Konjunktur - Schwieriges Jahr in Baden-Württemberg erwartet Wohnungsbau rettet Branche das Umsatzplus

Von 
Peter Reinhardt
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Stuttgart. Starke Zuwächse im Wohnungsbau haben der Bauwirtschaft in Baden-Württemberg die Bilanz im Corona-Jahr gerettet. Das Plus von zwölf Prozent hat die Rückgänge im Tief- und im Wirtschaftsbau mehr als ausgeglichen. Unter dem Strich rechnet Markus Böll, der Präsident des Branchenverbandes Bauwirtschaft, für 2020 mit einem Umsatzwachstum von rund zwei Prozent auf 14,2 Milliarden Euro.

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Der Unternehmer aus dem nordbadischen Schriesheim geht davon aus, dass „die Party im Wohnungsbau weitergeht“, aber ansonsten seien die Auftragseingänge zuletzt in den meisten Segmenten stark eingebrochen. Vor allem für Unternehmen im Straßen- und Tiefbau werde 2021 ein sehr schwieriges Jahr. Im schlechtesten Fall könne es zu einem Umsatzminus von zwei Prozent kommen.

Besonders in großen Städten und den Ballungsräumen im Südwesten ist die Nachfrage nach neuen Wohnungen groß. Die Zahl der Baugenehmigungen stieg letztes Jahr um sechs Prozent auf 40 400. Böll forderte dennoch verbesserte Rahmenbedingungen. Die Politik sollte seiner Ansicht nach zumindest für die Investoren im Mietwohnungsbau wieder die degressive Abschreibung einführen. Einmal mehr pochte er auf eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren und den Verzicht auf kostentreibende gesetzliche Vorgaben.

Dagegen gingen während der Pandemie die Auftragseingänge im Straßenbau um gut 10 Prozent zurück. Vizepräsident Mathias Waggershauser sieht die Unternehmen in diesem Bereich in einer sehr schwierigen Situation. In manchen Regionen seien die Ausschreibungssummen um bis zu 50 Prozent eingebrochen. „Es droht ein erdrutschartiger Preisverfall. Am Markt herrscht Panik“, sagte Waggershauser.

„Am Markt herrscht Panik“

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Zwei Ursachen sieht er für den Niedergang: Viele Kommunen hätten ihre Mitarbeiter ohne ausreichende Ausstattung ins Homeoffice geschickt. Telefonweiterschaltungen würden nicht funktionieren, die Bandbreite der Internetanschlüsse reiche nicht. „Da gibt es Riesenprobleme“, sagt er. Bei den Bundesstraßen und Autobahnen gebe es deutlich weniger Ausschreibungen, weil die neu gegründete Autobahngesellschaft des Bundes nicht richtig in die Gänge komme. Die Mitarbeiter seien mehr mit der Selbstfindung beschäftigt als mit dem Planen.

Korrespondent Landespolitischer Korrespondent in Stuttgart