Corona - Nachfrage nach FFP2- und medizinischen Masken ist sprunghaft angestiegen / Derzeit keine Lieferengpässe Hersteller und Apotheker einig: Es gibt genügend Masken für alle

Von 
Till Börner
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Metropolregion. Die besorgte Frage, ob er denn noch Masken vorrätig habe, hört Mahmood Jawhar täglich. Die Antwort des Apothekers dürfte den Kunden ein entspanntes Lächeln auf die Lippen zaubern, das aber aufgrund des Mund-Nasen-Schutzes nur zu erahnen ist. „Jeder, der eine FFP2-Maske haben will, bekommt bei uns auch eine“, erklärt Jawhar, der im Mannheimer Stadtteil Sandhofen die Linden-Apotheke betreibt. Zwar sei die Nachfrage „sehr hoch“, Lieferengpässe gebe es aber „absolut nicht“.

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Eine Ausnahme scheint die Apotheke im Mannheimer Norden nicht zu sein. Die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg erklärt auf Nachfrage dieser Redaktion, dass die Verfügbarkeit von FFP2-Mund-Nasen-Schutz im Land „ausreichend gewährleistet“ sei. Eine Aussage, die Christian Splett bestätigen kann. „Wir sehen, dass der Markt nicht nur die Nachfrage nach FFP2-, sondern auch nach OP-Masken gut verkraftet“, sagt der Sprecher der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Spätestens seit in Baden-Württemberg und Hessen die Pflicht besteht, beim Einkaufen, im Öffentlichen Personennahverkehr oder am Arbeitsplatz, wenn der Abstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten werden kann, eine medizinische Maske zu tragen, hat sich die Nachfrage bei den Herstellern im Südwesten geändert. Statt modisch eleganten Mund-Nasen-Bedeckungen aus Stoff sind fast nur noch schnabelförmig weiße FFP2-Modelle in der Öffentlichkeit zu sehen.

Maschinen aus China bestellt

„Deren Verkauf ist generell schon gestiegen, als sie in Bayern zur Pflicht wurden“, erzählt Peter Oswald. Der Unternehmer aus Heidelberg belieferte eigentlich Friseursalons, Kosmetikstudios, Drogerien sowie Krankenhäuser mit Hygieneprodukten. Letztes Jahr stieg Peter Oswald in die Produktion von FFP2-Masken ein.

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Die zwei Maschinen, die in China bestellt und über die Seidenstraße in die Kurpfalz transportiert wurden, reichen längst nicht mehr aus. Zwei weitere Produktionsgeräte sind inzwischen geliefert und ein drittes ist unterwegs. „Ab Mitte Februar stellen wir 100 000 FFP2-Masken pro Tag her“, kündigt Oswald an, der die Karl Oswald GmbH zusammen mit seinem Sohn in dritter und vierter Generation führt. Der Grund für die Ausweitung der Produktion: „Wir sind im Moment heillos ausgebucht. Die Nachfrage nach in Deutschland hergestellten Masken hat sich in der letzten Zeit verzehnfacht“, berichtet er. Einerseits seien die Lagerbestände von Masken aus Fernost inzwischen aufgebraucht, andererseits sei das Misstrauen in die chinesische Ware hoch. „Zu Recht“, betont Oswald. Die Qualitätsunterschiede stellt der Geschäftsführer im betriebseigenen Prüflabor fest. Denn regelmäßig senden ihm andere Unternehmen importierte Masken ein, mit der Bitte um eine Untersuchung. Viele Kliniken und Schulen würden inzwischen nur noch auf FFP2-Masken made in Germany setzen.

Zu den Oswald-Kunden gehören Krankenhäuser und Schulen in Mannheim und Heidelberg sowie die Drogeriemarktkette dm. Auch die einzelnen Bestandteile des hochwertigen Mund-Nasen-Schutzes kommen aus der Region. „Wir beziehen unser Vlies ausschließlich von Freudenberg“, sagt Oswald. Zusammen mit dem Weinheimer Industriekonzern entwickelt der Heidelberger Familienbetrieb derzeit eine Maske mit FFP3-Standard, deren Schaumstoffmaterial absolute Dichtigkeit garantieren soll. „Das Modell kommt bald auf den Markt und soll auch nach Corona im medizinischen Bereich Anwendung finden“, so Oswald.

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Freudenberg selbst teilt auf Anfrage mit, dass „die Nachfrage unserer Kunden nach technischen Materialien für Masken gestiegen“ sei. Am Standort Kaiserslautern, wo der Mischkonzern auch einen eigenen medizinischen Mund-Nasen-Schutz herstellt, werden die Kapazitäten für Meltblown-Vliesstoffe erweitert. Die Anlage, so eine Sprecherin, wird noch im Februar in Betrieb gehen und Materialien für alle Maskentypen herstellen.

Viele Fälschungen auf dem Markt

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Auch die Würth Industrie Service GmbH mit Sitz in Bad Mergentheim spürt das gestiegene Interesse an medizischen Masken. „Dennoch wurden uns große Mengen zugesichert, welche wir kurzfristig unseren Kunden sofort zur Verfügung stellen können. Trotz der hohen Nachfrage sind wir lieferfähig“, so eine Firmensprecherin.

Die größere Herausforderung, teilt Würth Industries mit, sei die Identifikation der Ware, die nach europäischen Standards zertifiziert sei. „Aktuell gibt es viele Fälschungen auf dem Markt“, so die Sprecherin. (mit dpa)

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