AdUnit Billboard

Der Seiten-Zauberer

Bei Cheflayouter Tobias Dolch herrscht kreatives Chaos im Kopf und Ordnung auf dem Schreibtisch. Seit 2007 arbeitet er beim "Mannheimer Morgen" - zahlreiche seiner Seiten sind prämiert.

Von 
Anne Kathrin Doerr
Lesedauer: 

Eine Seite mit riesigen schwarzen Mauseohren, darunter steht in fetten Buchstaben "Mächtigste Maus der Welt". Es gibt wohl kaum jemanden, der beim Betrachten keine Idee hat, welchem Thema sich der Artikel widmet. Außerdem macht die Seite schon beim Anschauen Spaß - und Lust darauf, sie zu lesen. Genau diesen Effekt möchte Tobias Dolch, Cheflayouter und Leiter der Grafikabteilung beim "Mannheimer Morgen", erreichen.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Layout bezeichnet die Gestaltung von Texten und Bildern auf einer Seite, ihre Anordnung, ihr Zusammenspiel. "Das Layout ist dafür da, dem Leser Orientierung zu geben und ihn durch die Zeitung zu führen", erklärt Dolch. Ein gutes Layout werte die Artikel auf. "Es vergrößert die Chance, dass der Leser hängen bleibt und Interesse am Thema entwickelt." Ein großer Künstler müsse ein Layouter nicht sein. "Eine gewisse künstlerische Begabung ist aber gut", sagt er.

Dolch zeichnete und malte schon immer gern. Meist Comics, aber auch auf Leinwand mit Aquarell und Acryl. In seinem Beruf sieht sich der 40-Jährige aber nicht als Künstler, sondern als "Dienstleister für den Leser". Und in dieser Dienstleistung ist er im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnet. Vergangenes Jahr wurde der "Mannheimer Morgen" zum sechsten Mal in Folge beim European Newspaper Award, einem der größten Zeitungswettbewerbe Europas, für sein Layout prämiert.

Insgesamt 16 Ehrungen in verschiedenen Kategorien haben von Dolch gestaltete Seiten gewonnen. Er wurde ausgezeichnet für Visualisierung, für Bildschnitt - auch für eine seiner Infografiken erhielt er einen Preis. "Grafik und Layout haben viel gemeinsam. Beides soll das Thema auf den ersten Blick verständlich machen." Eine Lieblingsseite hat Dolch nicht. "Der Idealfall ist ein abgestimmtes Gesamtkonzept. Wenn Überschrift, Bild und Text eine Einheit bilden und es einen ,Aha-Effekt' gibt."

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Seit 2007 gestaltet Dolch als Chef-layouter die Seiten des "MM". In der Grafikabteilung leitet er ein Team von fünf Mitarbeitern. Dass Dolch ein Händchen für Layout hat, zeigte sich früh. Mit zehn Jahren arbeitete er an der Gestaltung einer Zeitung für ein Kinderferienprogramm mit, während der Schulzeit hospitierte er in einer Druckerei. Eigentlich hatte er aber einen völlig anderen Traumberuf. "Ich wollte in die Fußstapfen meiner Mutter treten und Erzieher werden", sagt der Schwabe. Nach seinem Realschulabschluss - und einem weiteren Praktikum in der Druckerei - entschied er sich doch für eine Ausbildung zum Schriftsetzer. Er schrieb drei Bewerbungen. Und erhielt drei Zusagen. Mit 16 begann er seine Ausbildung bei der "Heilbronner Stimme". "Heute heißt der Ausbildungsberuf Mediengestalter. Und heute ist das Arbeiten anders. Völlig anders! Damals gab es nur einen Computer in der Abteilung - den wir Azubis aber nicht nutzen durften."

Diese Zeiten sind lange vorbei, die Möglichkeiten scheinen unendlich. Wenn er könnte, würde Dolch gern einmal gegen sämtliche Layout-Konventionen verstoßen. Einfach frei sein. "Ich habe mit Kulturredakteuren eine Seite zum Thema Dadaismus gestaltet." Er ruft sein Werk am Bildschirm auf. Die Texte stehen kreuz und quer. Dazwischen die Bilder. Diese Unordnung schafft Orientierung und zieht den Leser ins Thema. Dadaismus kennt nun mal keine geraden Linien. Dadaismus will Freiheit. In der Kunst - und auch auf der Zeitungsseite.

Auf Dolchs Schreibtisch herrscht hingegen Ordnung, sogar das E-Mail-Postfach ist aufgeräumt. Sein Haus, das er in der Freizeit renoviert, ist frei von Schnörkeln. "In meinem Kopf ist so viel kreatives Chaos, da brauche ich Ordnung um mich herum", sagt er und grinst.

Volontariat Anne Kathrin Doerr ist seit Dezember 2015 Volontärin beim "Mannheimer Morgen". Während ihres Studiums der Germanistik, Sozialkunde und Bildungswissenschaften (Staatsexamen) an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und unmittelbar im Anschluss daran arbeitete sie unter anderem bei der Kindernachrichtensendung logo! (ZDF), der Tageszeitung "Die Rheinpfalz", der "Pirmasenser Zeitung" sowie dem Gastromagazin "Espresso" und engagierte sich bei Campusradio Mainz. Als Autorin schrieb sie das "LEO Pfälzer Hüttenbuch", das im März 2016 bei der Pfälzischen Verlagsanstalt erschienen ist. Ein Auszug daraus wurde in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Die Pfalz" gedruckt.

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1