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Gleichstellung - Bilfinger-Finanzchefin Christina Johansson spricht weiblichem Führungsnachwuchs Mut zu – und rät zu Entschlossenheit und Flexibilität

„Nach Verantwortung streben“

Von 
Sabine Rößing
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Mannheim. Sie kenne jede Frau im Vorstand eines Dax-Unternehmens persönlich, witzelt Christina Johansson, seit 2018 Finanzchefin beim im SDax-notierten Mannheimer Industriedienstleister Bilfinger. Damit spielt sie auf deren noch immer überschaubar große Zahl an: In den Top-Etagen der deutschen Industrie sind Frauen unverändert unterrepräsentiert. Mit drei von acht möglichen Vorstandspositionen liegt die Deutsche Telekom im Dax derzeit vorn.

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Dem weiblichen Führungsnachwuchs rät die erfolgreiche Managerin vor allem zu Selbstbewusstsein: „,Kann ich das?’ Welcher Mann fragt sich das dauernd?“ schreibt sie ihren Zuhörerinnen ins Stammbuch. Johansson spricht auf Einladung des Vereins Business and Professional Women (BPW), der sich selbst als Netzwerk versteht, in dem sich Frauen über ihre Erfahrungen im Berufsalltag austauschen können.

Christina Johansson führte Bilfinger gut ein Jahr lang übergangsweise als Vorstandsvorsitzende. © Manfred Rinderspacher

Zum Beispiel auch über die Tatsache, dass Frauen bei gleicher Tätigkeit durchschnittlich immer noch deutlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen: Im Jahr 2021 waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Deutschland pro Stunde durchschnittlich 18 Prozent weniger. Im Jahr 2006 betrug die Differenz sogar noch 23 Prozent.

Nicht immer gradlinig

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Frau brauche Mut – auch den Mut, einmal zu scheitern. Sie müsse bereit sein, Gelegenheiten zu ergreifen, wenn sie sich auftun. Aus Fehlern lernen. Sich nicht verkämpfen. Einen Plan B haben. Akzeptieren, dass auch eine gute Karriere nicht immer gradlinig verläuft, Kontakte pflegen, Niederlagen nicht persönlich nehmen: Es ist das Einmaleins des guten Führens, für Männer wie für Frauen. Doch fühle es sich für Frauen in vielen Situationen immer noch anders an. Weil sie noch immer so wenige sind. Und weil sie weniger darauf trainiert werden, mit der Einsamkeit harter Entscheidungen umzugehen.

Laut Bundesagentur für Arbeit liegt der Anteil von Frauen an der Spitze privatwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland seit 2016 unverändert bei 26 Prozent. Allerdings sind im bundesweiten Schnitt 44 Prozent aller Beschäftigten Frauen. Noch immer gibt es dabei ein Ost-West-Gefälle: 31 Prozent der Führungskräfte auf der ersten Ebene und 45 Prozent auf der zweiten Führungsebene sind hier Frauen, gegenüber 25 und 39 Prozent in Westdeutschland.

Bedeutsamer noch als für die männliche Management-Konkurrenz sei das Umfeld: etwa, den richtigen Menschen an der Seite zu haben, der den eigenen Ehrgeiz auch einmal zurücknimmt, um die Partnerin in ihrem Fortkommen zu unterstützen. Frauen tun das immer noch mit größerer Selbstverständlichkeit für ihre Ehemänner. Und auch das Elternhaus spielt eine Rolle: Ihre Eltern hätten nie Unterschiede zwischen ihr und ihrem Bruder gemacht, erzählt Johansson: „Das ist extrem prägend“, sagt sie, „ob man Grenzen spürt.“

Johanssons Vater hatte eine Baufirma, und er bezog sie früh mit ein, erzählt sie. Daher hatte sie auch nie Berührungsängste mit Männerdomänen und heuerte später immer wieder bei Firmen an, die nicht als Hochburgen der Emanzipation gelten.

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Etwa beim schwedischen Sicherheitskonzern Securitas oder beim Verpackungshersteller Amcor. Beim Energieversorger Zeag im schweizerischen Spreitenbach ist sie zwei Jahre lang Finanzchefin und stellvertretende CEO. Die gleiche Position bekleidet sie auch beim Luftfahrtdienstleister SR Technics, auch beim Maschinenbauer Bucher Industries leitet sie das Finanzressort, bevor sie zu Bilfinger wechselt.

„Zu selten in der ersten Reihe“

Johanssons Vater ist Schwede, ihre Mutter Norwegerin. Sie selbst besitzt einen schwedischen, norwegischen und einen Schweizer Pass. Das Aufwachsen in mehreren Ländern und der frühe Kontakt mit unterschiedlichen Mentalitäten habe sich im Verlauf ihrer Karriere als unschätzbarer Vorteil erwiesen, sagt Johansson: Wer im internationalen Wettbewerb um Top-Positionen mithalten will, der muss in der Lage sein, sich schnell in einem neuen Umfeld zurechtzufinden und auch zu spüren, welcher Führungsstil zu einem Unternehmen passt.

Und schließlich: „Es braucht eine Leidenschaft“, sagt sie. Das Wissen darum, was einen antreibt: Anfang des vergangenen Jahres übernahm Johansson bei Bilfinger von Tom Blades interimistisch auch den Posten des Vorstandschefs. Dauerhaft wollte sie die Position aber nicht ausfüllen: Sie habe zu viel Passion für ihre Arbeit als Finanzchefin, sagte sie immer wieder.

Dem weiblichen Management-Nachwuchs rät sie gleichwohl, sich nicht auf ein Ressort reduzieren zu lassen, auch nach der Gesamtverantwortung zu suchen. Und sich zu zeigen: „In puncto Sichtbarkeit, da sind wir Frauen schlecht. Wir setzen uns zu selten in die erste Reihe“.

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