Eilmeldung : Bund und Länder: Uneinig bei Handel, Konferenz unterbrochen - Kontaktregeln sollen ab Montag gelockert werden

  Jobs in der Region: Welche Firmen stellen ein, wer baut ab?

Von 
Tatjana Junker
Lesedauer: 
Auch der Ventilatorenhersteller EBM-Papst im fränkischen Mulfingen plant mit einer gleichbleibenden Mitarbeiterzahl. © Summer

Viele große Unternehmen der Region wollen auch in der Wirtschaftskrise an ihren Mitarbeitenden festhalten. Das zeigt eine Umfrage dieser Redaktion bei knapp 40 Konzernen und Firmen in der Metropolregion Rhein-Neckar und im Main-Tauber-Kreis. Sie beschäftigen hier insgesamt mehr als 130 000 Menschen. Wer streicht, wer stellt ein? 

Stabile Beschäftigung

AdUnit urban-intext1

Ob Bilfinger in Mannheim, die Pfälzer Baumarktkette Hornbach oder der Dentaltechnikhersteller Dentsply Sirona mit Standort in Bensheim: Gut zwei Drittel der befragten Unternehmen geben an, dass sie ihre Belegschaft im laufenden Jahr stabil halten wollen. Einige Unternehmen überbrücken Auftragslücken derzeit noch mit Kurzarbeit, beispielsweise der Antriebstechnikspezialist Wittenstein im Main-Tauber-Kreis. Beim Bildungs- und Gesundheitskonzern SRH sind unter anderem Mitarbeitende der geschlossenen Kantinen in Kurzarbeit.

>>> Wirtschaftsmonitor: So wirkt sich die Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt in der Region aus

Beim Getränkehersteller Capri Sun hat sich unterdessen die Zahl der Beschäftigten im Eppelheimer Stammwerk während der Pandemie erhöht, auf rund 720 Menschen. „An diese Entwicklung möchten wir auch im laufenden Jahr anknüpfen“, so eine Sprecherin. Der Pharmakonzern Roche hat seine Belegschaft in Mannheim zuletzt ebenfalls aufgestockt: Weil das Unternehmen verschiedene Corona-Tests produziert, seien in der Region mehr als 130 zusätzliche Stellen entstanden, teilweise allerdings befristet, heißt es.

Abbau ohne Kündigungen

AdUnit urban-intext2

Bei knapp 20 Prozent der befragten Unternehmen sollen allerdings auch Stellen wegfallen - teilweise wurden die Programme schon vor der Corona-Krise gestartet. In allen Fällen sind betriebsbedingte Kündigungen entweder durch eine Vereinbarung ausgeschlossen (Heidelberger Druckmaschinen, BASF, Daimler, KSB) oder sollen nach Aussage der Unternehmen vermieden werden.

Einen detaillierten Überblick gibt auch unsere Tabelle am Ende des Textes

AdUnit urban-intext3

Heidelberger Druckmaschinen: Das Unternehmen steckt seit längerem in einem tiefgreifenden Umbau, im Stammwerk Wiesloch läuft der Abbau von rund 1000 Arbeitsplätzen. In den vergangenen Monaten hat Heideldruck mit vielen älteren Beschäftigten Altersteilzeit vereinbart. Einem Sprecher zufolge sollen bis Ende März 2021 rund 500 Beschäftigte das Unternehmen verlassen haben, etwa 300 davon wechseln zur Weiterqualifizierung in eine Transfergesellschaft.

AdUnit urban-intext4

BASF: Beim Chemiekonzern dauert die Umsetzung des sogenannten Exzellenzprogramms länger als geplant: Demnach sollten bis Ende 2020 rund 1000 Stellen in Deutschland wegfallen, der Löwenanteil in Ludwigshafen. Die Corona-Krise hat den Abbau gebremst, bisher haben nicht so viele Beschäftigte die freiwilligen Abfindungsangebote angenommen wie gedacht. Wie viele Stellen 2021 hier noch wegfallen sollen, sagt BASF nicht. Das nächste Sparprogramm steht schon an: Bis Ende 2022 will der Konzern noch einmal rund 600 Arbeitsplätze in der Verwaltung in Ludwigshafen streichen.

KSB: Der Pumpenhersteller in Frankenthal hat seine Prozesse nach eigenen Angaben in den letzten zwei Jahren genau unter die Lupe genommen, um sich effizienter aufzustellen. Ergebnis: In Produktion, Vertrieb und Verwaltung werden nach und nach 120 Stellen abgebaut, unter anderem über Vorruhestandsregelungen.

HeidelbergCement: Das Unternehmen stellt die Klinkerproduktion im Zementwerk Leimen ein. Bis Ende 2022/Anfang 2023 soll daraus ein Mahlwerk werden, in dem dann noch rund 30 von aktuell etwa 120 Beschäftigten arbeiten. Für die anderen will HeidelbergCement sozialverträgliche Lösungen finden oder interne Versetzungen anbieten.

Freudenberg: Insgesamt will die Weinheimer Gruppe zu den Beschäftigungsplänen für 2021 keine Prognose abgeben. Klar ist, dass die Gesellschaft Freudenberg Performance Materials Apparel einen Teil der Produktion bis Ende 2022 nach Italien verlagert. Das Unternehmen stellt Einlagen für Kleidung her. In Weinheim soll der Schritt voraussichtlich 176 Arbeitsplätze kosten.

VR Bank Rhein-Neckar: Die Bank will die Zahl der Arbeitsplätze 2021 leicht senken, eine konkrete Zahl nennt sie nicht. Durch die Corona-Krise müssten die Banken die Digitalisierung beschleunigen, dazu komme das seit langem schwierige Zinsumfeld. „Um die VR Bank Rhein-Neckar zukunftssicher aufzustellen, sind wir gezwungen, unsere Strukturen zu ändern und weiter unsere Kosten zu senken“, heißt es.

Daimler: Der Konzern will in den nächsten zwei Jahren weltweit tausende Jobs streichen. Während die Beschäftigtenzahl bei der Tochter Evobus in Mannheim 2021 stabil bleiben soll, sind die Auswirkungen auf das Lkw-Motorenwerk offen. „Wir rechnen damit, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten die Pläne auf den Tisch bekommen, wie sich die Strukturen hier am Standort ändern und wo Stellen wegfallen sollen“, sagt Joachim Horner, Betriebsratsvorsitzender in Mannheim.

>>> Wirtschaftsmonitor: Zeigt sich die Corona-Krise bereits in den Firmeninsolvenzen in der Region?

>>> Wirtschaftsmonitor: Welche Auswirkung hat die Coronakrise auf die Industrieumsätze in der Region?

Prinzipiell würde der Abbau vermutlich vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung und im indirekten Bereich betreffen, zum Beispiel Sachbearbeiter, Ingenieure oder Beschäftigte in der Instandhaltung. Bei der Neuausrichtung des Werks müsse berücksichtigt werden, dass in der Produktion derzeit alte Baureihen auslaufen, die irgendwann wegfallen. „Außerdem muss das Thema Transformation auf den Tisch“, so Horner. Wenn das Geschäft mit Verbrennungsmotoren an Bedeutung verliere, wolle man sicherstellen, dass der Standort den Zuschlag für die Herstellung von Nachfolgeprodukten bekomme, etwa Elektroantriebe. Momentan laufe die Produktion gut, die Auslastung sei in Ordnung. „Wir haben sogar wieder Leiharbeiter an Bord“, so Horner.

Neue Jobs geplant

Wachsen soll die Belegschaft unter anderem beim Softwareriesen SAP in Walldorf. Das Unternehmen nennt keine konkreten Zahlen, bereits zum Jahresanfang habe es aber „zahlreiche Neueinstellungen“ gegeben. Rund 100 zusätzliche Stellen sind auch in der Mannheimer Produktion des Traktorenbauers John Deere geplant; beim Energieversorger MVV sollen 20 bis 40 neue Arbeitsplätze entstehen. Der Elektrotechnikkonzern TE Connectivity hat vor einiger Zeit angekündigt, 50 bis 70 Mitarbeiter aus Darmstadt an den Standort Bensheim zu holen. Insgesamt arbeiten hier mehr als 1000 Menschen für das Unternehmen. Vereinzelt neue Arbeitsplätze sind beim Mannheimer Pharmahändler Phoenix und beim Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub geplant.

Jobangebote für einen Stellenwechsel in Ihrer Region finden Sie auf unserem Jobportal jobmorgen.de.

Mehr zum Thema

Kommentar Zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Perspektiven bieten

Veröffentlicht
Von
Tatjana Junker
Mehr erfahren

Pandemie Experten warnen vor Pleite-Firmen in der Region

Veröffentlicht
Von
Tatjana Junker und Walter Serif
Mehr erfahren

Kommentar Entwicklung bei Firmeninsolvenzen: Gefährliches Manöver

Veröffentlicht
Von
Tatjana Junker
Mehr erfahren

Redaktion Wirtschaftsreporterin