AdUnit Billboard

Echtes Gold aus der Pfalz

Lesedauer: 

Ein Kieswerk im pfälzischen Rheinzabern fördert das Edelmetall professionell. Von Marc Strehler

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Für einen Goldrausch reicht das nicht: Winzige Flitter des begehrten Edelmetalls sind es, die am Ende eines langen Trennprozesses auf einem ständig rüttelnden Tisch zu sehen sind. Die Masse bringt es letztlich: In einem Jahr gewinnt das Unternehmen Holcim Kies und Beton GmbH in seinem Kieswerk im pfälzischen Rheinzabern immerhin ein paar Kilo Gold aus dem Rhein-Kies. Echtes Rheingold bietet das Unternehmen an, das Geschäft läuft gut. "Wir verkaufen den Mythos Rheingold", sagt Geschäftsführer Patrick Hänggi. Der professionelle Goldabbau ist nach Angaben des rheinland-pfälzischen Landesamtes für Geologie und Bergbau bundesweit einzigartig.

Das Holcim-Kieswerk sieht für einen Laien aus wie jedes andere Kieswerk auch: Riesige Berge von Kies, Sand und Splitt warten auf den Abtransport, unablässig sind Bagger und Förderbänder in Gang. Wer nicht weiß, dass hier neben Kies auch noch ein viel wertvollerer Rohstoff abgebaut wird, dürfte es auch nicht merken. Wo kommt das Gold her? Die Reise geht mit einem Jeep über bucklige Sandpisten ganz in der Nähe des eigentlichen Kieswerkes. Auf einem kleinen See arbeitet ein riesiger, schwimmender Bagger. Alle paar Sekunden fördert ein großer Greifer Material aus etwa 30 Metern Tiefe, bis zu 14 Tonnen fasst er. Über ein mehr als einen Kilometer langes Förderband wird das Rohmaterial ins Werk transportiert. Dort werden die verwertbaren Rohstoffe sortiert. Am Ende geht nur noch sandfeines Material über einen hin und her rüttelnden Tisch. Dort sieht man sie: kleine Goldflitter, gut mit dem bloßen Auge zu erkennen.

Allerdings befindet sich das Gold am Ende des Prozesses noch immer in einer undefinierbaren Masse mit verschiedenen Schwermineralien wie zum Beispiel Zirkon. Nun geht es ein paar Meter weiter in die sogenannte "Hexenküche" des Kieswerkes, wie Jörg Schmauz es nennt. Er ist der Leiter der Rohstoffakquisition bei Holcim in Süddeutschland und außerdem für die Goldgewinnung verantwortlich. In dem Raum stehen eine Bohr-Fräsmaschine und allerhand Werkzeuge und Hilfsmittel.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Hier wird das Gold von den anderen Stoffen getrennt. Wie das genau geht? Das bleibt ein Betriebsgeheimnis. Auf jeden Fall aber auf eine biologische Art und Weise. Der Einsatz von Quecksilber oder anderen hochgiftigen Mitteln zur Trennung, wie sie in den großen Goldminen genutzt werden, ist in Deutschland gesetzlich verboten. Anschließend werden die Goldflitter bei 1200 Grad verschmolzen, etwa viermal im Jahr passiert das. In kleinen Brocken verlässt das Gold das Kieswerk. 2008 bekam das Unternehmen für sein Aufbereitungsverfahren den Unternehmerpreis Rohstoffwirtschaft des Landes Rheinland-Pfalz.

"300 000 Flitter brauchen wir für ein Gramm Gold", erzählt Schmauz. Bis zu 500 000 Tonnen Kies kommen jährlich aus dem See nahe des Rheins. Gemessen daran ist die Menge Gold, die am Schluss übrigbleibt, überschaubar. "Es sind schon Kilo", sagt Hänggi. Ins Detail gehen will er nicht. Die Reinheit liegt bei 22 Karat, Reste von Silber und Kupfer bleiben im Gold zurück. Das Edelmetall verkauft Holcim an Schmuckhersteller, die es weiterverarbeiten. Das Geschäft scheint sich zu lohnen. "Sonst würde wir es auch nicht machen", sagt der Schweizer Hänggi. Das Gold stammt natürlich nicht aus dem legendären Nibelungen-Schatz, der als Rheingold die Fantasie vieler Schatzsucher anregt, sondern aus den Alpen - der Rhein hat es einst hierher befördert.

Holcim ist die einzige Firma, die in Deutschland professionell Gold fördert, und das wiederum nur im Kieswerk Rheinzabern. Dabei ließe sich auch an anderen Stellen entlang des Rheins das Edelmetall fördern, sagt Friedrich Häfner, Vize-Chef des rheinland-pfälzischen Landesamts für Geologie und Bergbau. "Andere Firmen scheuen den Aufwand oder haben nicht die finanziellen Mittel für die Anlagen", vermutet er.

Das Land profitiert finanziell von der Goldgewinnung: Ein Zehntel des Erlöses muss Holcim abführen. Also hilft letztlich Gold, das ursprünglich aus den Schweizer Alpen stammt, bei der Sanierung des rheinland-pfälzischen Haushaltes? Die Geschichte ist dann doch zu schön, um wahr zu sein. Letztlich seien es eher "Kleckerbeträge", die für das Land abfielen, heißt es beim Landesamt.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3
AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1