Nahrungsmittel - Höherer Preis, weniger Inhalt – „Frucht Müsli“ des Buchener Herstellers ist „Mogelpackung des Jahres 2020“ Schmähpreis für Seitenbacher

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Alexander Jungert
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Buchen. Das „Frucht Müsli“ von Seitenbacher aus Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis) ist zur „Mogelpackung des Jahres 2020“ gewählt worden. Mehr als die Hälfte der 21 409 abgegebenen Stimmen seien auf das Produkt entfallen, teilt die Verbraucherzentrale Hamburg mit.

750 statt 1000 Gramm und dann auch noch ein höherer Preis pro Packung: das „Frucht Müsli“ von Seitenbacher. © Verbraucherzentrale Hamburg
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Nach Angaben der Verbraucherschützer hatte Seitenbacher die Füllmenge der Müsli-Packung von 1000 auf 750 Gramm geschrumpft. Gleichzeitig stieg der Preis pro Tüte im Einzelhandel, so dass das Müsli um 75 Prozent teurer wurde. Der Hersteller soll der Verbraucherzentrale Hamburg erklärt haben, mit dem „Frucht Müsli“ ein neues Produkt eingeführt zu haben. Doch die Zutatenliste der Frühstücksflocken sei quasi identisch mit der des günstigeren Vorgängerprodukts Vollkorn-Früchte-Müsli gewesen.

Seitenbacher gehört zu den größten Müsli-Herstellern Deutschlands. Bekannt geworden ist das Familienunternehmen vor allem durch die unkonventionellen Radiospots, die Firmenchef Willi Pfannenschwarz selbst im eigenen Tonstudio im Keller einspricht. Seitenbacher verbreitet seine Produkte nach eigenen Angaben weltweit und hat auch eine Niederlassung im US-Bundesstaat Florida.

„Möchten uns entschuldigen“

Auf die „Mogelpackung des Jahres“ reagiert Seitenbacher reumütig. „Aufgrund des ersten Beitrags der Verbraucherzentrale im August wurde dieses Produkt aus dem Sortiment genommen“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. „Wir haben aus der Situation gelernt und möchten uns nochmals entschuldigen.“ Nach Recherchen der Verbraucherschützer soll das „Frucht Müsli“ noch vereinzelt in Supermärkten erhältlich sein.

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Neben dem „Frucht Müsli“ standen vier weitere Produkte als mögliche „Mogelpackung des Jahres“ zur Wahl: „Milka Osterhase & Weihnachtsmann“ (Mondelez), „Kinder Schokolade“ (Ferrero), „Whiskas Knuspertaschen“ (Mars) und „Bifi Minisalami“ (Jack Link’s).

„Verbraucherinnen und Verbraucher können sich gegen die Weniger-drin-Preis-gleich-Masche nicht wehren, denn die Tricksereien sind beim normalen Einkauf kaum zu bemerken“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg laut Mitteilung. „Umso wichtiger wäre es, die Konsumenten vonseiten der Politik nicht länger im Stich zu lassen.“ Obwohl Bundesverbraucherschutzministerin Christine Lambrecht (SPD) angekündigt habe, bei versteckten Preiserhöhungen für mehr Klarheit zu sorgen, sei seither nichts passiert. Eine Transparenzplattform, bei der vorab Füllmengenreduzierungen von den Herstellern verpflichtend gemeldet werden müssten, könne laut Valet helfen, die sich stetig reduzierenden Inhalte und die damit einhergehende Müllflut einzudämmen.

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Im Jahr 2020 gingen rund 3000 Beschwerden bei der Verbraucherzentrale Hamburg ein. Seit mehr als 17 Jahren führen die Verbraucherschützer eine Liste mit versteckten Preiserhöhungen.

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Info: www.vzhh.de/ mogelpackungsliste

Redaktion Alexander Jungert, 1980 in Bruchsal geboren, hat beim "Mannheimer Morgen" volontiert und ist seit 2010 Wirtschaftsredakteur. Während des Studiums arbeitete er unter anderem für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und den "Tagesspiegel" in Berlin. Schreibt am liebsten darüber, was regionale Unternehmen und deren Mitarbeiter umtreibt.