Bergbau

Größtes Vorkommen seltener Erden Europas entdeckt

Sei es für den Bau von E-Autos oder auch Smartphones: Seltene Erden sind begehrt. Vor allem China gilt als großer Lieferant des Rohstoffs. Doch nun gibt es in Schweden eine bedeutende Entdeckung.

Von 
Steffen Trumpf und Ansgar Haase
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Ansicht des schwedischen Bergbauunternehmens LKAB im Industriegebiet in Kiruna. Im hohen Norden Schwedens sind bedeutende Vorkommen an seltenen Erden entdeckt worden. © Maja Suslin

Kiruna. Ein schwedisches Bergbauunternehmen hat nach eigenen Angaben das größte bekannte Vorkommen seltener Erden in Europa entdeckt. Die Lagerstätte in der Nähe einer großen Eisenerzgrube in Kiruna umfasst mehr als eine Million Tonnen an Seltenerdoxiden, wie der Staatskonzern LKAB vor einem Besuch der EU-Kommission in der Region bekanntgab.

Diese Menge würde ausreichen, um einen Großteil der künftigen EU-Nachfrage für die Herstellung von Permanentmagneten zu decken, die für Elektromotoren unter anderem in E-Fahrzeugen und Windkraftanlagen benötigt werden.

«Das sind gute Nachrichten, nicht nur für LKAB, die Region und die schwedische Bevölkerung, sondern auch für Europa und das Klima», erklärte Vorstandschef Jan Moström. Die Lagerstätte könnte zu einem bedeutenden Baustein für die Herstellung wichtiger Rohstoffe werden, die für die grüne Umstellung entscheidend seien. Auf einer Pressekonferenz unter Tage verwies er auch darauf, dass das volle Ausmaß des Vorkommens unklar ist. «Wir wissen nicht, wie groß es wirklich ist.»

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LKAB betreibt in Kiruna die größte unterirdische Eisenerzgrube der Welt. Wegen des Erzabbaus müssen Teile der nördlichsten Stadt des Landes einige Kilometer weit umziehen - rund 6000 Einwohner werden umgesiedelt, was einem Drittel von der Bevölkerung entspricht. In unmittelbarer Umgebung der Grube wurde bereits vor einiger Zeit die Lagerstätte Per Geijer entdeckt, die nun erfolgreich erkundet wurde.

China weltweit die Nummer eins

Seltene Erden stecken auch in Gebrauchsgegenständen wie Smartphones, Laptops und Fernsehern. Den Weltmarkt dominiert China, während in Europa derzeit kein Abbau von Seltenerdelementen stattfindet. Europäische Länder sind bei der Produktion von E-Autos und Windrädern daher auf Importe angewiesen. Diese Produkte brauchen starke Permanentmagnete, die im Falle von E-Autos je nach Motorengröße ein halbes bis mehrere Kilogramm der seltenen Erden Neodym und Praseodym enthalten.

Ein Vertreter des deutschen Autozulieferers Schaeffler betonte in Kiruna die Bedeutung der Rohstoffförderung in Europa. Schaeffler plane, viele Millionen Elektromotoren zu produzieren, sagte der für das Autogeschäft zuständige Einkaufsleiter Florian Schupp. Dafür brauche es seltene Erden. Heute kaufe Schaeffler außerhalb Europas ein - Ziel sei es aber, den Bedarf zunehmend in Europa zu decken.

Stärker gefördert werden sollen Minenprojekte wie die in Schweden auch aus Brüssel. So will die EU-Kommission im Frühjahr Maßnahmen vorschlagen, mit denen die strategische Autonomie Europas in Bezug auf wichtige Rohstoffe gestärkt werden soll. Ein Argument ist auch, dass es ohne diese Autonomie keinen ökologischen und digitalen Wandel geben könne.

Weg aus der Abhängigkeit?

Einem Kommissionsbericht aus dem Jahr 2020 zufolge bezog die EU zu dieser Zeit 98 Prozent ihres Bedarfs an seltenen Erden aus China. Das bedeutet gleichzeitig, dass Europa ein riesiges Problem bekommen würde, sollte China die Belieferung aus politischen oder strategischen Gründen drosseln oder sogar einstellen. Zudem dürfte der Bedarf im Zuge der Elektrifizierung weiter stark steigen. «Die Nachfrage nach seltenen Erden, die in Permanentmagneten, etwa für Elektrofahrzeuge, digitale Technologien oder Windgeneratoren zum Einsatz kommen, könnte sich bis 2050 verzehnfachen», heißt es in dem Kommissionspapier.

Der Weg zum möglichen Abbau der Metalle in Kiruna ist nach LKAB-Angaben allerdings lang. Erster Schritt sei die Beantragung einer Zulassung wohl noch in diesem Jahr. Mit Blick auf andere Genehmigungsverfahren in der Industrie dürfte es mindestens 10 bis 15 Jahre dauern, bevor man tatsächlich mit dem Abbau beginnen und Rohstoffe auf den Markt bringen könne.

Die Genehmigungsverfahren müssten geändert werden, um einen verstärkten Abbau dieser Art von Rohmaterial in Europa zu gewährleisten, forderte LKAB-Chef Moström. Der Zugang sei ein Risikofaktor für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie als auch für den Klimaschutz.

© dpa-infocom, dpa:230112-99-194908/7