Künstliche Intelligenz - Heidelberger Unternehmen entwickelt lernende Computeranwendungen, die Verwaltungsarbeit erleichtern Lernende Software unterstützt im Büro

Von 
Till Börner
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Heidelberg. „Simplicity first“ lautete die Devise von Claus Heinrich, als er 2009 in Heidelberg das Unternehmen Sovanta gründet. Nach über zwei Jahrzehnten beim Walldorfer Softwarekonzern SAP, davon 14 Jahre als Vorstandsmitglied, entschied sich Heinrich, „Business Software einfacher, intelligenter und damit effizienter zu machen“. Dem promovierten Betriebswirt ging es schlicht darum, dem Endkunden die Bedienbarkeit zu erleichtern. Zwölf Jahre später beschäftigt die Sovanta AG rund 180 Mitarbeiter und hat neben ihrem Hauptsitz in Heidelberg auch Standorte in Hamburg und in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires.

Dank Sprachsoftware können Menschen auch mit Maschinen sprechen. © istock, Sovanta
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Mitte Januar ereilte Heinrich eine positive Nachricht: Im Rahmen des „KI-Innovationswettbewerbs Baden-Württemberg“ hat die Sovanta AG eine Förderung des Wirtschaftsministeriums gewonnen. „Wir sind stolz, dass wir im Bereich Künstliche Intelligenz vom Land unterstützt werden“, so Heinrich. Ein Aushängeschild des Heidelberger Unternehmens, das auch in Stuttgart zu überzeugen wusste, heißt „tooka.ai“. Die Softwarelösung dient als intelligenter Assistent im Büro. „Überfüllte Postfächer, Chaos beim Sortieren von Mails, Bestellungen abtippen und nebenbei Kundenanfragen beantworten – das sind alltägliche Probleme in vielen Unternehmen“, heißt es vonseiten der Sovanta AG. „Tooka.ai“ soll künftig administrative Prozesse in allen Bereichen eines Unternehmens unterstützen und weitgehend selbstständig arbeiten können.

Viele Jahre im SAP-Vorstand

Claus E. Heinrich wurde 1955 in Waiblingen geboren und studierte in Mannheim Betriebswirtschaft mit anschließender Promotion.

Ab 1987 arbeitete er für das Walldorfer Softwareunternehmen SAP, 1996 erfolgte die Berufung in den Vorstand.

Neben der Leitung des Personalwesens war Heinrich für die Optimierung der internen Geschäftsprozesse und die Koordinierung der SAP-Entwicklungszentren zuständig. Von 2007 bis 2009 war er Vorstand der Vereins „Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar“.

Er ist Mitglied der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Uni Mannheim und Lehrbeauftragter an der TU Berlin. tbö

Apple als Vorbild

Schon als Vorstand bei SAP war Heinrich nicht nur fürs Personal, sondern auch für die Produktentwicklung verantwortlich. Als Vorbild diente bei der Sovanta-Gründung vor zwölf Jahren der US-Gigant Apple, der etwa zeitgleich seinen ersten Tabletcomputer auf den Markt brachte. „Als ich die ersten Anwendungen auf dem iPad gesehen hab, dachte ich mir, dass Software genau so funktionieren muss“, berichtet Heinrich. Also begann das junge Unternehmen, einfache Oberflächen zu designen. Später kam die Idee hinzu, dass die Produkte nicht nur einfach zu bedienen, sondern auch intelligent sein sollten.

Die erste Stufe sei gewesen, die Interaktion zwischen Computer und Mensch zu vereinfachen, sagt Heinrich. „Aber vielleicht brauch ich gar keine Oberfläche, weil wir per Sprache kommunizieren können. Und eventuell weiß die Software aus der Vergangenheit schon, was ich will“, beschreibt der 65-Jährige den nächsten Entwicklungsschritt und benennt auch die Vorteile: „Durch die Intelligenz können wir unseren Kunden Effizienzsteigerung bieten.“

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Chatbots – ein textbasiertes Dialogsystem zwischen einem technischen System und einem Menschen – sowie Sprachsoftware gehören zu den von Sovanta entwickelten intelligenten Kommunikationssystemen. Wer sich in der Serviceabteilung eines Unternehmens oder bei einer öffentlichen Verwaltung meldet, bekommt seine Antwort nicht von einem Mitarbeiter, sondern von einer Software.

Beim Thema Künstliche Intelligenz ist Heinrich wichtig, dass sich nicht die Frage Maschine oder Mensch stelle: „Es geht darum, die einfachen Dinge abzufedern. Sobald aber die Maschine Zweifel hat, kommt der Mensch ins Spiel.“

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Dass die Anwendungsbereiche der intelligenten Business-Software enorm sind, betont Tommi Kramer. „Im Öffentlichen Dienst gibt es sehr viele Möglichkeiten“, sagt der Leiter der Abteilung Künstliche Intelligenz bei der Sovanta AG. Neben Konzernen wie der BASF, der MVV, der Schwarz-Gruppe oder Audi zählen auch die Verwaltungen der Stadt Heidelberg oder der Rhein-Neckar-Kreis zu den Kunden des Mittelständlers.

Thema an den Unis angekommen

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Dass es in Zukunft nicht ohne Künstliche Intelligenz gehen wird, davon ist Heinrich überzeugt: „Überall wird es KI geben, weil es effizient ist. Wer nicht darauf setzt, wird einen Wettbewerbsnachteil haben.“ An den Universitäten sei das Thema längst angekommen, auch große Unternehmen würden bei Künstlicher Intelligenz „massiv aufrüsten“. Handlungsbedarf sieht der Manager hingegen an anderer Stelle. „Viele junge Leute wollen am liebsten zu großen Firmen, weil sie Sicherheit suchen. Mit einer tollen Idee kann man sich aber auch selbstständig machen.“ In Deutschland habe man zu viel Angst davor, dass etwas nicht ganz gelinge. „Dann gilt man schnell als Versager. Man muss den Menschen aber eine zweite oder dritte Chance geben.“

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