Zahlungsdienstleister - Sonderprüfung zu gravierenden Vorwürfen der Bilanzmanipulation lässt zentrale Fragen unbeantwortet / Aktienkurs bricht ein Fälschungsverdacht bleibt an Wirecard haften

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dpa
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München. Beim Dax-Konzern Wirecard bleiben nach dem Abschluss einer Sonderprüfung zu gravierenden Bilanzfälschungsvorwürfen zentrale Fragen unbeantwortet. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG meldete in ihrem am Dienstag veröffentlichten Bericht zu den Geschäftsjahren 2016 bis 2018, dass wesentliche Unterlagen fehlten – hauptsächlich zum Geschäft mit Drittfirmen, die Zahlungen im Auftrag von Wirecard abwickeln. Deswegen konnten die KPMG-Prüfer auch nicht feststellen, ob den entsprechenden Buchungen auch reale Umsätze entsprechen. „Insofern liegt ein Untersuchungshemmnis vor“, heißt es in dem Papier. Explizit genannt werden in dem Bericht Zahlungen auf Treuhänderkonten in Höhe von einer Milliarde Euro, bei denen unklar blieb, ob sie tatsächlich von Wirecard-Geschäftspartnern stammten.

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Die Investoren an der Frankfurter Börse reagierten geschockt, die Wirecard-Aktie verlor am Vormittag innerhalb kurzer Zeit 20 Prozent ihres Werts. Wirecard-Chef Markus Braun sieht sein rasant wachsendes Unternehmen aber entlastet: „In allen Punkten haben sich die Vorwürfe nicht bestätigt“, sagte der Manager bei einer Pressekonferenz. „Es gibt keinerlei Korrekturbedarf unserer Bilanzen.“

Zweifel an Transparenz

Das Unternehmen verdient sein Geld hauptsächlich mit der Abwicklung elektronischer und digitaler Zahlungen an Ladenkassen und im Internet. Anlass der Sonderprüfung war eine Serie von Berichten der Londoner „Financial Times“ gewesen, die Wirecard im vergangenen Jahr in Bedrängnis gebracht hatten: Demnach soll Wirecard mit Hilfe illegaler Scheinbuchungen die Umsätze künstlich in die Höhe getrieben haben, vor allem beim Geschäft mit Drittfirmen in Dubai, auf den Philippinen und in Singapur. Die „FT“ warf Wirecard vor, dass diese Subunternehmer die Hälfte der Umsätze und den Großteil der Gewinne beisteuerten.

Die KPMG-Prüfer beklagen, dass die Wirecard AG „im Verlauf der Untersuchung angeforderte Dokumente „teilweise nicht bzw. erst mehrere Monate nach Anforderung“ lieferte. Und ein dritter Kritikpunkt ist, dass die Verträge mit Kunden und Partnern für die Prüfer nicht einseh- beziehungsweise nicht nachvollziehbar waren. KPMG bezweifelt, dass die Reichweite der Risiken des Drittpartner-Geschäfts für Investoren „ausreichend erkennbar“ war.

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Die Veröffentlichung der Bilanz für 2019 wird sich nun bis Mai verzögern. Diesen Termin hatte Wirecard bereits einmal verschoben. Auch bei der Veröffentlichung des KPMG-Berichts hielt das Unternehmen die selbst gesetzten Termine nicht ein. Die Prüfer machten für die Verzögerung Wirecard verantwortlich. dpa