Kriminalität - Der Mannheimer Wolfgang Haselberger ermittelt im Unternehmensauftrag gegen betrügerische Geschäftspartner und Mitarbeiter / Schwerpunkt China "Viele Firmen vertrauen blind"

Von 
Rüdiger Ofenloch
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Korruption ist eine Spielart von Betrügereien, die Firmen teuer zu stehen kommen und auch dem Image schaden.

© dpa

Mannheim. Zunächst standen Wolfgang Haselberger und sein Auftraggeber vor einem Rätsel. Wohin verschwanden die wertvollen Edelstahlteile, die der deutsche Produzent von einem Geschäftspartner in China vertreiben ließ? In den Büchern keine Spur davon. Schließlich wollten es Haselberger und sein Klient genau wissen. Sie flogen nach China, schauten sich die Firma an und ließen sich vom Sicherheitspersonal die Aufzeichnungen der Überwachungskameras aushändigen. Siehe da: Des nächtens herrschte auf dem Firmengelände reger Betrieb. "Da war mehr los als tagsüber", sagt Haselberger.

Wolfgang Haselberger

  • Wolfgang Haselberger ist 45 Jahre alt und gebürtiger Mannheimer. Hier ging er zur Schule und zur Universität.
  • Außerdem hat er in China studiert und beherrscht die Sprache.
  • Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind neben China und Asien Südamerika und Afrika. Dort arbeitet er für Dax-Konzerne genauso wie für kleine und mittelständische Betriebe.
  • Haselberger ermittelt in den verschiedensten Branchen, u.a. Pharmatechnologie, Maschinenbau und Logistik.
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Lastwagenweise ließ der chinesische Produktions- und Logistikleiter die Stahlteile davonkarren und verkaufte sie auf dem Schwarzmarkt. Ein dreistes und gleichermaßen einträgliches Geschäft - gut getarnt fast narrensicher. Bis eben Wolfgang Haselberger auf den Plan trat - und sich die Videos betrachtete. Haselberger ist Mannheimer und leitet in seiner Geburtsstadt die Firma "Arsa Consulting", das steht für "Audit and Risk Management Services Asia". Wenn ein Firmenchef glaubt, seine Mitarbeiter oder Geschäftspartner bereicherten sich an Firmenkapital oder arbeiteten mit illegalen Methoden wie Bestechung oder Steuerhinterziehung, wählt er Haselbergers Nummer.

Haselberger ist so etwas wie ein externer Ermittler. Gibt es einen begründeten Anfangsverdacht, steigt er in die Recherche ein. Prüft Dateien, sieht Buchungsunterlagen und Bilanzen durch. Findet er Auffälligkeiten, geht es zum nächsten Schritt. "Dann sammle ich Beweise", sagt Haselberger und lächelt vielsagend: "Die sind in der Regel nicht allzu schwer zu finden. Meine Aufdeckungsquote liegt nahe bei 100 Prozent."

"Alles hinterlässt einen Abdruck"

Man kann sagen: Wenn Haselberger ermittelt, ist es für die Betrüger zu spät. "Die haben dann nicht viele Möglichkeiten. Sie können E-Mails und Dateien zwar löschen, aber alles hinterlässt einen digitalen Abdruck", erklärt er. In solchen Fällen arbeitet er mit IT-Forensikern zusammen: Die holten dann auch aus komplett gelöschten Festplatten noch so einiges heraus. Dass er hauptsächlich in China arbeitet, liegt an einem Phänomen, das Haselberger trotz 20-jähriger Berufserfahrung immer wieder stutzig macht.

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"In keinem anderen Land", sagt der 45-Jährige, "bringen die deutschen Unternehmer ihren lokalen Partnern und Mitarbeitern so viel blindes Vertrauen entgegen wie in China." Woran das liegt? "Vielleicht an der fremden Kultur oder an der Sprache, die man nicht versteht", mutmaßt Haselberger. Vieles hänge mit den Kontrollmechanismen der Firmen zusammen. Im Eingangsbeispiel ließ der Firmenchef die Materialwirtschaft nicht im eigentlichen Betriebssystem, dafür aber gesondert erfassen. Ein idealer Nährboden für Betrug, wie Haselberger weiß.

Generell hielten es selbst größere mittelständische Betriebe und Konzerne mit der Kontrolle nicht gerade gewissenhaft. Versäumnisse, die sich rächen. "Viele machen durch Betrug und Korruption mehr Verlust, als sie durch Auftragszuwächse und steigende Absatzzahlen im chinesischen Markt an Gewinn einfahren", sagt Haselberger. "Vom Imageschaden einmal abgesehen." Viele Firmenchefs denken erst nach einem schwerwiegenden Vorfall an umfangreiche interne Kontrollmechanismen.

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Wie im Fall Siemens, an dem Haselberger nicht beteiligt war: 2006 kam heraus, dass Mitarbeiter in China durch Bestechung an Aufträge gekommen waren. Den Konzern kostete das bares Geld und ein beachtliches Stück Reputation. Die Lehre daraus: Siemens schuf mehrere Stellen im Bereich Compliance - der Einhaltung von (ethischen) Richtlinien und Gesetzen. Heute arbeiten mehr als 600 Menschen bei Siemens in dieser Sparte. Doch alles, was in Unternehmen an Schindluder getrieben wird, könne man damit nicht aufdecken, meint Haselberger und rät: "Nur wenn die Unternehmensspitze ethische Grundsätze vorgibt und auch kontrolliert, kann man Verstöße minimieren."