Industrie - Projektentwickler Aurelis übernimmt Mannheimer Werk / Amerikaner bleiben aber Mieter Neues Leben für GE-Gelände

Von 
Matthias Kros
Lesedauer: 
Neben GE könnten schon bald weitere Mieter in das Mannheimer Werk einziehen. © prosswitz

Mannheim. In das Gelände von General Electric (GE) in Mannheim soll schon bald neues Leben einziehen. Ein Sprecher des amerikanischen Konzerns bestätigte am Montag, dass man für das teilweise leerstehende Werk einen Investor gefunden habe. Ein Kaufvertrag sei unmittelbar vor Weihnachten unterzeichnet worden. Seither laufe die zweimonatige Frist, innerhalb der die Stadt Mannheim ihr Vorkaufsrecht für das Gelände ausüben dürfe. Vonseiten der Stadt wollte zunächst niemand den Vorgang kommentieren. Ein Einspruch gilt allerdings als unwahrscheinlich. Die Stadt hatte das Gelände zwar zeitweise als Ausweichspielstätte oder Zentrallager während der Generalsanierung des Nationaltheaters nutzen wollen, diesen Plan aber Anfang Dezember wieder verworfen.

AdUnit urban-intext1

Käufer des Werksgeländes ist der Projektentwickler Aurelis Real Estate mit Hauptsitz in Eschborn, an den GE vor rund einem Jahr bereits sein Werksgelände in Stuttgart verkauft hatte. Das bestätigte eine Aurelis-Sprecherin gestern auf Anfrage. Details dazu werde man in den nächsten Tagen veröffentlichen. Das im Jahr 2002 gegründete Unternehmen ist darauf spezialisiert, ältere oder leerstehende Gewerbeobjekte in moderne, marktgängige Immobilien umzubauen und anschließend zu verkaufen oder zu vermieten. Auf dem ehemaligen GE-Gelände in Stuttgart beispielsweise präsentierte der Projektentwickler nach einem Umbau im September vergangenen Jahres neue gewerbliche Mieter.

Bestandteil des Vertrags zwischen GE und Aurelis in Mannheim ist nach Informationen dieser Zeitung eine sogenannte „Sale-and-Lease-Back“-Vereinbarung. Das heißt, der US-Konzern verkauft das Werksgelände und least gleichzeitig einen Teil davon zur weiteren Nutzung zurück. Damit sind die monatelangen Spekulationen, dass GE Mannheim ganz verlassen oder innerhalb der Stadt umziehen könnte endgültig vom Tisch. Auch in Stuttgart fungiert GE nach dem Verkauf an Aurelis weiter als Hauptmieter.

Völlig überdimensioniert

AdUnit urban-intext2

GE hatte das Werk in Mannheim 2015 von dem französischen Alstom-Konzern übernommen. Seither schrumpft der Standort immer weiter. Erst im vergangenen Jahr wurden mehr als 1000 Jobs gestrichen und die Fabrik geschlossen. Dadurch ist das rund 172 000 Quadratmeter große Werksgelände mit seinen riesigen Produktionshallen, in dem riesige Turbinen für Kraftwerke gebaut wurden, völlig überdimensioniert.

Derzeit beschäftigen die Amerikaner in Mannheim noch knapp 700 Mitarbeiter vor allem in den Bereichen Service und Engineering - also die Berechnungen der genauen Turbinenausführung für den geplanten Einsatz. Weitere 180 Stellen sind noch in Gefahr. Die IG Metall Mannheim äußerte sich gestern hoffnungsvoll, was den Verkauf angeht: „Uns ist wichtig, dass sich an der Ausrichtung des Geländes nichts ändert und eine höchstmögliche Anzahl an Produktionsarbeitsplätzen geschaffen wird“, sagte Geschäftsführer Klaus Stein.

Autor