Wirtschaft - Frische Stammaktien mit 90 Dollar bewertet / Tübinger Biotech-Firma will damit um 450 Millionen Dollar einnehmen Hopp verzichtet auf neue Anteile

Von 
Joana Rettig
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Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac rechnet im zweiten Quartal mit der Zulassung seines Corona-Impfstoffs. © dpa

Tübingen. Mehr als fünf Millionen neue Stammaktien zu einem Preis von 90 Dollar – der Tübinger Impfstoffhersteller Curevac will mit der geplanten Kapitalerhöhung um rund 450 Millionen Dollar (372 Millionen Euro) wachsen. Dietmar Hopp, der mit seiner Beteiligungsgesellschaft dievini Hauptinvestor des Biotech-Unternehmens ist, wird sich allerdings keine weiteren Aktien zulegen, wie Christof Hettich am Donnerstag im Gespräch mit dieser Redaktion erklärte.

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Hettich ist einer der Geschäftsführer von dievini. „Die Gesellschaft und auch Dietmar Hopp persönlich haben diesmal keine Aktien gezeichnet, weil wir bereits über einen langen Zeitraum investieren“, so Hettich. „Wir freuen uns, dass sich die Aktionärsbasis vergrößert und auch, dass mit den neuen Investoren ein Kurs bestätigt wurde, der weit über dem Ausgabekurs liegt.“ Curevac startete im August 2020 an der US-amerikanischen Tech-Börse Nasdaq mit einem Kurs von 16 Dollar.

Zusätzlich zu den jetzt ausgegebenen Aktien gewährt das Unternehmen den Zeichnern eine 30-Tage-Kauf-Option von bis zu 750 000 zusätzlichen Stammaktien, genannt Greenshoe-Option. Das bedeutet: Ist die Nachfrage nach Aktien höher als das Angebot, können weitere Wertpapiere ausgegeben werden. Das Angebot sei voraussichtlich am 1. Februar abgeschlossen, heißt es.

Geld für Impfstoff-Entwicklung

Einen großen Teil der Einnahmen aus dieser Kapitalerhöhung will Curevac in die Forschung und Produktion seines Corona-Impfstoffes stecken. Hopp hält rund 50 Prozent der Anteile. Durch die Kapitalerhöhung wird sich der Anteil allerdings verwässern, jedoch nur marginal, wie Hettich betont. Auch die Bundesregierung hält über die Staatsbank KfW Anteile, aktuell sind es 17 Prozent. Im Sommer hatte das Bundeswirtschaftsministerium mit seinem Minister Peter Altmaier (CDU) bekanntgegeben, über die KfW 300 Millionen Euro in die Biotech-Firma zu stecken. Altmaier hatte dies als klares Signal für den Standort Deutschland bezeichnet.

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Curevac hatte am Montagabend bekanntgegeben, dass es – rund ein halbes Jahr nach dem Börsengang – fünf Millionen neue Aktien verkaufen will. Anfang Januar hatte das Unternehmen den Dax-Konzern Bayer als Partner für seinen Impfstoff gewonnen. Gemeinsam wollen sie das weltweite Rennen um Massenimpfungen gegen das Coronavirus weiter aufrollen. Ziel sei es, nach einer Zulassung sehr rasch „mehrere hundert Millionen Dosen“ des Curevac-Mittels zu produzieren. Der Impfstoff befindet sich seit Mitte Dezember in der letzten Studienphase.

Einen weiteren großen Partner hatte Curevac im Juni 2020 mit dem britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) bekommen. Die Firmen unterzeichneten eine strategischen Kooperationsvereinbarung. Damit sollen die Erforschung, Entwicklung, Erzeugung und Vermarktung von bis zu fünf mRNA-basierten Impfstoffen und monoklonalen Antikörpern zur Bekämpfung von Erregern von Infektionskrankheiten vorangetrieben werden. Dieser Deal kann mit rund einer Milliarde Euro bewertet werden. Jedoch sind die beiden bestehenden klinischen Curevac-Entwicklungsprogramme zu Impfstoffen gegen Covid-19 und Tollwut nicht Teil der Kooperation.

Zulassung im zweiten Quartal

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Auch der US-amerikanische Elektroautobauer Tesla will bei der Impfstoff-Herstellung mitmischen. Die beiden Unternehmen arbeiten beim Bau von „RNA-Mikrofabriken“ zusammen. In diesen Anlagen sollen Impfungen produziert werden – auch gegen Corona. Curevac forscht seit Beginn der Krise an einem Impfstoff gegen das Virus. Die Zulassung soll im zweiten Quartal dieses Jahres kommen, der April gilt als realistisch. Die EU hat bei Curevac 225 Millionen Dosen bestellt. Laut dem Bundesgesundheitsministerium bekommt Deutschland über die Bestellung der EU 53 Millionen Dosen. Zusätzlich hat die Bundesrepublik einen Vertrag mit Curevac geschlossen, der eine Option von 20 Millionen Dosen beinhaltet. (mit be)

Redaktion Weltreporterin mit Wirtschaftsschwerpunkt