Statistik - Beispielloser Einbruch der Ausfuhren um 31,1 Prozent / Außenhandelsverband spricht von verheerender Wirkung der Corona-Krise Exporte – Horrorzahlen im April

Von 
Friederike Marx
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Wiesbaden. Die Corona-Krise hat den stärksten Exporteinbruch in der deutschen Nachkriegsgeschichte ausgelöst. Der Wert der Warenausfuhren stürzte im April nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gegenüber dem Vorjahresmonat um 31,1 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro ab. Der Außenhandelsverband BGA sprach von „Horrorzahlen“. „Erstmals sehen wir in vollem Ausmaß die verheerende Wirkung der Covid-19-Pandemie im Außenhandel“, sagte Ines Kitzing, 1. Vizepräsidentin des Verbandes. „Grenzschließungen, Störungen in der Logistik und Unterbrechungen in den Lieferketten haben tiefe Spuren hinterlassen.“ Ökonomen hoffen, dass nun der Tiefpunkt erreicht ist.

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Nach Angaben der Wiesbadener Behörde vom Dienstag war es der stärkste Rückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat seit Beginn der Außenhandelsstatistik 1950. Den bislang heftigsten Einbruch innerhalb eines Jahres hatte es mit 23,9 Prozent im Mai 2009 während der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise gegeben. Die Importe sanken um 21,6 Prozent auf 72,2 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahresmonat.

„An Dramatik kaum zu überbieten“

„Der Exporteinbruch im April ist an Dramatik kaum zu überbieten“, sagte Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Der Stopp von großen Teilen des Welthandels habe dramatische Folgen für die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland in diesem Jahr. „Schließlich hängt hierzulande jeder vierte Arbeitsplatz vom Export ab – in der Industrie sogar jeder zweite“, sagte Treier weiter. Umso wichtiger sei es, dass die Handelshemmnisse, die zur Bekämpfung des Virus eingeführt wurden, auch wieder abgebaut würden, mahnte Treier. Für das Gesamtjahr erwartet der DIHK einen Rückgang der Exporte von 15 Prozent.

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet mit einem Minus von 15 Prozent bei der Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen. Da das wirtschaftliche Wachstum bei nahezu allen Handelspartnern dramatisch einbreche, werde auch die Nachfrage nach „Made in Germany“ deutlich sinken, erläuterte der BDI.

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Der Export zählt neben dem Privatkonsum zu den wichtigen Stützen der deutschen Konjunktur. Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit sowie die Sorge um den Job werden nach Einschätzung des BDI zu einem Rückgang des Privatkonsums von sieben Prozent führen. Insgesamt rechnet der Verband in diesem Jahr mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung in Deutschland um real 6,5 Prozent. „Die Erholung wird sich bis weit ins Jahr 2022 erstrecken“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang voraus.

Nach Einschätzung des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) dürfte beim Export der Tiefpunkt erreicht sein. Konjunkturchef Stefan Kooths rechnet für das zweite Quartal mit einem Rückgang des Ausfuhrvolumens von deutlich mehr als 20 Prozent.

Erholung zeichnet sich ab

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Auch ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski geht von einer Erholung aus. Allerdings verhießen internationale Handelskonflikte, die stockenden Verhandlungen über ein Abkommen für die Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien und die Unterbrechung von Lieferketten durch die Corona-Krise nicht viel Gutes. „Die Erholung in den kommenden Monaten wird nicht das Gleiche sein wie eine Rückkehr zur Normalität“, sagte Brzeski voraus.

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Je nach Handelspartner waren die Exporte im April unterschiedlich stark beeinträchtigt: Die Ausfuhren nach China gingen moderat um 12,6 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro zurück. Im März hatten sich die Pandemie in Europa und den USA ausgebreitet. Die Exporte in die besonders betroffenen Länder Frankreich (minus 48,3 Prozent), Italien (minus 40,1 Prozent) und Vereinigte Staaten (minus 35,8 Prozent) brachen massiv ein. dpa