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Konjunktur - Die Einkaufsstraßen füllen sich langsam wieder, doch das erste Halbjahr war für die Branche weitgehend verloren / Online-Segment kann zulegen

Krise des innerstädtischen Handels ist noch nicht vorbei

Von 
Erich Reimann
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Trotz aller Lockerungen rechnet mehr als die Hälfte der innerstädtischen Händler für 2021 mit Umsätzen unter Vorjahresniveau. © dpa

Berlin. Vom Kurfürstendamm in Berlin bis zur Kaufingerstraße in München, von der Kö in Düsseldorf bis zur Prager Straße in Dresden gleichen sich die Bilder: Deutschlands Einkaufsstraßen füllen sich wieder mit Besuchern. Und der von der Corona-Pandemie schwer gebeutelte Innenstadthandel atmet vorsichtig auf. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Branchenumfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) rechnet fast die Hälfte der stationären Bekleidungshändler im zweiten Halbjahr mit besseren Geschäften als im Vorjahr, nur 16 Prozent mit einem Umsatzrückgang.

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Dennoch ist es nach Einschätzung von HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth zu früh, Entwarnung für die Branche zu geben. „Die Krise ist noch nicht vorbei, für viele Einzelhändler ist die Lage nach wie vor sehr schwierig“, sagte er in Berlin. Die positive Entwicklung in den letzten Wochen dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass das erste Halbjahr insbesondere für den Innenstadthandel verloren sei.

Mehr als die Hälfte der Innenstadthändler rechnet der HDE-Umfrage zufolge für das laufende Jahr insgesamt mit Umsätzen unter dem Vorjahresniveau. Extrem gelitten habe der Bekleidungshandel, dessen Erlöse um rund ein Drittel geschrumpft seien. Genth hält deshalb auch an der Prognose fest, dass die Pandemie das Aus für bis zu 50 000 Geschäfte bedeuten könne – auch wenn sich dies in den Insolvenzzahlen bislang nicht widerspiegele.

„Wir halten die Prognose aufrecht, weil der Einzelhandel teilweise leise stirbt“, sagte er. Oft würden Läden einfach ohne Insolvenzverfahren geschlossen. Gleichzeitig dünnten große Handelsketten ihre Filialnetze aus. „Man sieht viele Leerstände, wenn man durch Innenstädte geht“, betonte Genth.

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Tatsächlich ist ungewiss, ob der Innenstadthandel jemals wieder die Umsätze der Vor-Pandemie-Zeit erreichen wird. Genth selbst hat offensichtlich seine Zweifel. „Es hat in der Pandemie eine Verschiebung im Konsumverhalten gegeben. Das Einkaufen ist digitaler geworden und bleibt es auch“, meinte der Branchenkenner.

Prognose erhöht

Der HDE erhöhte am Mittwoch sogar seine Prognose für das Umsatzwachstum des Onlinehandels im laufenden Jahr von 17 auf fast 20 Prozent. Damit würden die E-Commerce-Umsätze in diesem Jahr von 72,8 auf mehr als 87 Milliarden Euro steigen. Der stationäre Einzelhandel wird dagegen laut HDE im Gesamtjahr voraussichtlich Umsatzeinbußen von 1,1 Prozent hinnehmen müssen und noch Waren im Wert von 499 Milliarden Euro verkaufen.

Dabei gibt es im stationären Handel gravierenden Unterschiede zwischen den Branchen. Während die Umsätze im stationären Lebensmittelhandel nach Einschätzung des HDE auch in diesem Jahr noch einmal um 3,1 Prozent wachsen werden, dürften die Umsätze abseits des Lebensmittelhandels um 4,2 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen – im besonders hart getroffenen Bekleidungshandel sogar um 13,2 Prozent.

Vieles spricht dafür, dass der Internethandel den Innenstädten weiter zu schaffen machen wird. So stellte das Statistische Bundesamt in dieser Woche fest, dass der Internet- und Versandhandel sich „vom wieder aufkeimenden Wachstum des stationären Handels unbeeinflusst“ zeige. 

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