aufgestiegen“, so formulierte Brigitte Bardot auf Twitter ihre Hommage an den Regisseur, indem sie zwei seiner größten Filmerfolge zitierte.

Regisseur mit Einfluss

  • Jean-Luc Godard, geboren 1930 in Paris, zählt zu den einflussreichsten Filmemachern des 20. Jahrhunderts.
  • Sein erster Langfilm „Außer Atem“ (1960) gilt als Musterstück der Nouvelle Vague des französischen Kinos.
  • Spätere Werke fanden weniger Anklang beim Publikum, ausgenommen noch „Die Verachtung“ (1963), in der Michel Piccoli und Brigitte Bardot Hauptrollen spielten.

Die 87-jährige Schauspielerin hatte 1963 an der Seite von Michel Piccoli die Hauptrolle in Godards Meisterwerk „Die Verachtung“ gespielt, so wie er fast alle großen Stars seiner Zeit vor seine Kamera bekam: Isabelle Huppert und Alain Delon, Gérard Depardieu und Jean-Paul Belmondo, dem er zum Durchbruch verhalf, sowie seine beiden ersten Ehefrauen, Anna Karina und Anne Wiazemsky.

1930 als zweites von vier Kindern einer großbürgerlichen Franko-Schweizer Familie in Paris geboren, wuchs Godard in der Schweiz und in Frankreich auf. Während seines Studiums der Anthropologie an der Pariser Sorbonne-Universität interessierte er sich weitaus mehr für die Kinos im Studentenviertel Quartier Latin als für seine Seminare.

Als Filmkritiker vor allem für die Zeitschrift „Cahiers du Cinéma“ fasste er Fuß, nachdem er sich mit verschiedenen Jobs über Wasser gehalten hatte. Drehte er zunächst Kurzfilme, so kam der Durchbruch 1960 mit seinem ersten Spielfilm „Außer Atem“. Zwar beschwerte sich der US-Star Jean Seberg nach dem ersten Drehtag über diesen „Penner“, der ihr nicht einmal in die Augen blicken könne.

Bereits kurze Zeit später aber schwärmte sie von der „irren Erfahrung“, ohne Scheinwerferlicht, Schminke und Toneffekte zu drehen: „All das ist derart gegensätzlich zu Hollywood, dass ich ganz natürlich werde.“

Und genau das wollte Godard: etwas Neues und Experimentelles schaffen, das sich weit vom klassischen Erzähl-Kino, von bisherigen Regeln entfernte. Er drehte teils nur mit einer Handkamera, wagte den collagenhaften „Jump Cut“ als Filmschnitt. Er wurde zu einem der wichtigsten Vertreter der Nouvelle Vague und zu einem Revolutionär in seinem Gebiet noch vor der Studenten-Revolte von Mai 1968.

Mit der Zeit entwickelte er sich zu einem gesellschaftskritischen und filmtheoretischen Werk, näherte sich einem dokumentarischen Stil an und beschäftigte sich mit gesellschaftlichen Themen wie der deutschen Wiedervereinigung, blieb weiter ein einflussreicher Gast bei Filmfestivals, fast bis zuletzt.

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