Flugplätze - Mannheim und Speyer schließen ersten Rahmenvertrag / Wirtschaftsprüfer sehen hohe Hürden Weiter Weg zur Fusion

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Matthias Kros
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Seit 2014 verkehrt am Mannheimer City Airport die Fluglinie Rhein-Neckar Air. © Rinderspacher

Mannheim/Speyer. Die Flugplätze Mannheim und Speyer haben für ihre geplante Zusammenarbeit erstmals eine konkrete Vereinbarung getroffen. Man habe einen Rahmenvertrag abgeschlossen, der bei entsprechenden Engpässen eine Personalüberlassung in den Bereichen Flugsicherung, Feuerwehr und Platzwarte regele, erklärten die Geschäftsführer der beiden Plätze am Dienstag in Speyer.

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An weiteren Themen werde darüber hinaus gearbeitet, wie etwa einem gemeinsamen Betrieb der Tankstellen. „Dadurch erhalten wir zum Beispiel beim Spriteinkauf deutlich bessere Konditionen und können ein gemeinsames Krisenmanagement betreiben, wenn eine Tankstelle ausfallen sollte“, sagte Reinhard Becker, Chef des City Airports in Mannheim. Und schließlich sehe man auch bei Zertifizierungen und der fälligen Qualifikation des Personals Potenzial. „Hier müssen wir künftig nicht mehr parallele Strukturen aufbauen.“

Die beiden lange Zeit miteinander rivalisierenden Flugplätze reden seit Anfang 2016 über eine Kooperation. Anlass war ein Gutachten, das überraschend zu dem Ergebnis gekommen war, das Ziel eines einzigen Flugplatzes für die gesamte Region aufzugeben und stattdessen die bestehenden Einrichtungen zu erhalten und zu optimieren. Seit Herbst vergangenen Jahres wird sogar offen über eine gemeinsame Betreibergesellschaft nachgedacht. Eine in diesem Zusammenhang eingeschaltete Wirtschaftsprüfungsgesellschaft habe aber auf die Bremse getreten, sagte Roland Kern, Chef des Flugplatzes in Speyer: „Angesichts der unterschiedlichen Besitzsituation und Bundesländer mit ihren verschiedenen Genehmigungsbehörden erscheint das aus heutiger Sicht zu kompliziert.“ Tatsächlich sind Zusammenschlüsse von Flugplätzen in Deutschland vergleichsweise selten. Als Beispiel für eine gelungene Fusion gelten Mönchengladbach und Düsseldorf, gescheitert ist ein solches Vorhaben dagegen in Zweibrücken und Saarbrücken. Man werde dieses Ziel zwar nicht ganz aufgeben, aber erstmal hinten anstellen und mit kleineren Maßnahmen beginnen, bei denen es leichter wird, sagte Dirk Eggert, Geschäftsführer des City Airports und der Fluggesellschaft Rhein-Neckar-Air. „Das Vertrauen muss erst mal wachsen.“ Die eingeschalteten Wirtschaftsprüfer seien nun angehalten, jede der definierten Maßnahmen auf ihren betriebswirtschaftlichen Nutzen hin zu beurteilen.

Mietverträge bis 2044

Becker dämpfte allerdings auch hier die Erwartungen: „Natürlich werden wir hier und da Synergien heben und die Flugplätze so wirtschaftlich betreiben, wie es geht“, versicherte er. Aber Infrastruktur koste nun mal Geld und man müsse bei der Auslastung immer die Zumutbarkeit für die Bevölkerung im Blick haben.

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Auch deshalb sei es wichtig, die Flugbewegungen in der Region weiterhin auf mehrere Flugplätze zu verteilen, sagte Eggert. Der Stadtrat in Speyer hatte das im Frühjahr in Frage gestellt und die Stadtverwaltung aufgefordert, eine Schließung des Flugplatzes in der Domstadt zu prüfen. Das sei mittlerweile erledigt, teilte eine Behördensprecherin am Dienstag auf Anfrage mit. Das Rechtsamt der Stadt habe die Angelegenheit untersucht und die Dauer der Mietverträge bis 2044 bestätigt. Die Stadt habe gar kein Recht, die Verträge vorzeitig zu kündigen. „Das Thema ist abgeschlossen“, sagte sie.

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