Discounter testet Online-BEstellverfahren Click & Collect in der Region - vorerst ohne Lebensmittel - Lidl Lidl testet Click & Collect auch in Mannheim

Von 
Bettina Eschbacher
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Der Discounter Lidl hat in der Rhein-Neckar Region den Service Click & Collect eingeführt. © dpa

Mannheim/Neckarsulm. Online bestellen, in der Filiale abholen - diese Variante hat jetzt auch der Discounter Lidl eingeführt. Aber nur für Kunden in der Rhein-Neckar-Region. Lidl hat sich hier 80 Filialen für ein Pilotprojekt ausgesucht - vom südpfälzischen Edenkoben über Mannheim, Schwetzingen und Weinheim bis nach Südhessen mit Lampertheim, Heppenheim und Viernheim. Ausgewählt für die Testphase wurde die Region einer Lidl-Sprecherin zufolge wegen der Mischung aus großen Städten und ländlichen Gegenden. Der Test läuft seit April und sei bislang „auf großes Interesse bei den Kunden gestoßen“, so die Sprecherin.

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Möglich ist der Service aber nur für Nicht-Lebensmittel, etwa Textilien, Spielzeug oder Kleingeräte. Das Hauptsortiment von Lidl besteht aus Lebensmitteln, andere Produkte werden als Aktionsware nur für kurze Zeit verkauft. Onlinebestellungen dürfen eine bestimmte Größe nicht überschreiten, Sperrgut wird nicht in die Filiale geliefert. Viele Einzelhändler bieten Click & Collect inzwischen als eine von mehreren Bestellvarianten, Vorreiter waren Modeketten und Baumärkte.

„Mehr Aufmerksamkeit“

Bei den Discountern ist die Filialabholung von Bestellungen aus dem Online-Shop zumindest in Deutschland wenig verbreitet. Viele Händler sehen das Angebot als eine gute Möglichkeit, das stationäre Geschäft mit der Netzwelt zu verbinden. Auch Lidl: „Dadurch können wir dem Onlinegeschäft mehr Attraktivität und Aufmerksamkeit verschaffen“, erklärt die Sprecherin.

Die Kunden wiederum hätten den Vorteil, dass sie sich den Abholtermin selbst aussuchen könnten. „Gleichzeitig sparen wir durch die Bündelung der Transportwege CO2 ein“, so die Lidl-Sprecherin. Um die Probleme mit der sogenannten letzten Meile zu verringern, hat Lidl parallel zu dem Pilotprojekt in der Region eine Partnerschaft mit der Deutschen Post gestartet. Bundesweit sollen 500 Packstationen in Lidl-Märkten aufgebaut werden.

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Als letzte Meile wird das letzte Stück des Paket-Transports zur Haustür des Kunden bezeichnet. Sie bereitet Online-Anbietern und Lieferanten aufgrund der Flut von Bestellungen im Internet großes Kopfzerbrechen. Zum Beispiel, weil die Empfänger oft nicht zu Hause sind und die Zustellung wiederholt werden muss - das kostet mehr. Und weil es schwierig ist, die vielen gestückelten Sendungen in möglichst effiziente Zustelltouren zu bündeln. Kritisiert werden die vielen Transportfahrten von Klimaschützern.

Großer Aufholbedarf

Aus Sicht des Handelsexperten Boris Planer vom Analysehaus Edge by Ascenial hat Lidl trotz des Click & Collect-Tests noch großen Aufholbedarf bei der Digitalisierung seines Geschäfts. „Wirklich spannend wäre, wenn Lidl einen Lieferdienst für Lebensmittel aufbauen würde.“ Andere Ketten, allen voran Rewe, machten es vor: Rewe liefert inzwischen in rund 75 Städten Lebensmittel aus.

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Auch Edeka ziehe nach, so Planer, und habe zum Beispiel seine Anteile am Lieferdienst picnic erhöht. Und zumindest in den USA sei Lidl-Konkurrent Aldi weiter: Der Discounter arbeitet landesweit mit dem Lebensmittel-Lieferanten Instacart zusammen. „Geld verdienen lässt sich noch nicht mit dem Internet-Versand von Lebensmitteln“, sagt Planer. So ist in der Branche umstritten, ob der Online-Anteil bei Lebensmitteln in Deutschland, wo die meisten sehr kurze Wege zu Supermärkten haben, mittelfristig wachsen wird. Derzeit liegt der Anteil nur bei rund einem Prozent. In Großbritannien oder Frankreich sind es laut Planer schon mehr als sechs Prozent.

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Thomas Roeb, Professor an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg mit Fachgebiet Handel, hält es für möglich, dass Lidls Pilotprojekt in der Metropolregion gleichzeitig ein Testlauf für den Online-Handel mit Lebensmitteln sein könnte. Allerdings bezeichnet er die Zeit dafür in Deutschland generell für „noch nicht reif“. Personalaufwand und Kosten dafür seien zu hoch.

Bei anderen Produkten, wie Textilien, sehe das anders aus, weil der Durchschnittspreis höher sei als bei Lebensmitteln. Daher fielen Logistik-Kosten nicht so ins Gewicht. Und wenn Lidl seinen Online-Handel mit derartigen Produkten stärke, habe das durchaus Gewicht: Schließlich zähle der Discounter in Deutschland zu den zehn größten Modehändlern.

Redaktion Bettina Eschbacher ist die Koordinatorin Wirtschaft und Wirtschaftsredakteurin.