Software - Walldorfer Konzern holt Microsoft-Managerin ins Team / Kundenzufriedenheit und Cloud-Geschäft sollen gestärkt werden SAP baut Vorstand um

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Alexander Jungert
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Walldorf. SAP startet mit einer deutlich veränderten Führungsriege in das neue Geschäftsjahr. Gemeinsam mit „Julia und Scott“, wie Vorstandssprecher Christian Klein in einer Mitteilung schreibt, soll der Walldorfer Softwarekonzern noch stärker auf die Cloud – auf das Geschäft mit Mietsoftware – und mehr Kundenservice ausgerichtet werden.

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Bei SAP ist es üblich, dass sich selbst Führungskräfte untereinander duzen. „Julia und Scott“, das sind Julia White und Scott Russell.

White übernimmt ab 1. März den neu geschaffenen Vorstandsposten „Marketing und Lösungen“. Die Managerin kommt von Microsoft und soll SAP-Produkte bekannter machen und noch stärker auf die Bedürfnisse der Kunden hören – damit diese in die Produktentwicklung einfließen können. White, 47 Jahre alt, ist US-Amerikanerin und hat an der renommierten Harvard Business School sowie an der Universität Stanford studiert. Mit ihrer Berufung schafft SAP ein Problem aus der Welt: Seit dem abrupten Abschied von Co-Chefin Jennifer Morgan hat der deutsche Konzern kein amerikanisches Vorstandsmitglied – dabei sind die Vereinigten Staaten der wichtigste Einzelmarkt.

Russel ist Nachfolger der langjährigen Vertriebschefin Adaire Fox-Martin, die den Walldorfer Konzern zum Monatsende „auf eigenen Wunsch“ verlässt. Das Vorstandsressort heißt mittlerweile „Kundenzufriedenheit“ – das spricht für sich. Der 47-jährige Australier beginnt am 1. Februar, derzeit verantwortet er noch die SAP-Region Asien-Pazifik-Japan. „Wir freuen uns sehr über die neuen Vorstandsmitglieder Julia White und Scott Russell, mit deren Unterstützung wir die strategische Ausrichtung der SAP weiter vorantreiben wollen“, sagt Hasso Plattner, Vorsitzender des Aufsichtsrats von SAP.

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Vorstandssprecher Klein will die Corona-Krise nutzen, um SAP nun vollständig zu einem Cloud-Anbieter zu machen. Wie die US-Rivalen Salesforce, Workday oder Oracle setzen die Walldorfer immer stärker auf den Verkauf von flexibleren Web-Abos, die in der Regel monatlich bezahlt werden und nicht einmalig, was Umsätze prognostizierbarer macht.

Dabei muss Klein es schaffen, die etlichen SAP-Programme besser miteinander zu verzahnen. In den vergangenen Jahren ist verstärkt Kritik von Anwendern laut geworden. „Julia und Scott bringen ungewöhnlich große Kundenempathie mit, gepaart mit großer Erfahrung in den Bereichen Transformation und Innovation“, erklärt der Vorstandssprecher laut Mitteilung. Kundenzufriedenheit hat Klein als oberste Priorität ausgegeben.

Börsengang von Qualtrics

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Dazu passt Sabine Bendiek. Seit Januar ist sie neue Arbeitsdirektorin; auch sie kommt wie White von Microsoft. Bendiek ist Expertin für Cloud-Anwendungen. Ab Mitte des Jahres soll sie zudem die laufende Umwandlung von SAP „in eine einfache und agile Organisation“ leiten. Die Verantwortung für Mitarbeiter und Prozesse liegt in einer Hand.

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Mit der erneuerten Spitzen-Mannschaft, die aus fünf Männern und zwei Frauen besteht, geht der Softwarekonzern einen weiteren wichtigen Schritt an: den Börsengang der Tochtergesellschaft Qualtrics. Ende Dezember hat SAP den vorläufigen Börsenprospekt für die Emission an der Wall Street eingereicht. Der erste Handelstag werde „bald“ sein, wird Klein von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert.

Die Bewertung dürfte zwischen zwölf und 14,4 Milliarden Dollar liegen. Qualtrics – das US-Unternehmen analysiert Daten über das Verhalten von Verbrauchern, dadurch sollen sich Produkte erfolgreicher vermarkten lassen – war der vorerst letzte große Zukauf von SAP. Derzeit würden nur kleinere Akquisitionen geprüft, erklärt Klein weiter. Qualtrics hatte rund acht Milliarden Dollar gekostet.

Redaktion Alexander Jungert, 1980 in Bruchsal geboren, hat beim "Mannheimer Morgen" volontiert und ist seit 2010 Wirtschaftsredakteur. Während des Studiums arbeitete er unter anderem für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und den "Tagesspiegel" in Berlin. Schreibt am liebsten darüber, was regionale Unternehmen und deren Mitarbeiter umtreibt.