Siemens - Der langjährige Vorstandschef übergibt einen grundlegend umgebauten Konzern an seinen Nachfolger Roland Busch Mission erfüllt – Joe Kaeser tritt ab

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Alexander Klay
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Joe Kaeser (l.) verlässt den Chefsessel bei Siemens – Roland Busch übernimmt den Vorstandsvorsitz. © dpa

Berlin. An seinem Nachfolger lässt Joe Kaeser keinen Zweifel aufkommen. „Roland Busch war immer mein Mann und mein Kandidat für die Nachfolge“, sagt der Chef des Industriekonzerns Siemens in einem Interview mit dem „Handelsblatt“. An diesem Mittwoch ist es so weit. Nach über sieben Jahren an der Spitze reicht Kaeser den Vorstandsvorsitz weiter. Damit endet eine Ära – der seit den 1990er-Jahren betriebene Konzernumbau mit zahlreichen Abspaltungen ist vollzogen.

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Zuletzt sagte Kaeser, es sei sein Ziel gewesen, Siemens in einem besseren Zustand zu übergeben, als er es übernommen habe. Diese Mission hat er erfüllt. Mit einem Börsenwert von 102 Milliarden Euro steht der Konzern an der Spitze der wertvollsten deutschen Unternehmen – nur die Softwareschmiede SAP und der Gase-Spezialist Linde sind mehr wert. Die Geschäftszahlen sind solide. Bei einem Umsatz von 57,1 Milliarden Euro verbuchte Siemens im Geschäftsjahr 2019/20, das im September endete, 4,2 Milliarden Euro Gewinn.

„Er hatte eine Vision“

Der Betriebswirt aus Niederbayern blickt auf vier Jahrzehnte bei dem Industriekonzern zurück. Im Sommer wird Josef Käser, der sich erst seit seiner Zeit im Silicon Valley Joe Kaeser nennt, 64. Er hinterlässt einen radikal umgebauten Konzern, der heute in ruhigem Fahrwasser unterwegs ist. Sein Vorgänger Peter Löscher musste 2013 nach einer Reihe von Gewinnwarnungen abtreten.

„Kaeser hat das Unternehmen damals nicht nur geeint – auch mithilfe seiner guten Vernetzung im Haus –, sondern er hatte auch eine Vision für Siemens“, sagt Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Er hat sie umgesetzt und Siemens damit auch vor Angriffen von außen bewahrt.“ Kaeser brachte den Konzernumbau zu Ende, den seine Vorgänger Heinrich von Pierer und Peter Löscher seit den 1990er-Jahren verfolgten. Den Gemischtwarenladen Siemens, der neben Telefonen, Glühbirnen und Kühlschränken auch Medizingeräte und Kraftwerke baute, gibt es nicht mehr.

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Heute steht Siemens auf drei Säulen: digitale Industrie, intelligente Infrastruktur sowie Mobilität mit Zügen und Bahntechnik. Kaeser spaltete die Medizintechnik (Siemens Healthineers) sowie das Kraftwerksgeschäft (Siemens Energy) ab und brachte beide Bereiche an die Börse. Das Unternehmen noch weiter umzubauen – das sei ohne Eingriffe in die Substanz kaum möglich, heißt es im Konzern.

Auch nach außen hat Kaeser Strahlkraft. Er ist ein Lautsprecher, bezieht gerne öffentlich Stellung. Manchmal tippt er Statements schneller, als die Kommunikationsabteilung hinterherkommt. Und manchmal hat das heftige Konsequenzen: Für sein Engagement gegen Rechtsextremismus erhält er eine Morddrohung.

Pragmatischer Franke

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Als der Konzern vor einem Jahr in die Schlagzeilen gerät, weil er an einem Projekt zur Ausrüstung einer Bahnstrecke zu einem australischen Kohlebergwerk festhält, versucht Kaeser, seine Kritiker einzubinden. Er bietet Luisa Neubauer von der Fridays-for-Future-Bewegung bei der Energiesparte einen Sitz in einem Aufsichtsgremium an – und gibt gleichzeitig zu, dass seine Unterschrift unter dem mit 18 Millionen Euro verhältnismäßig unbedeutenden Vertrag ein Fehler gewesen sei. Seine Kritiker konnte er damit aber kaum besänftigen.

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Ob von der Siemens-Spitze künftig leisere Töne zu hören sein werden? „Ich werde mich äußern, wenn es um die geschäftlichen Interessen und Werte von Siemens geht“, sagt Roland Busch. Der promovierte Physiker ist seit 1994 bei Siemens, seit 2011 Mitglied des Vorstands. Nach dem Zahlenmenschen Kaeser steht jetzt wieder ein Techniker an der Spitze. Er handele lösungsorientiert und pragmatisch, heißt es über den 56-Jährigen aus dem fränkischen Erlangen.

Das freut viele im Unternehmen. Auch Arbeitnehmervertreter sind mit der Personalie durchaus zufrieden. Sie dürften voraussichtlich auch wenig Reibungspunkte haben. Die Ära des tiefgreifenden Konzernumbaus hat Kaeser vollendet – und Busch war daran als Vorstandsmitglied beteiligt. Weitere tiefe Einschnitte wird es vorerst wohl nicht geben.