Soziales - Professionelle Unternehmer unterstützen in der „Nachtschicht“ Gemeinnützigkeit / Diese Zeitung in Jury vertreten Kostenfreie Beratung für Vereine

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Sebastian Koch
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Mannheim. Es ist kurz vor Mitternacht. Und Christian Braunagel muss „erst einmal alles sackenlassen“. Fast acht Stunden lang saß der Referent der Geschäftsleitung des gemeinnützigen Vereins „St. Thomas“ im zweiten Stockwerk des Alten Volksparks in der Mannheimer Neckarstadt-West mit vier professionellen Kundenberatern zusammen. Das Quartett erarbeitete mit Braunagel zusammen Vorschläge zur Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins, der sich für die Betreuung und Inklusion psychisch kranker Menschen einsetzt.

Sieben Teilnehmer

  • Teilnehmende Verbände: Institut für Rechtsmedizin und Verkehrsmedizin des Uniklinikum Heidelberg, Olympiastützpunkt Metropolregion Rhein-Neckar Athletenförderung e.V./Team Tokio
  • Reha-Südwest Regenbogen, Familie Wespin Stiftung, St. Thomas e.V., Altenhilfe der Evangelischen Stadtmission Heidelberg, Theater- und Spielberatung Baden-Württemberg e.V. seko
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„St. Thomas e.V.“ war am Mittwochabend eines von insgesamt sieben gemeinnützigen Unternehmen aus der Region, das im Rahmen der „Nachtschicht“ eine kostenlose, professionelle Beratung erhielt. Organisiert wurde sie vom Wohlfahrtsverband „Der Paritätische“.

Eine Jury, der mit Bettina Eschbacher auch eine Redakteurin dieser Zeitung angehörte, hatte zuvor aus knapp 30 Bewerbungen sieben ausgewählt. Kriterien für die Auswahl waren unter anderem die prinzipielle Umsetzbarkeit der Vorhaben sowie der Bedarf an fachspezifischer Beratung.

Kriterien, die „St. Thomas e.V.“ erfüllt hat. Der Verein mit Häusern in Heidelberg, Schwetzingen, Reilingen, Graben-Neudorf und Walldorf wolle sich mit einer übersichtlicheren Webseite als „attraktiver Arbeitgeber“ präsentieren, sagt Braunagel zu Beginn der Veranstaltung, die unter der Schirmherrschaft des Landeswirtschaftsministeriums steht. Pflegekräfte seien „rar, der Wettbewerb unter Arbeitgebern umso härter“, begründet er.

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Doch zunächst muss sich „St. Thomas“ Kritik anhören. Der Verein biete so viele Möglichkeiten, sei sozial engagiert – doch: „Ich habe drei Anläufe gebraucht, um Ihre Webseite ganz anzuschauen“, bemängelt Kundenberaterin Stavroula Deoudi die fehlende Struktur. Zusammen mit Georg Haiber sowie Beate Jahoda und Marco Schirmer berät sie Braunagel – kostenlos und ehrenamtlich. „Das soziale Engagement des Vereins kommt gar nicht rüber“, kritisiert auch Jahoda zunächst.

Inklusive Bilderbuchgeschichte

Szenenwechsel: In den verschiedenen Zimmern auf zwei Etagen wird intensiv und konzentriert gearbeitet. Im ersten Stockwerk möchte der Kindergarten der „Reha-Südwest Regenbogen“ etwa ein Buch gestalten, das Inklusion kindgerecht aufbereitet. Unterstützung bekommen Petra Röder und Maike Schuch-Busalt dabei unter anderem auch von Kinderbuchautorin Susanne Main.

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Wie auch „St. Thomas“ kommen die Kindergärtnerinnen mit Main und den Kreativen Felix Zuber sowie Tobias Kam-Nakole rasch voran. In Diskussionen wird eine inklusive Geschichte mehrerer Freunde sowie deren ungefähres Aussehen entworfen. „Auf dem Weg zum Regenbogen – Eine Reise ohne Hindernisse“ soll der Titel lauten. Zwar gebe es noch viel zu tun, aber: „Wir hoffen, das wir es schaffen, zumindest ein Buch drucken zu können“, sagt Schuch-Busalt nach der Beratung.

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Derweil nimmt auch die Konzeption der Webseite von „St. Thomas“ Formen an. Fachliche Alleinstellungsmerkmale sowie die renommierte Geschichte des Vereins werden erarbeitet, sollen im Fokus der Seite stehen und die Attraktivität als Arbeitgeber steigern. Auch die optimierte Darstellung des Webauftritts für Handy, Tablet oder Computer soll verbessert werden, rät Jahoda. „Heutzutage nutzen Menschen vor allem ihr Handy, um online nach Stellen zu suchen.“ Werde dann die Webseite verzerrt dargestellt oder sei sie schwer zu bedienen, „sind Sie als Arbeitgeber schon durchgefallen“.

Gegen Mitternacht endet die Beratung. Viele Eindrücke und Ratschläge haben Braunagel und die Kindergärtnerinnen mitnehmen können. Ob sich alles umsetzen lässt? Braunagel will sich einsetzen, dass „zumindest ein großer Teil dessen realisiert“ werde, was geraten worden ist – und mit begrenzten Mitteln umsetzbar ist. „Das Angebot der kostenfreien, kompetenten Beratung wäre sonst Verschwendung.“

Sonja Lingelbach vom „Paritätischen Mannheim“ ist zufrieden mit der ersten Veranstaltung in der Region. Die Zusammenarbeit „habe viele Kontakte ermöglicht“, die den Vereinen „hoffentlich noch eine Menge weiterhelfen können“.

Redaktion Blattmacher der Kulturredaktion & Moderator des Stotterer-Ppppodcasts