GLS Bank - Institut mit sozial-ökologischen Grundsätzen kommt unbeschadet durch die Corona-Krise Nachhaltigkeit zahlt sich aus

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Rolf Obertreis
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Frankfurt/Bochum. 50 000 Euro für eine Käserei und den Kauf eines Traktors, 300 000 Euro zur Sanierung eines Kinosaals, fünf Millionen Euro für den Bau eines Mehrfamilienhauses – wer von der Bochumer GLS Bank einen Kredit für eine Firma oder ein Projekt erhält, verzichtet auf das Bankgeheimnis. Denn sie oder er landet mit Namen, Kreditsumme und Verwendungszweck im Kundenmagazin der Bank.

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Mit dieser Strategie sei die GLS, die sich als größte und älteste sozial-ökologische Bank Deutschlands bezeichnet, auch in der Corona-Krise zweistellig gewachsen, sagte Vorstandssprecher Thomas Jorberg am Montag bei der Online-Bilanzpressekonferenz der Bank. Dem Institut drohten durch die Corona-Pandemie keine besonderen Kreditausfälle, auch eine höhere Risikovorsorge sei nicht notwendig, versichert Jorberg.

Kredite für Solo-Selbstständige

Die GLS, die sich als größte und älteste deutsche Nachhaltigkeits-Bank bezeichnet, finanziert zum Beispiel Projekte im Bereich erneuerbare Energien. © dpa

„Wir waren 2020 wenig betroffen von Insolvenzen. Wir hatten keinen größeren Ausfall und erwarten dies auch nicht in diesem Jahr. Wir haben es mit sehr, sehr stabilen Branchen zu tun“, sagte der Vorstandschef. Die GLS finanziere vor allem Bereiche, die für Grundbedürfnisse der Gesellschaft stünden, wie erneuerbare Energien oder soziales Wohnen und nur im geringeren Maße die gewerbliche Wirtschaft. Insgesamt hat die GLS 2020 neue Kredite im Volumen von 1,1 Milliarden Euro vergeben, so viel wie noch nie.

Dazu zählten nach Angaben von Jorberg auch 58 Millionen Euro an Darlehen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, unter anderem für Solo-Selbstständige und hier besonders für Kulturschaffende. Zudem hat die GLS Corona-Kredite der staatlichen Förderbank KfW im Volumen von 37,6 Millionen Euro weiter gereicht. Insgesamt erhöhte sich das Kreditvolumen um zwölf Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Knapp ein Drittel floss in Erneuerbare Energie-Vorhaben, gut ein Viertel in den Wohnungsbereich. Man habe 1900 neue umweltfreundliche und auch soziale Wohnungen finanziert, sagt Jorberg. Die Mieten dort lägen im Durchschnitt um 14 Prozent unter dem jeweiligen Mietspiegel.

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Jorberg wundert sich ein wenig, dass die GLS nicht noch stärker gewachsen ist. Schließlich werde das Thema Nachhaltigkeit in der Gesellschaft immer wichtiger. „Andererseits ist es ja wunderbar, wenn andere Banken das Thema Nachhaltigkeit verstärkt aufgreifen.“ Jorberg begrüßt es ausdrücklich, dass die Bankenaufsicht den Druck auf die Geldhäuser erhöht, Klima- und Naturrisiken in ihren Büchern zu messen, offenzulegen und durch Eigenkapital abzudecken und auf diese Weise den Fokus auf Nachhaltigkeit zu legen. „Eine nachhaltige Geschäftspolitik ist der Königsweg. Die GLS Bank verfolgt diesen Weg schon seit 1974“.

Und dies mit zunehmendem wirtschaftlichem Erfolg, auch wenn für sein Institut, wie Jorberg betont, der Gewinn zweitrangig sei. Die Bank mit ihren 720 Beschäftigten und sieben Filialen unter anderem in Freiburg, Stuttgart, München, Berlin und Frankfurt arbeitet immer profitabler. Der Bilanz-Gewinn erhöhte sich im vergangenen Jahr um satte 75 Prozent von 5,4 auf 9,5 Millionen Euro.

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Beim Wachstum der überwiegend online arbeitenden Bank gebe es „keine Grenze am Horizont“, so Jorberg. Abgeschreckt hat die Kunden auch nicht, dass sie seit 2017 neben den Kontoführungsgebühren einen Grundbeitrag von 60 Euro im Jahr zahlen müssen. Dass es in Zeiten von Klimakrise und Fridays-for-Future-Bewegung für die GLS nicht noch schneller voran geht, hat aus Jorbergs Sicht wohl in erster Linie einen anderen Grund: „Die Bank zu wechseln, ist für viele ein großer Schritt.“ (mit dpa)

Kundenzahl wächst

Das Kundenwachstum bei der GLS hat sich fortgesetzt, wenn auch zuletzt nicht ganz so stark wie erhofft. Im vergangenen Jahr konnte die GLS brutto 47 000 neue Kundinnen und Kunden gewinnen.

Allerdings hat das Institut auch 9000 verloren, so dass das Plus netto bei 38 000 auf 280 000 Kundinnen und Kunden Ende 2020 lag.

Zudem konnte die GLS 20 000 neue Mitglieder begrüßen auf jetzt 83 000. Die Einlagen erhöhten sich um knapp 19 Prozent auf gut acht Milliarden Euro. otr

Korrespondent Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich für den Mannheimer Morgen und für andere wichtige Regionalzeitungen wie den Tagesspiegel/Berlin, die Badische Zeitung/Freiburg, die Südwest Presse/Ulm und den Münchener Merkur als Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. Banken, Europäische Zentralbank, Bundesbank, Börse und in Frankfurt ansässige Unternehmen wie Lufthansa und auch Verbände wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA zählen zu meinen Schwerpunkten. Daneben auch die Luftfahrt. Zudem befasse ich mich über die KfW Bankengruppe und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Fragen der Entwicklungszusammenarbeit.