Mannheimer Ex-Impresario - Anklage fordert vier Jahre und zehn Monate, Verteidigung will Freispruch Haft für Matthias Hoffmann?

Von 
Walter Serif
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Der Mannheimer Ex-Konzertveranstalter Matthias Hoffmann. © Christoph Bluethner

Mannheim. Dem Mannheimer Ex-Konzertveranstalter Matthias Hoffmann droht Gefängnis wegen angeblicher Insolvenzverschleppung. In dem Prozess vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer des Mannheimer Landgerichts forderte die Staatsanwaltschaft am Dienstag eine Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten – darin enthalten sind 13 Monate für die Umwandlung von früheren Geldstrafen. Außerdem will die Anklage 1,2 Millionen Euro aus Hoffmanns Vermögen einziehen lassen. Das Geld hatte dieser aus den Betrieben entnommen, um Steuerschulden zu begleichen. Die Verteidigung forderte Freispruch. Das Urteil fällt am Dienstag.

„Faktischer Geschäftsführer“

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Für Staatsanwalt Alexander Oberdiek ist die Beweislage erdrückend. Hoffmann habe sich mit krimineller Energie der vorsätzlichen Insolvenzverschleppung, des vorsätzlichen Bankrotts und einer unrichtigen Buchführung schuldig gemacht. Dafür würden auch seine einschlägigen Vorstrafen sprechen. Oberdiek wirft Hoffman außerdem vor, dass dieser seine Ehefrau Faiza als formelle Geschäftsführerin der zwei mittlerweile insolventen Mannheimer Unternehmen Afrika! Zirkus- & Veranstaltungs GmbH & Co. KG und der Cotton-Club Dinnershow GmbH & Co. KG nur vorgeschoben, selbst aber die Fäden gezogen habe.

„Das Sagen in den Unternehmen hatte Matthias Hoffman als faktischer Geschäftsführer“, so Oberdiek. Faiza Hoffmann war demnach die „Strohfrau“. Der Staatsanwalt stützte sich auf die Aussagen zahlreicher Zeugen und der Auswertung von E-Mails. Für nicht glaubhaft hielt er ein „angeblich“ von der Ehefrau stammendes Schreiben, in dem diese darauf beharrt, dass sie immer das letzte Wort hatte und ihr Mann nur fürs Marketing zuständig gewesen sei. Oberdiek zweifelte auch die Aussagen des letzten Zeugen am Dienstag an. Der früheren „Afrika!“-Tourmanager betonte, dass Faiza Hoffmann immer seine Ansprechpartnerin gewesen sei. Oberdiek unterstellte ihm, dass er vom Angeklagten „indoktriniert“ worden sei.

Verteidiger Ulrich Sommer warf dem Gericht in seinem Plädoyer vor, dass es an einem fairen Verfahren nicht interessiert sei: „Das Ergebnis stand mehr oder weniger schon vorher fest.“ Die Zeugenauswahl sei einseitig gewesen. „Dem Ex-Tourmanager glaubte man nicht, auch nicht Faiza Hoffmann – dafür aber der Telefonistin.“

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Mangelnden Eifer sah der Verteidiger bei der Kammer, weil diese sich nicht richtig bemüht habe, Faiza Hoffmann an ihrem gegenwärtigen Aufenthaltsort Kenia zu vernehmen. Gegen sie liegt ein Haftbefehl vor. Sommer: „Sie war als Geschäftsführerin verantwortlich und nicht Matthias Hoffmann, der auch kein faktischer Geschäftsführer war.“ Die Eheleute hätten sich zwar mit ihren optimistischen Prognosen geirrt, aber keine Straftaten begangen. Das Gericht habe nicht einmal einen unabhängigen Sachverständigen für das komplizierte Insolvenzrecht einschalten wollen.

Redaktion Reporter für Poltiik und Wirtschaft