Gamestop-Aktie - Börseneinsteiger bringen Hedgefonds in Nöte Rebellion der Kleinanleger

Von 
Finn Mayer-Kuckuk
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Berlin. Fast 2800 Prozent Kursgewinn in nur drei Wochen? Bei der Aktie von Gamestop war das zuletzt möglich. Dabei hat die stationäre Computerspiel-Einzelhandelskette wenig, was auf ein boomendes Geschäftsmodell hindeutet. Die Kette, die auch in Deutschland rund 200 Filialen betreibt, ist angeschlagen. Und doch kletterte die Aktie von etwas über 14 Euro Anfang Januar zuletzt in der Spitze auf fast 409 Euro. Und nicht nur Gamestop erlebt einen Hype. Es tobt ein wahrer Zockerkrieg an den Börsen. Einigen Privatanlegern geht es dabei um mehr als nur um kurzfristige Gewinne. Sie ziehen in einen Kampf gegen das Finanzsystem. Ihre Gegner: Finanzfirmen, die mit alternativen Geldanlagen, sogenannten Hedgefonds, auf fallende Kurse am Markt spekulieren.

Die Aktie der Handelskette Gamestop stieg von 14 auf mehr als 400 Euro. © dpa
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Die Anleger nutzen dabei das Narrativ des Kampfes von David gegen Goliath. Auf der einen Seite stehen viele Privatanleger, die mit kleinen Beträgen, aber aufgrund ihrer schieren Masse die Kurse bewegen. Auf der anderen Seite stehen professionelle Großanleger. Aktuell liegt das Momentum auf der Seite der Privatanleger. So musste in einer der größten Hedgefonds-Rettungsaktionen seit mehr als 20 Jahren die Firma Melvin Capital mit einer Finanzspritze von 2,75 Milliarden Dollar gerettet werden. Zusammen mit einem weiteren Hedgefonds, Citron Research, hatte Melvin Capital auf fallende Kurse von Gamestop gewettet.

Was dann passierte, haben die New Yorker Firmen nicht kommen sehen. Die Niedrigzinsphase und die Corona-Krise hat viele junge Anleger an die Börse gelockt. Billige Finanzdienstleister, sogenannte Neobroker, ermöglichen den Aktienhandel bequem per Handy und ohne Gebühren. Diese jungen Anleger sind mit Gamestop aufgewachsen, sie schätzen die Filialen. Sie versprachen sich auf der Online-Plattform Reddit und dem Forum Wall Street Bets, die Aktie zu kaufen.

„Absprachen sind illegal“

Immer mehr Kleinanleger sprangen auf, die Gamestop-Aktie explodierte. Ein Desaster für die Hedgefonds. Aber auch eine Katastrophe für die Börse, findet Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Natürlich ist eine gewisse Genugtuung dabei, wenn sich Privatanleger wehren“, sagte Tüngler. Und doch handele es sich um Marktmissbrauch. „Die gemeinsamen Absprachen, um den Kurs in die Höhe zu treiben, sind illegal“, stellt auch Andreas Lipkow, Finanzmarktexperte der Comdirect, fest. Er warnte vor einer „Heroisierung“.

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Mit ihrer Jagd auf die Hedgefonds hat sich die junge Generation Gehör verschafft. Der künftige Vorsitzende des Bankenausschusses im US-Senat, Sherrod Brown, kündigte eine Anhörung im US-Kongress an. Es sei an der Zeit dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft für alle funktioniere, nicht nur für die Wall Street, hieß es in Browns Statement.

Korrespondent