Geldanlage: Nachhaltige Fonds immer gefragter

Von 
Bettina Eschbacher
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Rendite mit gutem Gewissen: Die EU will grüne Investments fördern. © istock

Mannheim. Um zum Beispiel klimafreundliche Projekte zu fördern, sind nachhaltige Geldanlagen für Verbraucher interessant. Dabei ist es aber schwierig, den Durchblick zu behalten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

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Wie viel Geld ist nachhaltig investiert in Deutschland?

Nach Berechnungen des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) wird Nachhaltigkeit bei professionellen Investoren, also Großanlegern von Banken oder Versicherungen, immer wichtiger: Die Summe der Geldanlagen, die vom FNG als nachhaltig erfasst werden, hat sich von 2014 bis 2018 fast verdoppelt. Allein im vergangenen Jahr stieg die Summe um 41 Milliarden auf 219 Milliarden Euro. Die Nachfrage wächst also, aber: Der Marktanteil liegt mit 4,5 Prozent noch im einstelligen Bereich.

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit für Kapitalanleger - geht es nicht vor allem um die Rendite?

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„Auch mit nachhaltigen Fonds lässt sich eine gute Rendite erzielen“, sagt Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investments, dem Fondsdienstleister der Sparkassen. Er sieht sogar einen Vorteil in diesen Geldanlagen: „Damit lassen sich Ereignis-, Klage- und Reputationsrisiken messbar machen und vermeiden“, sagt Speich. Wer zum Beispiel nicht in Aktien der Tabakindustrie investiere, weil die Produkte gesundheitsschädlich seien, habe ein geringeres Risiko für Schadenersatzklagen. Speich zufolge wächst das Volumen nachhaltiger Wertpapieranlagen derzeit drei Mal so schnell wie der Gesamtmarkt.

Was sind überhaupt nachhaltige Geldanlagen?

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„Das Problem ist, dass es keine gesetzliche Definition von Nachhaltigkeit bei Geldanlagen gibt“, sagt Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Generell geht es um Anlagen, die bestimmte Standards in den Bereichen Umwelt, Soziales und verantwortungsbewusster Unternehmensführung setzen. So könnten im Bereich Umwelt Aktien von Energieversorgern ausgeschlossen werden, die Atomenergie nutzen. Zu sozialen Standards zählt etwa, dass Lieferanten aus Schwellenländern keine Kinder für sich arbeiten lassen.

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Wie können Privatanleger nachhaltige Anlagen erkennen?

Indem sie sich die Anbieter und ihre Geschäfte ganz genau anschauen. Das ist aber sehr aufwendig. Denn die Anbieter können ihre Produkte als „grün“ oder „ethisch“ bewerben, müssen das aber nicht belegen. Zuerst sollte jeder Verbraucher für sich selbst klären, was ihm wichtig ist. Dabei kann es zu Zielkonflikten kommen. Nauhauser nennt ein Beispiel: Bei der Finanzierung eines neuen Staudamms mit Wasserkraftwerk ermöglicht man die Produktion von Strom aus regenerativen Quellen, das Kraftwerk greift aber auch massiv in die unmittelbare Umwelt ein. „Es definiert keiner für Sie individuell, was Nachhaltigkeit ist“, sagt Roland Kölsch. Er ist beim FNG zuständig für das Siegel, das vom Forum an nachhaltige Fonds vergeben wird.

Wie aussagekräftig sind Siegel für nachhaltige Geldanlagen?

Nach Ansicht des FNG-Experten Kölsch dienen sie zumindest zur Orientierung in einer extrem komplexen Investorenwelt und sorgen für Mindeststandards. Das FNG vergebe sein Siegel nach festgelegten, von jedermann einsehbaren Kriterien. Wer es bekommen wolle, müsse sich einer strengen Prüfung unterziehen. Dieses Jahr haben sich erneut mehr Fonds dafür beworben. Aktuell sind es 65. Dem Forum stünden Datenquellen zur Verfügung, etwa von speziellen Nachhaltigkeitsagenturen, zu denen Privatanleger leider keinen Zugang hätten. Verbraucherschützer Nauhauser kritisiert aber, dass Nachhaltigkeits-Siegel - anders etwa als Bio-Siegel - nicht vom Staat überwacht werden.

Die EU will grüne Investments fördern - wie soll das gehen?

Der EU-Kommission geht es vor allem um den Klimaschutz. Vergangene Woche hat sich die Kommission mit den EU-Staaten auf einheitliche Kriterien für nachhaltige Investments geeinigt. Dazu zählen zum Beispiel die Abmilderung des Klimawandels oder die Wiederherstellung der Artenvielfalt. Dieses EU-weite Klassifikationssystem soll Anlegern helfen, umweltfreundliche Anlagen besser zu erkennen. Jetzt muss das Europaparlament entscheiden.

Was ändert sich künftig für Bankkunden und Anleger?

Nach den Plänen der EU soll die Frage, ob Nachhaltigkeit ein Anlageziel ist, verpflichtend in die Beratung aufgenommen werden. Für Nauhauser gehen die Pläne in die richtige Richtung, reichen ihm aber nicht aus. Eine bedarfsgerechte Anlageberatung in puncto Nachhaltigkeit werde dadurch nicht garantiert. Fonds-Experte Speich glaubt dagegen, dass die EU-Pläne noch mehr nachhaltige Investments bringen werden.

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Redaktion Bettina Eschbacher ist die Koordinatorin Wirtschaft und Wirtschaftsredakteurin.

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