Eilmeldung : Teilnehmerkreise: Öffnungen für Handel, Kultur und Sport ab Inzidenz 50

 Unterhaltung - Speyerer Regisseur Tim Dünschede hat einen 90-Minuten-Thriller ohne einen einzigen Schnitt gedreht „Limbo war wie Theater spielen“

Von 
Simone Jakob
Lesedauer: 
Regisseur Tim Dünschede – hier mit „Limbo“-Hauptdarstellerin Elisa Schlott arbeitet nach seinem Debütfilm schon am nächsten Projekt. © Dünschede

Speyer. „Für mich ist es einfach wunderbar, dass mein Debütfilm im Speyerer Theaterhaus läuft, denn dort habe ich als etwa Zehnjähriger meinen allerersten Kinofilm angeschaut“, erzählt Regisseur Tim Dünschede im Gespräch mit dieser Redaktion. Der gebürtige Speyerer hat das Experiment gewagt und seinen Thriller „Limbo“ in einer einzigen Einstellung gedreht – ohne Schnitte. So bewegt sich die Kamera mitten durch das Geschehen, folgt mal dieser Person, mal jener. Schließlich laufen bei einem illegalen Boxkampf mehrere Schicksale durch eine Geldwäsche-Verschwörung zusammen.

„Limbo“ in der Region

  • In der Region kann man „Limbo“ im Heidelberger Gloria-Kino in der Altstadt (Hauptstraße 146) anschauen. Dort steht der Film am Montag, 2. März, und Mittwoch, 4. März, jeweils ab 21 Uhr auf dem Programm.
  • Das Theaterhaus Speyer zeigt den Thriller am Mittwoch, 4. März, 21 Uhr. Das Karlsruher Schauburg Theater am 4. März um 17 Uhr.
  • Da der Bayerische Rundfunk den Film gefördert hat, wird er 2021 auch im Ersten ausgestrahlt.

Gemeinsames Projekt

AdUnit urban-intext1

„Da Limbo meine Abschlussarbeit an der Hochschule für Film und Fernsehen in München ist, konnten Kameramann Holger Jungnickel und ich diesen sicheren Rahmen nutzen. Das werden wir so in der Branche nie wieder machen können“, berichtet er. „Eigentlich hatte Holger die Idee, ich musste erst einmal eine Nacht darüber schlafen, weil man viele Möglichkeiten aufgibt, wenn man nicht schneidet. Das ist wie Theater spielen. Der Regisseur gibt das Startzeichen und kann dann nicht mehr eingreifen. Das war für mich Adrenalin pur.“

Der Film erzählt die Geschichte der jungen Compliance-Managerin Ana (Elisa Schlott), die an einem späten Freitagabend ungewöhnlich hohe Rechnungsbeträge in den Firmenunterlagen entdeckt und ihren Chef Frank Mailing – den der Heidelberger Mathias Herrmann („Ein Fall für Zwei“) spielt – zur Rede stellen will. Der steigt mit einem Kunden in ein Taxi und nimmt sie kurzerhand mit. Zeitgleich versucht der verdeckte Ermittler Carsten (Tilman Strauß), das Geldwäsche-Netzwerk des Wiener Gangsterbosses (Christian Strasser) zu infiltrieren. Seine Eintrittskarte ist der alternde Kleinganove Ozzy (Martin Semmelrogge), der es satt hat, immer nur der Laufbursche des Wieners zu sein, und vom eigenen großen Geschäft träumt. Sie alle führt der Weg zu einem illegalen Boxkampf ohne Handschuhe in eine stillgelegte Fabrikhalle – und es kommt zu einem finalen Kampf, bei dem es um weitaus mehr als nur um Gewinnen oder Verlieren geht.

„Als Inspiration für die Rolle von Ozzy hatte ich mir ein Plakat von Al Pacino an die Wand gehängt. Irgendwann kam der Produzent vorbei und hat gesagt, der sieht ja aus wie Martin Semmelrogge“, erinnert sich Dünschede. Tatsächlich habe dieser perfekt zu der Rolle gepasst. Nach einer offiziellen Anfrage bei Semmelrogges Agentur habe er sich mit ihm getroffen. „Da wir ein sehr kleines Budget hatten, konnten wir den Schauspielern nichts bezahlen. Aber Martin Semmelrogge fand es spannend, bei einem solchen Projekt mitzumachen, weil es eben etwas ganz anderes ist, als wenn man eine Szene mehrfach dreht.“ Deshalb sei das Drehbuch für Limbo eine lange Tüftelei gewesen. „Wenn sich die Wege der Protagonisten kreuzen sollen, müssen sie das auch in der Realität tun“, sagt Dünschede. „Wir haben eine Haupt- und eine Generalprobe gemacht, beide mitgefilmt und uns dann gemeinsam angeschaut, was funktioniert und was langweilig wirkt.“ Neun Monate habe die Arbeit an „Limbo“ – was im Englischen Schwebezustand oder Vorhölle bedeutet – gedauert.

Eigene Welten schaffen

AdUnit urban-intext2

Als Regisseur möchte der Pfälzer eigene Welten schaffen, deshalb bevorzugt er Sci-Fi-Streifen oder Thriller. „Wenn man mich gefragt hätte, ob ich Regie beim vierten Teil von Matrix führen möchte, hätte ich sofort zugesagt.“ Die surreale Abenteuerreise durch virtuelle Welten habe ihn überhaupt zum Film gebracht. „Die Realität abzufilmen finde ich nicht so reizvoll.“ Deshalb stünden Sozialdramen und Komödien nicht ganz oben auf seiner Wunschliste. „Aber vorstellen kann ich mir natürlich viel.“

Im Moment arbeitet Dünschede an einem Drehbuch für einen Kinofilm mit einer Münchner Produktionsfirma. „Was genau, kann ich aber noch nicht verraten.“

Redaktion schreibt als Reporterin über Themen aus der Metropolregion