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Mannheim Verkehrsproblematik als Thema

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Stau in Mannheim. (Symbolbild) © Blüthner

Zum Artikel „Verkehrsversuch trifft Praxis“ vom 21. Juli:

Nachdem ich den Artikel zu diesem Thema gelesen habe, ist für mich erkennbar, dass in dieser Stadt Entscheidungen getroffen werden, ohne über deren Folgen nachzudenken. Im Bereich zwischen Q 1-U 1 und Q 7-U 6 befinden sich zur Zeit mindestens vier Baustellen, die den Verkehr absperren, also einen Verkehrsfluss massiv behindern.

Seit Wochen bestehen zwischen Q 4/R 4/T 5/U 5/S 3/T 3 Sperrungen durch Blockieren der Straßen durch Baustellen. Auch ist die Kreuzung U 3/U 4 zum Friedrichsring gesperrt. Diese Beeinträchtigungen werden in keinem der Berichte über derartige Themen erwähnt. Das klingt auch zynisch, wenn die Stadtverwaltung bemerkt, dass man eine Verlagerung der Anwohnerbelastung in Kauf nimmt, wenn man im Großen und Ganzen eine Verbesserung der Situation (in den Quadraten) erreicht. Da werden die Anwohner am Ring sicherlich mit einverstanden sein. Warten wir mal ab, was da kommt. Vielleicht dann ein Verkehrsversuch am Ring.

Über viele Jahrzehnte w a r Mannheim für uns d i e Einkaufsstadt! Ganz natürlich, da meine Gattin in Mannheim geboren wurde, Großeltern einst in der Wespinstraße wohnten und ihre Eltern zeitweise in P 7! Ich selbst habe in der Friedrich-List-Schule mein Abitur bestanden und daher auch eine gute Beziehung zur Stadt. Sie war für uns immer einen Ausflug wert, sei es zur Wasserturmanlage oder zur Kunsthalle. Auch unsere Möbel zur Gründung unseres Hausstandes, sie alle kamen aus dem Mannheimer Raum. In vielen vergangenen Jahren erstanden wir unsere Kleider zum größten Teil alle in Mannheim. Auch unsere Optikerläden sind dort zu finden.

Schade, dass es viele gute alteingesessene Firmen nicht mehr gibt! Auch die Cafés, die einst zu Besuchen einluden, sind nicht mehr. Erst endete Café Walther, dann Café Kiemle, vor kurzem schloss das Café Zeilfelder, einst Kolmar. Wie lange können sich wohl die Herrdegen-Töchter halten in einer Stadt, die für die reifere Generation keine Aufenthaltsqualität mehr hat? Einer Stadt, die nicht begreift, dass viel, viel Geld aus dem Umland kommt und nicht von den loungigen Fressmeilen, wo man stundenlang an einer Kaffeetasse chillt?

Mannheim ist, so las ich einst, eine grüne Stadt (n o c h nicht politisch) – was will man noch grüner machen? Etwa wieder mehr Bäume auf den Planken pflanzen? Nein, vielmehr soll ein neues Raumgefühl mit Liegewiese und nachhaltigem (?) Picknick das Ziel sein! Noch mehr „to go“ heißt aber noch mehr Dreck auf den Straßen! Dabei ist Mannheim schon jetzt vermüllt genug.

Es gilt, die Stadt neu zu denken – das ist heute der Tenor. Für wen, frage ich mich, wenn ich lese, dass viele Städter gern in den grünen Gürtel des Umlandes ziehen möchten, was aber inzwischen auch recht teuer geworden ist. Die Innenstadt, verkommt sie zu einer Fress- und Saufmeile mit Dauereventcharakter? Wird die Freßgasse nun endlich ihrem Namen gerecht?

Als Passanten können mich die Interviewer sicher nicht nach meiner Meinung fragen, die sie ganz gewiss lieber nicht hören, aufnehmen und weitergeben möchten, denn seit geraumer Zeit bevorzugen wir es, in Speyer zu flanieren und einzukaufen. Bald ist die Salierbrücke wieder geöffnet, dann dürfen die Heidelberger und die Mannheimer ihre Stadt gern dichtmachen. Hat Mannheim mit seinen maroden Rheinbrücken und der Fahrlachtunnelsanierung nicht Verkehrsprobleme genug? Der Verkehrsversuch kommt tatsächlich zu einer ungünstigen Zeit. Wirklich unglaublich, dass die Stadtsprecherin einen kritischen Beitrag abrupt unterbricht, wie berichtet wird.

Man hat dem Auto in Mannheim den Kampf angesagt, schon vor einigen Jahren. Start war die Widderenge am Schloss. Damals hat man den sich daraus ergebenden Stau auf der Friedrich-Ebert-Brücke in Kauf genommen und den gibt es auch Jahre danach immer noch. Es werden vier Arbeitsgruppen gebildet, die Probleme aufschlüsseln und Lösungen aufzeigen, den Verkehr neu zu organisieren. Was für eine Ironie.

In den letzten Jahren und Monaten war darüber genug zu lesen und zu hören. Ein computergestütztes Modell für die Verkehrsführung ist genauso spaßbefreit, wenn man sich vor Augen führt, dass eine Umleitung für den Fahrlachtunnel nicht mehr aufgezeigt wurde, weil es einfach keine mehr gibt. Ganz ehrlich, was soll denn besser werden, wenn der politische Wille fehlt?

Das Beispiel mit der dritten Rheinbrücke, jahrzehntelang diskutiert und dann still beerdigt, oder die Sperrung der Mannheimer Innenstadt zeigen doch das Basisproblem auf, da braucht es kein neues Gremium zum Diskutieren, sondern Verwaltungen und politische Gremien, die tatsächlich etwas an der Situation ändern möchten und kein neues Feigenblatt. Als leidgeplagter Pendler habe ich ja noch Glück, weil ich von Mannheim nach Ludwigshafen pendle. Umgekehrt ist das Ganze ja noch viel schlimmer. Wie wäre es denn, erst die Voraussetzungen für geänderte Verkehrsflüsse zu schaffen, bevor man sie umleitet? Viele müssen mit dem Auto pendeln, oder glaubt wirklich jemand, es macht Spaß, sich morgens und abends in einen Stau zu stellen? So bleibt ja nur der Verdacht, diese Verkehrssituationen zu provozieren, bis man eine Stauzeit erreicht, die den ÖPNV attraktiv erscheinen lässt.

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Klaus Menrad
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Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3jjZH1O 

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