Bedürfnisse und die Antworten darauf

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Zu guter Letzt betrachte ich heute die Bedürfnisse der jüngeren sowie der älteren Generation. Oftmals haben die Enkelkinder einen sehr guten Draht zu ihren Großeltern. Wenn ein Pflegefall jedoch eintritt ist es häufig so, dass die Eltern die Kinder vermeintlich vor der Krankheit der Großeltern und der Situation im Allgemeinen ‚schützen‘ wollen und sie außen vorlassen. Dasselbe gilt für Besuche im Alters- oder Pflegeheim.

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Die Erkenntnisse einer pflegenden Angehörigen - Frau G. erläutert ihre Sicht der Dinge

Leider sind Krankheit und Tod in unseren Breitengraden oft noch stark tabuisiert. Dieses Empfinden habe ich besonders jetzt, wo Corona unsere Realität beherrscht. Mir persönlich ging der Übergang zu einem scheinbar ‚sorgenfreien‘ und Feier lastigen Leben zu schnell. Anders in den Ländern, in denen die Krankheit stark wütete und Tausende von Menschen alleine verstarben und gar in Massengräbern beerdigt wurden, so wie z.B. in Italien oder Spanien.

Schwere Momente im Leben und der Tod gehören dazu

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Natürlich ist es nicht einfach Kindern zu erklären, wenn die Großeltern krank werden oder sogar im Sterben liegen. Aber meine Erfahrung ist, dass es für die Kinder viel schlimmer ist, nicht die Wahrheit gesagt zu bekommen und man ihnen die Möglichkeit des Abschiednehmens verwehrt. Gerade Kinder haben eine sehr sensible Antenne und merken, dass etwas nicht stimmt. Mit ihnen über die Situation sprechen und ihnen die Lage erklären macht es einfacher für alle beteiligten und die Kinder können mit in den Trauerprozess oder das Abschiednehmen eingebunden werden.

Im Krankheitsfall sind Kinder die beste Medizin

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Was ist schöner als das unbeschwerte Lachen eines Kindes? Das Kind nimmt sich und die Welt nicht so ernst. Es versteht auch nicht, was gerade passiert und verhält sich ehrlich und direkt. Gerade, wenn ein Verwandter an Demenz erkrankt sind es oft die Kinder, die ein Lächeln auf das Gesicht des Kranken zaubern und die in kindlicher Einfachheit und Naivität mit dem Betroffenen kommunizieren. Außerdem bleibt auch diese Erinnerung im Gedächtnis der Enkel und hilft, eine empathische und soziale gereifte Persönlichkeit zu entwickeln. 

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Ein möglicher Ansatz, Kinder auf eine veränderte Situation vorzubereiten:

  • Den Kindern mit einfachen Worten die Situation erklären;
  • Eckpfeiler und Symptome einer Krankheit zu erklären;
  • Bei den Begegnungen mit dem Kranken dabei sein, aber im Hintergrund bleiben.
  • Hilfestellungen anbieten beim Spielen, Basteln etc.

Die Großeltern und der Rest der Familie

Oftmals sind es leider auch die Großeltern, die sich sträuben, die Enkel mit einzubeziehen, da auch sie verständlicherweise besorgt sind, wie sie die Krankheit und den Tod einer Bezugsperson verkraften. Vielleicht sind sie aber auch selbst noch nicht soweit und haben sich noch nicht mit der eigenen Situation auseinandergesetzt. Doch Kinder geben älteren Menschen besonders dann viel Halt und Liebe, wenn es kritisch ist. Intuitiv wissen die meisten, was in dem Moment für alle am Besten ist. Großeltern sollten auf die Kreativität und den Einfallsreichtum der Enkel vertrauen und sich mitreißen lassen. Manchmal kommen tolle Sachen dabei raus, wie z.B. im Falle der Enkelin einer Heimbewohnerin in Holland, die an Demenz erkrankte. Sie fand ihr Zimmer nicht wieder, wenn sie im Heim unterwegs war. Kurzerhand fotografierte die Enkelin die Haustür des Hauses, in dem ihre Großmutter jahrzehntelang lebte. Mit Genehmigung der Heimleitung machte sie eine Fototapete und klebte sie auf die Tür des Zimmers im Pflegeheim. Danach konnte die Großmutter wieder ihr Zimmer finden. Das Beispiel machte Schule und das ganze Heim profitierte von der Idee.

Andere Enkelkinder machten sich den Pokemon-Hype zunutze. Mit ihrem Smartphone und ihren Großeltern im Schlepptau gingen sie spazieren und auf Pokemon-Jagd - sehr zum Vergnügen aller. Ein positiver Nebeneffekt war, dass alle an der frischen Luft waren und sich bewegten. Sie sehen, das Alter profitiert von der Jugend und umgekehrt.

Am besten ist es, wenn alle Beteiligten versuchen, über ihre Ängste, Gedanken und Wünsche offen in der Familie zu kommunizieren. Genau dann kann man allen gerecht werden und versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. 

In diesem Sinne – Bleiben Sie gesund!

Ihre Waltraud Gehrig