Brauerei - Eröffnung von zweitem Gasthaus nach dem Lockdown geplant / Branche durch Pandemie schwer getroffen Welde setzt auf Gastronomie

Von 
Tatjana Junker
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Plankstadt. Die Plankstadter Brauerei Welde will trotz Corona-Krise ihren Gastronomie-Bereich stärken. „Wir glauben, dass die Menschen nach der Pandemie umso mehr das Bedürfnis haben werden, sich wieder in Restaurants oder Biergärten zu treffen. Darauf wollen wir vorbereitet sein“, sagte Geschäftsführer Max Spielmann (Bild) am Mittwochabend bei einer virtuellen Veranstaltung des Clubs der kurpfälzischen Wirtschaftsjournalisten. Die Gastronomie habe viel dafür getan, dass sich die Gäste nach dem Lockdown wieder sicher fühlen könnten.

Das Geschäft mit alkoholfreien Produkten will Welde ausbauen. © Ri, Welde
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Welde besitzt und betreibt in Schwetzingen ein eigenes Brauhaus, seit Frühjahr 2020 hat das Unternehmen zudem das Gasthaus „Grüner Baum“ in Schwetzingen gepachtet. Es wird im Moment umgebaut und soll im Frühjahr nach dem Lockdown öffnen. Ausgeschenkt werden sollen dort vor allem Biere der vor einiger Zeit wiederbelebten Traditionsmarke Kurpfalzbräu.

Absatz deutlich gesunken

Insgesamt steuert das Geschäft mit Bier für Restaurants, Kneipen und Veranstaltungen bislang rund ein Drittel zum Umsatz der regionalen Brauerei bei. „Das sind gleichzeitig unsere ertragreichsten Hektoliter“, so Spielmann, der das Familienunternehmen seit zwei Jahren gemeinsam mit seinem Vater Hans Spielmann führt.

Auch bei der Plankstadter Brauerei hat unterdessen die Pandemie ihre Spuren hinterlassen. „Unser Absatz ist im Corona-Jahr 2020 um rund zehn Prozent gesunken “, sagte Spielmann. „Vor allem im ersten Lockdown hatten wir einen massiven Einbruch im Gastronomiebereich, den wir über den Sommer nur teilweise ausgleichen konnten.“

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Glaubt man dem Deutschen Brauerbund, ist Welde mit seinem Rückgang von zehn Prozent bisher noch vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen. Der Verband berichtet von Betrieben, die durch die Pandemie bis zu 70 Prozent ihres Geschäfts verloren haben. Vor allem kleinere Brauereien mit bis zu 30 Mitarbeitern, die oft besonders stark vom ausbleibenden Gastronomieabsatz und der Absage von Festveranstaltungen betroffen seien, müssten einer Umfrage des Verbands zufolge drastische Rückgänge beklagen. Im Schnitt hätten die befragten Betriebe ein Absatzminus von durchschnittlich 19 Prozent zu verzeichnen. „Die Situation ist dramatisch und in der Nachkriegszeit ohne Beispiel“, beschreibt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, die Lage.

Bei Welde ist derzeit ein Teil der Belegschaft in Kurzarbeit, das Geld der Betroffenen stockt das Unternehmen Spielmann zufolge auf: „Unsere Mitarbeiter können genauso wenig für die Krise wie wir.“ Die Möglichkeit, Kurzarbeit anzumelden, sei die einzige Form der staatlichen Unterstützung, die Welde bekomme. In der Brauerei arbeiten rund 60 Menschen.

Craft Beer stützt den Umsatz

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Im Handel profitierten regionale Brauereien Spielmann zufolge unterdessen davon, dass viele Verbraucher zunehmend nach Produkten aus der Heimat greifen. „Immer mehr Menschen wollen wissen: Wo kommt das Produkt, das ich kaufe, her?“ Dass regionale Biere während der Corona-Krise weiter in der Gunst der Verbraucher gestiegen sind, hatte unlängst auch eine Studie im Auftrag der Brauerei Veltins ergeben.

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Auch Bier-Spezialitäten standen demnach hoch im Kurs. Bei Welde seien die Craft-Beer-Sorten, also handwerklich gebraute Biere, inzwischen eine klare Säule beim Umsatz und Ertrag, so Geschäftsführer Spielmann. Sie machten rund sieben bis zehn Prozent des Umsatzes aus. Man denke zudem darüber nach, das Sortiment an alkoholfreien Produkten auszubauen.

Sehr zufrieden sei man mit der Entwicklung der Zweitmarke Kurpfalzbräu, die die Plankstadter vor einigen Jahren als Traditionsmarke wieder auf den Markt gebracht haben. „Wir sprechen damit weitere Kundengruppen an und haben uns neben unserer Marke Welde mehr Platz in den Supermarktregalen gesichert“, erklärt Spielmann. Den Ausstoß der Welde-Brauerei beziffert der 31-Jährige auf rund 100 000 Hektoliter im Jahr.

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