Managergehälter: Mit Aktienoptionen war 2008 in Ludwigshafen kein Geschäft zu machen Nur der BASF-Finanzvorstand verdiente letztes Jahr mehr

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Michael Roth

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LUDWIGSHAFEN. Bei der BASF schlägt sich die schlechtere wirtschaftliche Lage im vergangenen Jahr auch in den Vorstandsgehältern nieder. Vorstandschef Jürgen Hambrecht verdiente 2008 mit 4,4 Millionen Euro rund 15 Prozent weniger als im Jahr davor. Als einziger im Vorstand bekam Finanzvorstand Kurt Bock mehr als im Jahr davor. Das hängt aber mit seiner Entsendung nach Nordamerika und entsprechenden Zulagen zusammen. Neben den Finanzen ist er für das Nordamerikageschäft zuständig.

Hambrechts Gehaltseinbußen sind prozentual gerechnet genauso hoch wie die prozentualen Einbußen bei Prämien der 25 000 tariflichen Angestellten für das vergangene Geschäftsjahr. Hier ging die Prämiensumme, insgesamt 97 Millionen Euro, ebenfalls um rund 15 Prozent zurück. An die außertariflichen Mitarbeiter, bei der BASF sind das rund 6000, wurden mit 95 Millionen Euro rund 20 Prozent weniger ausgeschüttet.

Ebenfalls in dieser Größenordnung (14 Prozent) sank beim Konzern 2008 der Gewinn vor Steuern. Im Vergleich zu anderen Konzernen ist bei der BASF die Bemessungsgrundlage für variable Gehaltsbestandteile vom Arbeiter bis zum Vorstandschef einheitlich. Sie richten sich nach der Gesamtkapitalrendite, die im Geschäftsjahr 2008 von 16,4 auf 13,5 Prozent gesunken ist.

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Mit den dieser Tage vieldiskutierten Aktienoptionen konnten die BASF-Vorstände im vergangenen Jahr kein Geschäft machen. "Hauptursache für den niedrigeren Wert der Optionsrechte ist der gesunkene Kurs der BASF-Aktie", heißt es im gestern veröffentlichten Geschäftsbericht.

Aufsichtsratschef Jürgen Strube musste übrigens geringere Einbußen als Vorstand und Mitarbeiter hinnehmen. Sein Gehalt, das sich in einem komplizierten Verfahren am Ergebnis je Aktie orientiert, ging um fünf Prozent auf 453 000 Euro zurück. Das Ergebnis je Aktie war allerdings um ein Viertel eingebrochen.

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Der ungleiche Rückgang ergibt sich nach Angaben eines Unternehmenssprechers aus dem Vergütungssystem des Aufsichtsrats. Änderungen bei der fixen Vergütung und der Übergang der BASF von einer deutschen Aktiengesellschaft in eine SE (Europäische Gesellschaft) könnten ebenfalls eine Rolle spielen.

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Beim Autokonzern Volkswagen verdienten die Vorstände 2008 dreimal so viel wie im Jahr davor, obwohl der operative Gewinn nur um drei Prozent zulegte. Hintergrund ist der Höhenflug der VW-Aktie im Zuge des Einstiegs von Porsche. Die VW-Vorstände versilberten Aktienoptionen. Vorstandschef Martin Winterkorn verdiente 2008 rund 12,7 Millionen Euro, nach 5,1 Millionen Euro im Jahr davor.

Im europäischen Vergleich liegen deutsche Vorstandschefs und ihre britischen Kollegen weiterhin vorne. Das geht aus einer Studie der Personalberatung Kienbaum hervor. Im Mittelfeld liegt Schweden, am Ende die Niederlande und Spanien. Europaweit habend die Vorstandschefs 2008 weniger verdient als 2007.