Verbraucher - Verband für Energiehandel Südwest-Mitte blickt auf 2020 zurück / In Zukunft mehr Hybridmodelle bei Wärmeerzeugung Niedriger Ölpreis sorgt für volle Tanks

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Till Börner
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Vor allem in der ersten Jahreshälfte 2020 konnten sich die Energiehändler über volle Auftragsbücher freuen. © dpa

Mannheim. Liest sich Hans-Jürgen Funke die Berichterstattung zu dem im November in Kraft getretenen Gebäudeenergiegesetz (GEG) durch, kann er mitunter nur den Kopf schütteln. „Das GEG beinhaltet kein generelles Verbot von Ölheizungen. Das ist schon häufig falsch dargestellt worden“, stellt der Geschäftsführer des Verbands für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH) beim Jahrespressegespräch fest.

Interessensvertretung für Brennstoff- und Mineralölhandel

Der Verband für Energiehandel Südwest-Mitte e.V. vertritt die Interessen von 400 überwiegend mittelständischen Mitgliedsfirmen, die hauptsächlich im Bereich des Brennstoff- und Mineralölhandels tätig sind.

Die Mitglieder kommen aus Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Thüringen. Die Hauptgeschäftsstelle befindet sich in Mannheim.

Zu den Aufgaben des Vereins zählen die Betreuung von Mitgliedern und die fachliche Beratung von Behörden und Organisationen in Angelegenheiten der Energiewirtschaft und des Umweltschutzes. tbö

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Die Rechtsnorm, die offiziell den etwas sperrigen Titel „Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden“ trägt, regelt das Heizen ab dem Jahr 2026. Denn dann ist beim Tausch einer alten Ölheizung gegen neue Ölbrennwert-Technik die Einbindung von erneuerbaren Energien bindend. Lediglich Geräten, die älter als 30 Jahre sind, droht das Aus. Ausnahmen gelten für Niedertemperatur- oder Brennwertkessel oder für alte Anlagen, die in einem Ein- oder Zweifamilienhaus betrieben werden. Ab 2026 dürfen keine reinen Ölheizungen mehr verbaut werden, sondern nur noch Hybridanlagen, die auch erneuerbare Energien nutzen.

Andreas Mahlberg vom Institut für Wärme und Mobilität (IWO) ist sich sicher, dass auch in einigen Jahren noch mit Öl geheizt werden kann. Sogenannte „Future Fuels“, flüssige Brennstoffe auf Basis erneuerbarer Energien, sollen die Lösung sein. „Das CO2-reduzierte Heizöl besteht zu zwei Dritteln aus normalem Premiumheizöl und zu einem Drittel aus einem synthetisch verarbeiteten Bioprodukt“, erklärt Mahlberg. Dass solche regenerativen Flüssigbrennstoffe eine Marktchance haben, würden laufende Modelle zeigen, bei denen Heizungsbesitzer ihre Anlage mit CO2-reduziertem Heizöl betreiben würden.

Hans-Jürgen Funke sieht dabei den Gesetzgeber in der Pflicht: „Es benötigt einen politischen Rahmen, dass bis 2050, dem Jahr, in dem die Europäische Union klimaneutral sein soll, ausreichende Mengen solcher klimaschonenden Brennstoffe zur Wärmeerzeugung bereitstehen können.“ Rund 20 Millionen Menschen in Deutschland leben in Häusern, die mit Öl beheizt werden. Die meisten, davon, sagte Funke, seien Ein- und Zweifamilienhäuser im ländlichen Raum.

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Laut einer 2019 veröffentlichten Studie des Bundesverbandes für Energie- und Wasserwirtschaft werden in Hessen fast 35 Prozent aller Wohneinheiten mit Öl beheizt, in Baden-Württemberg gut 33 Prozent und in Rheinland-Pfalz 30 Prozent. In allen drei Bundesländern, so eine Erhebung des Bundesverbandes der Schornsteinfegerinnung, liegt der Anteil der Ölheizungen, die älter als 20 Jahre sind, bei 55 bis 60 Prozent.

Lange Lieferfristen im Frühjahr

Neben den Ausblicken in die nahe und etwas fernere Zukunft, sprach Funke auch über das zurückliegende Jahr. „2020 war auch für uns sehr besonders“, so der VEH-Geschäftsführer. Die rund 400 Mitgliedsfirmen des Verbandes, dessen Sitz sich in Mannheim befindet, setzten laut einer Prognose knapp 16 Millionen Tonnen Heizöl ab – etwa fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Der Grund für den Heizölboom liegt im weltweiten Konjunktureinbruch, der einen niedrigen Ölpreis nach sich zieht. Wer Anfang vergangenen Jahres 3000 Liter des flüssigen Brennstoffs orderte, musste 68 Cent für den Liter zahlen, anschließend sank der Preis auf einen Tiefstand von 38 Cent pro Liter im November. Insbesondere in der ersten Jahreshälfte durften sich die Energiehändler über volle Auftragsbücher freuen.

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„Im Frühjahr kam es zu Lieferfristen von bis zu drei Monaten“, berichtet Thomas Rundel, Erster Vorsitzender des VEH. Viele Verbraucher hätten ihre Tanks randvoll füllen lassen. Inzwischen habe sich der Heizölpreis aber fast wieder auf Vorkrisen-Niveau eingependelt. Mitursächlich für den aktuellen Preis sei auch die seit Januar geltende CO2-Bepreisung, so Funke.

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