Stellenabbau doch geringer? GE-Betriebsrat: „Kleine positive Zeichen“

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Alexander Jungert
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Blick auf das Tor 1 von GE im Mannheimer Stadtteil Käfertal. Direkt an dem Gelände fährt die Straßenbahn vorbei. © Rinderspacher

Mannheim. Nach den Verhandlungen ist vor den Verhandlungen. Der jüngste Jobabbau bei General Electric (GE) in Mannheim ist gefühlt gerade erst abgewickelt – da beginnen im Spätsommer schon wieder Gespräche über einen neuen Sozialplan. Nun geht es um die verbliebenen 700 Mitarbeiter am Standort, hauptsächlich im Service sowie im Projektmanagement.

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„Es gibt kleine positive Zeichen, dass am Ende doch nicht so viele Arbeitsplätze abgebaut werden wie befürchtet“, sagt Elisabeth Möller, Konzernbetriebsratsvorsitzende bei GE Power und Betriebsratschefin in Mannheim. „Wir brauchen eine gewisse Größe, um am Standort zu bleiben. Wir hoffen auf konstruktive Gespräche.“ Zum heutigen Zeitpunkt seien noch keine konkreten Zahlen zu nennen, wie viele Mitarbeiter gehen müssen.

Seit der Übernahme des Energiegeschäfts von Alstom 2015 schrumpft der Standort unter GE immer weiter. Erst im vergangenen Jahr wurden im Mannheimer Werk mehr als 1000 Arbeitsplätze gestrichen. Der US-Konzern zahlte Abfindungen und finanzierte Transfergesellschaften, in denen die betroffenen Mitarbeiter für andere Jobs fit gemacht werden sollen. Wenn Betriebsrätin Möller heute die leeren Werkshallen sieht, spricht sie von „Ruinen der Fabrik“.

Asiatische Wachstumsmärkte

Den Markt für konventionelle Kraftwerke gebe es in Europa quasi nicht mehr – so begründet GE den massiven Abbau. Niemand habe damit gerechnet, dass der Markt derart einbreche, sagt Alf Henryk Wulf, Vorstandsvorsitzender von GE Power Deutschland, am Rande einer Veranstaltung dieser Zeitung. „Wir sehen die Wachstumsmärkte vor allem in Indien und China.“ Der Service-Markt selbst habe keine größeren Wachstumsraten – „aber er ist ein guter Markt“. Wulf bekräftigt eine frühere Aussage, wonach General Electric in Mannheim – oder zumindest in der Region bleiben wolle. Eine Standortgarantie allerdings gibt das Unternehmen nach wie vor nicht ab.

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Bis in den Mai hatten Management und Arbeitnehmerseite auf europäischer Ebene über den neuerlichen Stellenabbau verhandelt. Nun geht es konkret um die Zukunft der deutschen Standorte.

Grundstück zu riesig

Der Betriebsrat hat ein externes Beratungsunternehmen beauftragt. Es soll helfen, bis Ende August Alternativen für Mannheim zu entwickeln. Das Grundstück in Käfertal jedenfalls ist groß – inzwischen zu groß für die verbliebenen Mitarbeiter. Wie ein Konzernsprecher erklärt, gebe es ein „deutliches Interesse“ von Investoren.

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Die Stadt Mannheim hat sich ein Vorkaufsrecht gesichert. Wie das Gelände eines Tages genutzt werden könnte, ist völlig offen. Ebenso, ob General Electric als Mieter weiter auf dem Areal bleibt.

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Redaktion Alexander Jungert, 1980 in Bruchsal geboren, hat beim "Mannheimer Morgen" volontiert und ist seit 2010 Wirtschaftsredakteur. Während des Studiums arbeitete er unter anderem für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und den "Tagesspiegel" in Berlin. Schreibt am liebsten darüber, was regionale Unternehmen und deren Mitarbeiter umtreibt.