Stellenabbau - Das Heddesheimer Unternehmen Pfenning Logistics hat fast die Hälfte der Lagerarbeiter am Hauptsitz entlassen "Dieser Sozialplan ist ein Witz"

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Barbara Klauß
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Heddesheim. 1000 neue Arbeitsplätze wollte Pfenning schaffen, als das Logistik-Unternehmen seinen Hauptsitz von Viernheim nach Heddesheim verlegte und im September 2012 in Betrieb nahm. Doch statt des angekündigten Arbeitsplatzaufbaus machen nun Gerüchte von einem großen Stellenabbau die Runde. Bereits ein Jahr später - im September 2013 - strich das Unternehmen 64 Arbeitsplätze. Zum Teil wurden betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen. Das geht aus einem Sozialplan und einem Interessenausgleich hervor, die dieser Zeitung nun vorliegen. Pfenning wollte sich dazu gestern auf Anfrage nicht äußern.

Ein Blick in die Sortierhalle von Pfenning am Standort Heddesheim.

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Mit großen Plänen war das Unternehmen nach Heddesheim gekommen. Eine Entscheidung, die damals zu Protest in der Bevölkerung geführt hatte. Auf einem 20 Hektar großen Gelände entstanden insgesamt elf Hallen. Drei davon alleine für einen neuen Großkunden: Für den Lebensmittelhersteller Kraft Foods (heute Mondeléz International) sollten dort hauptsächlich Schokolade und Kekse, aber auch Käse und Kaffee gelagert werden. Allein für diesen Kunden sollten in Heddesheim mehr als 200 Arbeitsplätze angesiedelt werden, sagte Pfenning-Geschäftsführer Uwe Nitzinger damals. Doch dann verkündete das Unternehmen Anfang September 2013 - rund eineinhalb Jahre nach Vereinbarung der Zusammenarbeit - das Aus. Man beende die Geschäftsbeziehung mit Mondeléz International, hieß es.

Pfenning Logistics

  • Im Februar 2009 kündigte Pfenning Logistics das Neubauvorhaben in Heddesheim an. Die Gesamtinvestition bezifferte das Unternehmen auf rund 100 Millionen Euro.
  • Laut Website hat die Pfenning-Gruppe rund 1650 Mitarbeiter an 40 Standorten. Neben dem Hauptsitz in Heddesheim gibt es demnach Standorte in Wiesloch, Speyer, Mannheim, Lampertheim und Heppenheim.
  • Die Muttergesellschaft KMP Holding hat ebenfalls ihren Sitz in Heddesheim. Die Pfenning Logistik ist Hauptmieterin der dortigen Hallen, die einem Immobilienfonds gehören.

"Erhebliche Überkapazität"

Der Verlust dieses Auftrages war offenbar einer der Gründe für den Abbau der 64 Arbeitsplätze, der laut Unterschrift unter den Interessenausgleich am 19. September 2013 besiegelt wurde. Aus dem Schriftstück geht hervor, dass es eine "erhebliche personalmäßige Überkapazität" gegeben habe. Maßnahmen seien unumgänglich, "um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern". Auch der Betriebsrat "sieht in der vorliegenden Situation keine Möglichkeit, den vorgesehenen Personalabbau und die Restrukturierung zu verhindern", wie es im Interessenausgleich heißt, der die Unterschrift des Betriebsratsvorsitzenden in Heddesheim trägt.

Um 42 Prozent wurde die Zahl der Lagerarbeiter in der Folge reduziert: 52 Namen werden auf der Liste der zu kündigenden Arbeiter aufgeführt. Es folgen acht zu entlassende Sachbearbeiter sowie vier weitere Mitarbeiter. Ihnen sicherte Pfenning laut Sozialplan eine Abfindung in Höhe von 0,2 Bruttomonatsgehältern pro Beschäftigungsjahr zu.

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"Dieser Sozialplan ist ein Witz", meint Gewerkschaftssekretär Christian Oswald, der bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Rhein-Neckar zuständig ist für Speditionen und Logistik. Er trage eindeutig die Handschrift des Arbeitgebers. Zwar seien Abfindungen Verhandlungssache, auch gebe es keine gesetzlichen Vorgaben - doch würde der Rechtsprechung folgend in der Regel etwa ein halbes Monats-Bruttogehalt pro Beschäftigungsjahr angesetzt. Auch seien keine Zuschläge für Kinder oder für Schwerbehinderung angeführt. "Hier wurden Standards nicht eingehalten", meint der Gewerkschaftssekretär.

Auch sei beim Interessenausgleich - soweit aus den vorliegenden Unterlagen ersichtlich - nur nach Altersgruppen unterteilt worden. Normalerweise werde hier auch die Zeit der Betriebszugehörigkeit berücksichtigt, ebenso Fragen der Gleichstellung, die Anzahl der Kinder oder die Tatsache, ob ein Mitarbeiter verheiratet ist oder nicht. "Ganz nette Arbeitgeber schauen auch, ob jemand Wohneigentum hat", so Oswald.

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Die geringe Abfindung, die fehlenden Zuschläge für Kinder oder Schwerbehinderte - das alles spreche für eine "sehr prekäre wirtschaftliche Situation" von Pfenning Logistics, meint auch der Mannheimer Fachanwalt für Arbeitsrecht, Dietrich Growe. "Das ist ein ganz schlechter Sozialplan", sagt auch er. Die Abfindung betrage höchstens ein Drittel dessen, was üblich sei.

Leere Flächen in Heddesheim?

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Wie viele Menschen derzeit bei Pfenning Logistics in Heddesheim arbeiten, war gestern auf Anfrage nicht zu erfahren. Auch nicht, ob neue Kunden akquiriert werden konnten. Ein Nachfolger für den verlorenen Großkunden scheint aber in dieser Größenordnung bis heute nicht gefunden. Im Internet bietet Pfenning Logistics derzeit 30 000 Quadratmeter Logistikfläche in Heddesheim an. Fast ein Drittel der 100 000 Quadratmeter Lagerfläche ist derzeit also ungenutzt.

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