Außenhandel - Corona-Krise schlägt voll auf den Export – doch Ökonomen sehen Licht am Ende des Tunnels „Schneller erholt als erwartet“

Von 
Friederike Marx
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Wiesbaden. Die Corona-Krise hat dem deutschen Export-Geschäft einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch es hätte noch schlimmer kommen können. Vor allem die anhaltende Erholung der vergangenen Monate macht Hoffnung.

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Zunächst die Zahlen: Die Warenausfuhren sanken nach Angaben des Statistische Bundesamtes gegenüber 2019 um 9,3 Prozent auf 1204,7 Milliarden Euro. Es war der stärkste Rückgang seit der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2009 mit einem Minus von damals 18,4 Prozent. Der Außenhandelsverband BGA hatte zuletzt mit einem Exporteinbruch von mindestens zwölf Prozent für 2020 gerechnet. Das Import-Volumen verringerte sich im vergangenen Jahr um 7,1 Prozent auf 1025,6 Milliarden Euro.

Logistik gestört

Ein Frachtschiff im Hafen von Los Angeles. © dpa

Zeitweilige Grenzschließungen, Störungen in der Logistik und Unterbrechungen der Lieferketten zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 hatten das Export-Geschäft deutlich ausgebremst. Im Laufe des Jahres arbeitete sich der Außenhandel schrittweise aus dem Tief. Doch es reichte nicht, um den Einbruch auszugleichen.

Für dieses Jahr ging der BGA zuletzt von einem Plus aus. Das Vorkrisenniveau soll demnach spätestens im Sommer 2022 wieder erreicht werden. Hoffnung macht, dass sich die Erholung im Dezember trotz des zweiten Lockdowns in vielen Ländern fortsetzte. Die Ausfuhren stiegen gegenüber dem Vormonat leicht um 0,1 Prozent. Gegenüber Dezember 2019 legten sie um 2,7 Prozent auf 100,7 Milliarden Euro zu. Die Einfuhren sanken im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozent. Binnen Jahresfrist stiegen sie um 3,5 Prozent auf 85,9 Milliarden Euro.

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„Der deutsche Außenhandel hat sich seit dem historischen Einbruch im Frühjahr 2020 schneller erholt als erwartet“, analysierte DZ-Bank-Chefvolkswirt Michael Holstein.

Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung, sieht in den Dezember-Zahlen ein weiteres Indiz dafür, „dass die deutsche Wirtschaft den zweiten Lockdown wesentlich besser verkraftet als die Kontaktbeschränkungen im Frühjahr 2020“.

Last politischer Entscheidungen

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Vor allem die Nachfrage aus China erholte sich zusehends. Die deutsche Exportwirtschaft habe im vergangenen Jahr wie kaum eine andere von der anhaltenden Erholung Chinas und anderer asiatischer Staaten profitiert, erläuterte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. China habe Frankreich als zweitwichtigsten Markt für Exporte „Made in Germany“ abgelöst. Die USA behaupteten sich trotz eines deutlichen Rückgangs der deutschen Ausfuhren um 12,5 Prozent als bedeutendster Einzelmarkt. Die Exporte in die Staaten der Europäischen Union sanken um 9,2 Prozent.

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Neben den Folgen der Corona-Pandemie belasteten Börner zufolge auch politische Entscheidungen den Außenhandel im vergangenen Jahr. Die transatlantischen Beziehungen hätten unter dem in diesem Januar aus dem Amt geschiedenen US-Präsidenten Donald Trump schwer gelitten. „Zudem schlagen sich die immensen Auswirkungen des Brexits in den Handelszahlen mit dem Vereinigten Königreich nieder.“

Die Außenhandelsbilanz schloss das vergangene Jahr mit einem Überschuss von 179,1 Milliarden Euro ab, das waren 44,9 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr. Deutschland exportiert seit Jahren mehr als es einführt. Das sorgt bei Ländern für Kritik, die viel importieren, weil so Ungleichgewichte im Welthandel zunehmen. dpa