Arbeit - Linke sieht Missbrauch zulasten des Sozialstaats Viele Firmen setzen auf Minijobs

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ape
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Berlin. Etwa jedes dritte Unternehmen in Deutschland setzt ausschließlich auf Minijobs. Von den etwa 3,1 Millionen Betrieben bundesweit boten zuletzt knapp 930 000 nur Stellen für geringfügig Beschäftigte an, wie aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linke-Fraktion hervorgeht, die dieser Redaktion vorliegt. Linke-Chef Bernd Riexinger sagte: „Hier werden Minijobs missbraucht, und zwar in noch größerem Ausmaß als bisher bekannt“, dies gehe zulasten von Arbeitnehmern und der Finanzierung des Sozialstaates.

Kritik an „Fehlkonstruktion“

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Die Zahlen der Regierung stammen von Juni 2020. Riexinger erläuterte, zwar sei mit Beginn der Pandemie in Deutschland die Zahl der Minijobs eingebrochen. Dies liege jedoch vor allem daran, dass für diese Anstellungsform ein eingeschränkter Kündigungsschutz gelte und Arbeitgeber diese Beschäftigten in der Krise „leicht loswerden“. Die Pandemie zeige somit eine zusätzliche Schattenseite für Minijobber. 224 000 seien bereits im März kurzfristig gekündigt worden.

Riexinger bezeichnete Minijobs als „Fehlkonstruktion“. Es sei bekannt, dass viele Betriebe „reguläre Beschäftigungsverhältnisse in Minijobs aufsplitten“. Damit würden vor allem Sozialabgaben, Steuern und Arbeitnehmerrechte umgangen. Ziel müsse es sein, diese Arbeitsverhältnisse zu voll sozialversicherungspflichtigen Jobs zu machen.

Minijobber dürfen im Monat maximal 450 Euro verdienen, es werden keine Beiträge für Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung abgeführt. Sie haben weder Anspruch auf Kurzarbeitergeld noch auf Arbeitslosengeld I.