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"Das ist ein tolles Potenzial"

Von 
Agnes Polewka
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Was hat die Metropolregion Rhein-Neckar, was andere nicht haben? Warum sollten Facharbeiter sich ausgerechnet hier einen Job suchen? Und was droht der Region in Zukunft? Drei Mannheimer Mittelstandsforscher sprechen über Chancen, Probleme und Perspektiven der Region.

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Mannheimer Institut für Mittelstandsforschung

  • Das ifm ist eine Forschungseinrichtung der Universität Mannheim. Untersucht werden dabei aktuelle Themen rund um den Mittelstand. Aktuell arbeiten 25 Wissenschaftler am ifm Mannheim.
  • Michael Woywode ist seit September 2007 Inhaber des Lehrstuhls für Mittelstandsforschung und Entrepreneurship sowie Leiter des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) an der Universität Mannheim. Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem im Management des Unternehmenswachstums und dem organisatorischen Wandel.
  • Detlef Keese ist Leiter des Forschungsbereichs "Familienunternehmen" am ifm. Neben anderen Projekten hat er auch die Struktur kleiner Familienunternehmen untersucht.
  • Niclas Rüffer ist seit April 2008 ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am ifm und am Lehrstuhl für Mittelstandsforschung und Entrepreneurship von Prof. Woywode. Er untersucht beispielsweise Fördermaßnahmen von Land und Bund´.
  • Die Forscher haben zuletzt für die IHK die Mitarbeitergewinnung und -bindung mittelständischer Unternehmen untersucht.

Das Silicon Valley gilt als Kaderschmiede für IT-Spezialisten. Für welche Zöglinge ist die Metropolregion Rhein-Neckar berühmt-berüchtigt?

Michael Woywode: Die Metropolregion Rhein-Neckar zeichnet sich - vielleicht sogar ähnlich wie das Silicon Valley - dadurch aus, dass sie in unterschiedlichen Bereichen fachliche Kompetenzen besitzt. Sei es in der Chemie, der IT oder der Medizintechnik. Insofern ist es schwierig, von dem einen Bereich zu sprechen. Wir haben hier eine breite Vielfalt.

Wie verteilt sich diese "Vielfalt" über die Region?

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Woywode: Wir haben einmal den Kern. Dazu gehören die Städte Mannheim und Ludwigshafen sowie Heidelberg. Daneben gibt es noch das Umland und den ländlichen Bereich, den Odenwald und die Pfalz. Beide Bereiche ticken ganz anders. In einer unserer Studien haben wir gesehen, dass die Unternehmen im Kern stark um Fachkräfte konkurrieren. Vor allem die mittleren und mittelständischen Unternehmen mit den Großunternehmen. Auf dem Land ist man davor gewissermaßen geschützt - allein schon durch die Entfernung.

Haben wir hier etwas, was andere nicht haben?

Woywode: Ich denke, dass wir hier in der Region ein Beispiel dafür haben, wie die Ausbildungsinstitutionen - Universitäten, Hochschulen, Fachhochschulen und Berufsschulen - sehr gut mit den lokalen Unternehmen zusammenarbeiten. Und die arbeiten wiederum gut untereinander zusammen.

Sie sagen, die Ausbildung funktioniert gut. Trotzdem suchen alle händeringend nach Fachkräften. Woran hängt's?

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Niclas Rüffer: Wir haben heute in ganz Deutschland noch maximal 60 Prozent der potenziellen Auszubildenden, die wir vor zehn Jahren hatten. Das liegt vor allem am demografischen Wandel. Und das merken die Unternehmer in der Region natürlich auch.

Ein biologisches Problem sozusagen. Können die Unternehmer Ihrer Ansicht nach überhaupt noch etwas tun, um neue Kräfte zu werben?

Rüffer: Vielleicht braucht jemand, der im handwerklichen Bereich tätig ist, nicht unbedingt eine super Note in Englisch. Früher konnten die Unternehmen das noch einfordern. Heute nicht mehr. Wir hören aus den Unternehmen, dass sie sich jetzt gezielt auch auf solche Bewerber konzentrieren, die früher vielleicht keine Chance gehabt hätten.

Detlef Keese: Nicht jeder junge Mensch ist ein typischer Nerd. Es gibt viele, die technische Fähigkeiten haben. Auf die sollten Unternehmen zählen.

Woywode: Bei den Interviews für eine unserer Studien haben wir auch festgestellt, dass sich mittlerweile doch viele Unternehmen im Ausland umschauen und sich von dort Mitarbeiter holen. Heute schon, weil sie gesehen haben, dass sie in der Region ihren Fachkräftebedarf nicht mehr gedeckt bekommen. Man kann außerdem überlegen, was man mit älteren Arbeitnehmern anstellt, wie man sie länger produktiv hält und wie sie ihre Erfahrungen am besten an nachfolgende Generationen weitergegeben können.

Wer hat künftig bessere Chancen im Rennen um die besten Fachkräfte - die großen Konzerne oder doch eher die Mittelständler?

Keese: Das muss man differenziert sehen. Die Großen können Gehaltsanreize liefern, die bei den Kleinen nicht drin sind. Die müssen dann schauen, dass sie ein Arbeitsumfeld mit familiärer Atmosphäre und passgenauen Ausbildungsangeboten haben. Oder dass der Draht zum Geschäftsführer besser ist.

Woywode: Sie haben außerdem den Vorteil, dass die Perspektiven besser überschaubar sind. Ich muss zum Beispiel nicht damit rechnen, in den nächsten Jahren nach Asien versetzt zu werden. Außerdem muss ich nicht alle halbe Jahre eine "performance review" überstehen und Angst haben, dass ich deshalb vielleicht das Unternehmen verlassen muss. Vor allem der jungen Generation wird das immer wichtiger.

Inwiefern?

Woywode: Die Generation, die heute ausgebildet wird, hat nicht diese Bereitschaft, sich ganz dem Beruf zu verschreiben. Die Jungen wollen nicht mehr alles tun, nur damit das Unternehmen möglichst großen Erfolg hat. Es gibt zwar immer noch eine Gruppe, die dazu bereit ist. Aber der Anteil derjenigen, die Wert auf ein gesundes Leben legen, nimmt zu. Immer mehr Menschen wollen für eine Firma mit positivem Image arbeiten und mit einer sinnvollen Tätigkeit beschäftigt sein. Das ist ein tolles Potenzial - vor allem auch für die kleinen Unternehmen.

Wo geht es also hin, für die Metropolregion Rhein-Neckar?

Woywode: Der Fachkräftemangel wird deutlich an Dramatik gewinnen. Die Region muss sich deshalb so attraktiv wie möglich aufstellen und "strahlen". Wir haben die großen Leuchttürme wie BASF, SAP und Roche hier, aber auch die "hidden champions" wie Fuchs und Freudenberg. Dazu kommen der attraktive Mittelstand und die Start-ups. Damit treten wir in Konkurrenz mit anderen großen Metropolregionen.

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