Tourismus - Außenminister Heiko Maas will aus der weltweiten Reisewarnung einen Reisehinweis machen / Ferien unter strengen Hygienevorgaben möglich Urlaub der etwas anderen Art

Von 
Michael Fischer
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Ein Mitarbeiter des Flughafens Charles de Gaulle in Paris desinfiziert den Passagierraum einer Air-France-Maschine. © dpa

Berlin. Lange Zeit war Außenminister Heiko Maas (SPD) skeptisch, was den Sommerurlaub im Ausland angeht. Jetzt gibt er seine Zurückhaltung auf. Der Urlaub am Mittelmeer soll irgendwie ermöglicht werden. Nur eins steht jetzt schon fest: Er wird ganz anders als bisher.

Preise sollen stabil bleiben

  • Dänemark statt Türkei: Urlauber aus Deutschland werden Branchenexperten zufolge in diesem Sommer nach Lockerung der Corona-Beschränkungen neben Zielen in der Heimat zunächst vor allem die Nachbarländer ansteuern.
  • „Dazu dürften Österreich, Dänemark, Frankreich, die Niederlande und die Schweiz zählen“, sagte Tourismusexperte Torsten Kirstges. Ähnlich sieht das der Tourismusforscher Martin Lohmann.
  • Mit generellen Preiserhöhungen rechnen die Experten nicht. 
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Deutschland und die Urlaubsländer haben noch ein Stück Arbeit vor sich, bis es soweit ist. Zunächst einmal müssen die Grenzen geöffnet werden. Für seine Nachbarländer will Deutschland das bis zum 15. Juni umsetzen – nur bei Tschechien und Polen ist unklar, wann es da zu einer Einigung kommen kann. Dann muss die in vielen Ländern noch geltende zweiwöchige Quarantänepflicht für einreisende Ausländer aufgehoben werden. Denn selbst bei „All inclusive“ und 24-Stunden-Zimmerservice macht Urlaub im Hotelzimmer keinen Spaß.

Möglichst viele Details

Wenn das geregelt ist, soll ab dem 15. Juni auch die weltweite Reisewarnung fallen. „Wir können nicht dauerhaft eine Reisewarnung für die ganze Welt aufrechterhalten“, sagte Maas. In den Reisehinweisen sollen dann möglichst viele Einzelheiten zu den Reiseländern stehen. Wie sind die Hygienevorschriften? Wie ist die Infektionslage? Ist man als Urlauber überhaupt willkommen? Besteht die Gefahr, dass man nicht mehr zurückkommt? Das Auswärtige Amt legt damit die Urlaubsentscheidung wieder ganz in die Hände der Reisenden. Bisher ist die Reisewarnung noch der unmissverständliche Ratschlag: Bleibt zu Hause in Deutschland!

Das klingt nach einem plausiblen Plan. Das große Problem: Die Unberechenbarkeit des Virus, die sehr unterschiedliche Betroffenheit der einzelnen Länder und voneinander abweichende Gegenmaßnahmen.

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„Wir können nicht die Einreise von Ausländern erlauben, während wir die spanische Bevölkerung noch einer Ausgehsperre unterziehen“, mahnt der spanische Verkehrsminister José Luis Ábalos. Spanien hat zwar bereits mit einer schrittweisen und vorsichtigen Lockerung der Kontaktsperre begonnen. Die linke Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez will aber den seit Mitte März und noch bis zum 23. Mai geltenden Notstand um einen weiteren Monat bis Ende Juni verlängern.

Der griechische Außenminister Nikos Dendias schlägt da ganz andere Töne an. „Die Bewegungsfreiheit wird innerhalb des Landes wiederhergestellt, unsere Hotels bereiten sich auf ihre Wiedereröffnung vor, unsere Strände sind wieder zugänglich und archäologische Stätten öffnen wieder für die Öffentlichkeit“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Italien prescht vor

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Die positiven Stimmen zum grenzüberschreitenden Urlaub überwiegen inzwischen klar – auch in den stark betroffenen Ländern. Ausgerechnet Italien – der Corona-Hotspot der ersten Wochen in Europa – setzt sich an die Spitze der Bewegung und will die Grenzen für Touristen schon am 3. Juni öffnen. Die Wiederbelebung des Tourismus spielt für die notleidende Wirtschaft des Landes eine sehr große Rolle.

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Aus dem Inland bekommt Maas aber auch Gegenwind. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, der auf Inlandstouristen in den Hotels und Gaststätten im eigenen Land hofft, trat am Montag auf die Euphoriebremse. „Ich glaube nicht wie Heiko Maas, dass es so leicht ist, dass wir heute schon Pläne vorgeben können, dass wir in einem Monat schon wieder in Italien oder in Spanien sind oder in Frankreich“, sagte der CSU-Chef. Man bewege sich weiter auf sehr dünnem Eis.

Abstandsregeln am Strand

Söder forderte stattdessen eine finanzielle Förderung von Urlaub in Deutschland. Denkbar seien entweder Urlaubsgutscheine oder eine steuerliche Absetzbarkeit – er sei da relativ offen. Söder plädierte aber für eine Förderung „vor allem für diejenigen, die nicht so viel Geld haben und sich so etwas nicht so leisten können“.

Der Wettbewerb um die Urlauber hat also längst begonnen – auch wenn Maas ihn eigentlich verhindern will. „Wir wollen kein europäisches Wettbieten um Touristen“, mahnt er. Bei allen Unsicherheiten, die es für den Sommerurlaub im Ausland noch gibt, eins steht jetzt schon fest: Der Urlaub wird anders, als er vor der Corona-Krise war. In den Urlaubsländern wird schon heftig darüber diskutiert, wie die Einhaltung von Abstandsregeln am Strand organisiert werden kann. „Jetzt geht es nur noch darum zu organisieren, dass sich der Urlaub wie Urlaub anfühlt“, sagt Maas. 

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