Bombardier - Mitarbeiter des Zugherstellers demonstrieren gemeinsam mit Alstom-Beschäftigten für Erhalt ihrer Arbeitsplätze Mannheim: Bombardier-Mitarbeiter demonstrieren für ihre Arbeitsplätze

Von 
Miray Caliskan
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Etwa 100 Bombardier-Mitarbeiter versammelten sich bei einem europaweiten Aktionstag am Werkstor © Pressefotoagentur Thomas Tröste

Mannheim. Bei einem europaweiten Aktionstag haben sich rund 100 Beschäftigte des Zugherstellers Bombardier am Standort Mannheim für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze stark gemacht. „Es sind erhebliche Teile der Belegschaft im Homeoffice, aber jetzt ist keiner mehr im Werk“, rief Betriebsratsvorsitzender Thomas Merz den Mitarbeiten zu, die sich bei strömendem Regen am Donnerstagmittag vor dem Werkstor versammelten.

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Der französische Hersteller der TGV-Hochgeschwindigkeitszüge Alstom hatte im Februar angekündigt, die Zugsparte des kanadischen Bombardier-Konzerns übernehmen zu wollen. Das Vorhaben kostet rund sechs Milliarden Euro und wird derzeit von EU-Wettbewerbshütern überprüft. Noch in diesem Monat soll eine Entscheidung fallen.

Bombardier Transportation unterhält in Deutschland mehrere Werke, allein am Mannheimer Forschungs- und Entwicklungsstandort arbeiten rund 1000 Menschen. Alstom betreibt sein einziges deutsches Werk in Salzgitter. Beide Unternehmen beschäftigen nach eigenen Angaben hierzulande zusammen mehr als 9000 Mitarbeiter. „22 Einzelgewerkschaften wurden heute zu Kundgebungen aufgerufen. Länderübergreifend haben Mitarbeiter sowohl von Bombardier als auch von Alstom für ihre Arbeitsplätze demonstriert. Es ist eine bis jetzt beispiellose Aktion“, so Merz.

Verhandlungen bis September

Die IG Metall befürchtet, dass im Zuge der Übernahme deutsche Standorte aufgegeben und damit Hunderte Arbeitsplätze verloren gehen. Schließlich gibt es in den Geschäftsfeldern von Bombardier und Alstom zahlreiche Überschneidungen, etwa bei Elektrozügen. Wie das gemeinsame Unternehmen aussehen wird, ist nach wie vor völlig unklar. In den vergangenen Wochen wurde vonseiten der Gewerkschaften bekannt, dass Bombardier-Mitarbeiter auf Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Entgelterhöhungen verzichten sollen. Auch längeres Arbeiten ohne finanziellen Ausgleich ist offenbar im Gespräch.

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Ein Sprecher von Bombardier teilte mit, dass der Gesamtbetriebsrat, IG Metall und Unternehmungsleitung gemeinsam entschieden hätten, die Verhandlungen über den Konzernumbau sowie über den Abschluss eines Beschäftigungssicherungsvertrages aufzunehmen. „Die Gespräche sind angelaufen und alle Parteien sind bestrebt, die Verhandlungen bis Ende September abzuschließen.“ Ob und wie Mannheim von Sparmaßnahmen betroffen sein könnte, darüber wollten sich weder der Sprecher noch Betriebsratsvorsitzender Merz äußern. „Die Verhandlungen laufen noch, da kann ich nichts vorgreifen.“

Daniel Leuthner, Betriebsrat und Vertrauenskörper-Leiter bei Bombardier, sagte, dass die Beschäftigten in den letzten Jahren viele tarifliche Einschnitte ertragen mussten. „Es wurden beim Gehalt Abstriche gemacht, die Arbeitszeit erhöht.“ Die ungewisse Situation – auch nach fünf Monaten nach Ankündigung der Übernahme – mache allen Mitarbeitern schwer zu schaffen. „Es geht um jeden von uns, alle Arbeitsplätze an allen Standorten sind gleichermaßen betroffen.“

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Mit dem Aktionstag wolle die Belegschaft in sich ein Zeichen setzten, das ans Management, die die Verhandlungen führen, gesendet wird. „Wir sind wichtig. Wir brauchen eine Zukunft und wir wollen Sicherheit. Deshalb sind wir vor die Werkstore gegangen“, erklärte Leuthner. Kundgebungen fanden auch in Hennigsdorf, Görlitz, Bautzen, Kassel und Siegen sowie am deutschen Altsom-Standort statt.

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Am Mittwoch hatte der bisherige Deutschland-Chef von Bombardier Transportation, Michael Fohrer, seinen sofortigen Weggang verkündet –aus persönlichen Gründen, wie es hieß. Die vorübergehende Leitung übernimmt Marco Michel. Er arbeitet seit 2017 fürs Unternehmen und war zuvor bei Siemens tätig. „Mitten in den Verhandlungen müssen wir uns auf einen völlig neuen Gesprächspartner einstellen“, kritisierte Merz. „Das stellt uns vor neuen Aufgaben. Es könnte durchaus sein, dass wir in den kommenden Wochen einen entscheidend konfrontativeren Kurs zu fahren.“

Veräußerung in Deutschland

Wenn die Entscheidung der Wettbewerbshüter positiv ausfällt, soll das Geschäft im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossen sein. Um die Bedenken der Wettbewerbshüter auszuräumen, hatten Bombardier und Alstom vor einigen Tagen angekündigt, die Talent-3-Plattform und die zugehörigen Produktionsanlagen am Standort Hennigsdorf verkaufen zu wollen. (mit jung und dpa)

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