Wirecard-Skandal - Desaster um früheren Dax-Konzern kostet Bafin-Chef Felix Hufeld den Job / Behörde soll neu aufgestellt werden Oberster Finanzaufseher muss gehen

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Felix Hufeld stand knapp sechs Jahre an der Spitze der Finanzaufsicht Bafin. © dpa

Berlin. Der Bilanzskandal um den früheren Dax-Konzern Wirecard kostet den Chef der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, nach wachsendem Druck seinen Posten. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) teilte am Freitag mit: „Die geplante organisatorische Reform der Bafin verbinden wir mit einem personellen Neuanfang.“ Der Skandal um die Wirecard AG habe offenbart, dass die deutsche Finanzaufsicht eine Re-Organisation brauche, um ihre Aufsichtsfunktion effektiver erfüllen zu können. Scholz kündigte an, dass in der nächsten Woche die Ergebnisse einer Untersuchung der Bafin dazu präsentiert werden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) untersteht dem Finanzministerium.

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Das Ministerium und Hufeld hatten der Mitteilung zufolge am Freitag in einem gemeinsamen Gespräch die Lage erörtert. Man sei „einvernehmlich“ zu dem Entschluss gekommen, dass es dafür neben organisatorischen Veränderungen auch einen personellen Neustart an der Bafin-Spitze geben sollte. Scholz bedankte sich „ausdrücklich bei Felix Hufeld für sein großes Engagement an der Spitze der Bafin in den vergangenen acht Jahren. Er hat die Finanzdienstleistungsaufsicht in Deutschland und Europa in dieser Zeit maßgeblich geprägt und entscheidend vorangebracht.“

Scheingewinne in Milliardenhöhe

Hufeld erklärte: „Ich habe acht Jahre, davon sechs Jahre als Präsident, an der Spitze der Bafin wirken dürfen.“ Die Bafin habe sich dabei signifikant weiterentwickelt und in vielfacher Hinsicht an Relevanz gewonnen. „Nun gilt es, weitere Aufgaben anzupacken, für deren Bewältigung ich meinem Nachfolger oder Nachfolgerin nur das Beste wünsche.“

Wirecard aus der Nähe von München galt jahrelang als aufstrebendes Fintech-Unternehmen und war zwischenzeitlich sogar in den Dax aufgerückt. Allerdings wies Wirecard nach Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft seit 2015 Scheingewinne in Milliardenhöhe aus, ohne dass Aufsichtsbehörden und Wirtschaftsprüfer etwas davon bemerkten. In dem Zusammenhang gab es auch Geldwäsche-Vorwürfe. Wirecard hat inzwischen Insolvenz angemeldet.

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Zum Wirecard-Skandal wurde auch ein Untersuchungsausschuss des Bundestags eingesetzt. Danyal Bayaz, Obmann der Grünen in dem Ausschuss und Abgeordneter für den Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen, nannte die Verabschiedung von Hufeld „überfällig“. „Es war offensichtlich, dass Felix Hufeld der Aufklärung des Wirecard-Skandals im Weg stand“, sagte Bayaz laut einer Mitteilung vom Freitag.

Gleichzeitig warf er Finanzminister Scholz vor, ein „schmutziges Spiel“ gespielt zu haben: „Obwohl es die Spatzen längst von den Dächern gepfiffen haben, dass Hufeld gehen muss, wollte Scholz so lange wie möglich einen Puffer zwischen sich und dem Wirecard-Skandal haben.“ Durch dieses „taktische und egoistische Verhalten“ habe der SPD-Politiker sowohl die glaubhafte Aufklärung behindert als auch die zügige Neuaufstellung der Aufsicht verschleppt, sagte Bayaz. dpa/fas