Lebensmittel - Mühlenbetreiber investiert Millionen in neue Produktion und profitiert von Trend zu vegetarischer Ernährung GoodMills setzt auf Bulgur und Couscous aus Mannheim

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T. Junker, B. Eschbacher
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Alles dreht sich um Hartweizengrieß: Werkleiter Alexander Wieler (l.) und Deutsch-land-Chef Christoph Klöpper zwischen Walzenstühlen, die das Getreide vermahlen. © Christoph Bluethner

Mannheim. Bisher kamen sie etwa aus der Türkei und Nordafrika, ab 2021 werden sie im Mannheimer Hafen produziert: Couscous und Bulgur sind orientalische Hartweizen-Produkte und werden in Deutschland immer beliebter – zum Beispiel in Fertigsalaten. Davon will die GoodMills-Gruppe mit ihrem Standort Mannheim profitieren und steigt deshalb in die Produktion der beiden Getreideprodukte ein.

Getreide Die Mannheimer Hildebrandmühlen werden erweitert

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„Da sehen wir großes Potenzial“, sagt Christoph Klöpper, Geschäftsführer von GoodMills Deutschland, und sieht die Mannheimer Hildebrandmühlen als Vorreiter. „Bisher haben wir Couscous und Bulgur für unsere Kunden importiert, zum Beispiel aus der Türkei. Künftig wollen wir sie selbst herstellen.“ So spare man zum einen den aufwendigen Transport der Importware. „Zum anderen können wir so die Qualität der Produkte besser gewährleisten“, erklärt Klöpper.

Sieben Standorte in Deutschland

Die Hildebrandmühlen auf der Friesenheimer Insel in Mannheim wurden 1907 gebaut. Teile der historischen Gebäude sind noch zwischen modernen Getreidesilos erhalten.

Die Mannheimer Mühle gehört inzwischen zu GoodMills Deutschland – einem der größten Mühlenbetreiber hierzulande mit Zentrale in Hamburg.

Die Gesellschaft ist wiederum Teil der österreichischen GoodMills Group mit sieben Länderorganisationen. Die Gruppe führt 25 Mühlen in Österreich, Deutschland, Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien.

Die Mühlen verarbeiten nach eigenen Angaben jährlich etwa 2,7 Millionen Tonnen Getreide und erwirtschaften einen Umsatz von 850 Millionen Euro.

Gesellschafter der GoodMills Group ist die Leipnik-Lundenburger Invest Beteiligungs AG, die zur österreichischen Raiffeisengruppe gehört.

Die sieben Standorte von GoodMills Deutschland werden seit Oktober 2019 von Christoph Klöpper geführt, der zuvor für die Mühlen in Mannheim und Landshut verantwortlich war.

Zu GoodMills gehören die Marken Mühler’s Mühle, Aurora, Rosenmehl, Diamant, Gloria und Goldpuder. Die Sparte GoodMills Innovation stellt Spezialprodukte etwa für die Teig-Ummantelung von Nüssen her. be

Der Mannheimer Standort bekam für die neue Produktion den Zuschlag, weil hier bereits Hartweizen, genannt Durum, zu Gries verarbeitet wird. Durum ist auch der Grundstoff für Couscous und Bulgur. Die neuen Produkte aus Mannheim sollen unter der Marke Müller’s Mühle an Endverbraucher verkauft werden. Zudem sollen Großkunden beliefert werden, die zum Beispiel Salatbars in Supermärkten anbieten.

Start 2021 geplant

GoodMills will einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag in die neue Produktion investieren. Unter anderem ist ein mehrstöckiges Gebäude für die neuen Anlagen, Lager und Abfüllung geplant. „Im Moment warten wir noch auf die Genehmigung der Behörden, dann kann es losgehen“, sagt Klöpper. „Anfang 2021 wollen wir mit der Herstellung starten.“ Insgesamt sollen pro Jahr zwischen 5000 und 10 000 Tonnen Bulgur und Couscous aus Mannheim kommen. Personell wird sich am Standort durch die Investition wenig ändern. Der Mühlenbetrieb ist stark automatisiert. Zu den bisher 28 Mitarbeitern werden drei weitere dazukommen.

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Bisher wird in den Hildebrandmühlen auf der Friesenheimer Insel Hartweizen zu Grieß verarbeitet. Davon gehen rund 90 Prozent in die Nudelindustrie. Beliefert werden vor allem Firmen in einem Umkreis von bis zu 300 Kilometern. Der Rohstoff Hartweizen kommt hingegen aus der ganzen Welt, aus Kanada, Frankreich, Osteuropa und teilweise auch aus Deutschland. Die deutsche Ernte deckt aber den Bedarf nicht ab.

Per Schiff, Bahn oder Lkw kommt der Hartweizen in Mannheim an und wird dort erst einmal in mehreren Schritten gereinigt. Dieser Prozess ist komplett automatisiert. So überprüft eine spezielle Anlage durch Farberkennung mittels 3D-Kameras, welche Körner nicht geeignet sind, und sortiert sie aus.

Schalen für die Tiernahrung

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Je nach Produkt werden die Körner später mehrfach gemahlen und gesiebt. Die Schalen der Körner, eigentlich ein Abfallprodukt, werden zu Pellets für Tiernahrung verarbeitet. Obwohl die Produktion im Drei-Schicht-Betrieb automatisiert abläuft, braucht es menschliches Fachwissen. „Die Produktion wird immer von mindestens einem Müller überwacht“, sagt der Mannheimer Werkleiter Alexander Wieler. Hartweizen sei ein Naturprodukt mit nie ganz gleichen Eigenschaften, so Wieler. „Die Kunden aber erwarten ein Produkt, das immer einheitlich beschaffen ist. Das ist die Herausforderung an unserer Arbeit.“

Größter Durum-Verarbeiter

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Klöpper zufolge sind die Hildebrandmühlen der größte Durum-Verarbeiter in Deutschland. GoodMills Deutschland hat insgesamt sieben Standorte, an den meisten wird Mehl produziert, während Mannheim auf Grieß spezialisiert ist. Hier sei die Nachfrage relativ stabil. Der Mehlmarkt leide unterdessen an Überkapazitäten. Manche Standorte leiden zudem unter dem Bäckereiensterben. So plant GoodMills, eine Mühle in Jarmen (Mecklenburg-Vorpommern) zu schließen. Dort hätten viele Bäckereien aufgegeben, gleichzeitig gebe es dort keinen großen industriellen Backbetrieb, der das auffangen könnte.

Nach turbulenten Jahren sieht Klöpper das Unternehmen wieder gut aufgestellt. Ein Kartellverfahren hatte GoodMills vor zehn Jahren in eine schwierige Situation gebracht. Seither habe sich das Unternehmen neu aufgestellt, stabilisiert und seine wirtschaftliche Stärke zurückgewonnen. Im Geschäftsjahr 2018/19 erwirtschaftete GoodMills Deutschland 440 Millionen Euro Umsatz. Der Absatz lag bei 1,3 Millionen Tonnen Getreideprodukte. Zum Ergebnis nennt Klöpper keine Details. „Das Ergebnis ist gesund und solide“, sagt er lediglich. Immerhin investiere GoodMills derzeit 100 Millionen Euro in seine Mühlen.

„Wir profitieren von dem Megatrend veganer und vegetarischer Ernährung“, betont Klöpper. Er verweist auf Absatzsteigerungen zum Beispiel bei Hülsenfrüchten. So plant das Unternehmen ein zusätzliches Werk in Gelsenkirchen, in dem Rohstoffe zur Herstellung von Fleischersatzprodukten hergestellt werden.

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