Wirecard-Skandal - Möglicher Insiderhandel bei Bafin Mitarbeiter unter Verdacht

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dpa/red
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Frankfurt/Berlin. Der Bilanzskandal um den früheren Dax-Konzern Wirecard könnte bei der Finanzaufsicht auch juristische Folgen haben. Die Bafin hat einen ihrer Mitarbeiter wegen des Verdachts des Insiderhandels angezeigt. Im Raum steht der Vorwurf, er könnte Insiderwissen genutzt haben, um mit Wirecard-Papieren Geschäfte zu machen. Die Finanzaufsicht prüft seit Monaten private Börsengeschäfte ihrer Mitarbeiter, bei denen der Kurs des insolventen Skandalunternehmens Wirecard eine Rolle spielte. Noch im November hatte sich Bafin-Chef Felix Hufeld vor seine Mitarbeiter gestellt. Bis dahin habe es keine Anhaltspunkte gegeben, dass mit Wirecard-Aktien handelnde Beschäftigte einen Informationsvorsprung zum privaten Vorteil genutzt hätten, hatte er gesagt.

Bundestag am Zug

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Der nun angezeigte Mitarbeiter habe am 17. Juni 2020 strukturierte Produkte mit dem Basiswert Wirecard AG verkauft, erklärte die Aufsicht. Dazu zählen unter anderem Zertifikate. Einen Tag später hatte das Fintech-Unternehmen ein Bilanzloch von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Ende Juni meldete Wirecard Insolvenz an. Die Finanzaufsicht entdeckte den Verdacht gegen den Mitarbeiter nach eigenen Angaben im Rahmen der Sonderauswertung. Der Beschäftigte sei sofort freigestellt und ein Disziplinarverfahren eröffnet worden. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sprach von einem „schwerwiegenden Vorgang“. Dieser zeige, wie richtig die neuen Regeln für den Aktienhandel von Bafin-Beschäftigten seien. Private Finanzgeschäfte der Bafin-Mitarbeiter sollen stark eingeschränkt werden, der Bundestag muss den neuen Regeln allerdings noch zustimmen.

„Endlich geht die Bafin gegen möglichen Insiderhandel bei ihren eigenen Leuten vor. Aber wenn eine Behördenleitung immer erst massiven öffentlichen Druck braucht, um das Richtige zu tun, taugt sie nichts“, teilte Gerhard Schick dieser Redaktion mit. Der Vorstand des Vereins „Bürgerbewegung Finanzwende“ forderte Scholz dazu auf, die Bafin-Leitung auszutauschen.