Clubhouse - Trotz zweifelhaften Umgangs mit Nutzerdaten ist die Mischung aus Audio-Dienst und sozialem Netzwerk ein Renner Die fragwürdige App der Stunde

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dpa
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Berlin. Bis zu 50 Euro für „Clubhouse-Invite“. Nicht nur bei eBay-Kleinanzeigen waren am Wochenende die Einladungen zur neuen Audio-App Clubhouse knapp und begehrt. Nachdem sich der Twitter-Konkurrent im vergangenen Sommer in den USA viral verbreitete, ist nun der Hype um die Social-Media-App aus dem US-Bundesstaat Utah in Deutschland angekommen. Dabei kann die App derzeit nur auf dem iPhone verwendet werden, nicht auf Android-Smartphones.

Bei Clubhouse hören Nutzer anderen zu – oder melden sich selbst zu Wort. © dpa
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Den Rummel um Clubhouse kann man auch an den Top-Listen der Downloads im App-Store von Apple ablesen. Am Montag verdrängte die Audio-Anwendung den populären Messengerdienst Telegram in Deutschland von Platz zwei der Liste der am häufigsten heruntergeladenen Gratis-Anwendungen im App-Store von Apple. Auf Platz eins liegt der Messenger Signal.

  • Clubhouse wurde im April 2020 gestartet und löste zunächst in den USA in der Corona-Krise einen Boom aus, der an die Anfänge von Whats-App oder Snapchat erinnert.
  • Der Wagnis-Kapitalgeber Andreessen Horowitz, der auch früh in Silicon-Valley-Stars wie AirBnB, Facebook, Instagram, Lyft und Twitter investiert hatte, steckte im Mai 2020 zwölf Millionen Dollar in Clubhouse.
  • Damit wurde das Start-up mit 100 Millionen Dollar (aktuell 82,78 Millionen Euro) bewertet – zu einem Zeitpunkt, als nur 1500 Nutzer der Anwendung aktiv dabei waren. dpa

 

Nutzer in verschiedenen Rollen

Clubhouse ist eine Audio-App, bei der die Anwender Gesprächen wie bei einem Live-Podcast zuhören oder sich aktiv an Diskussionen beteiligen können. Im Gegensatz zu Netzwerken wie Twitter kann man Beiträge nicht schriftlich kommentieren oder „Likes“ vergeben.

In der Clubhouse-App können die Anwender verschiedene Rollen einnehmen. Als Moderatoren können sie Audio-Chats starten und andere User auf die Bühne holen und ihren das Mikrophon übergeben. Sprecher beteiligen sich aktiv an der Diskussion. Die Masse der Anwender beschränkt sich aber auf eine Zuhörer-Rolle. Sie können aber virtuell die Hand heben, um den Moderator auf sich aufmerksam zu machen, wenn sie etwas beitragen wollen.

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Zum Marketing-Konzept des Clubhouse-Anbieters Alpha Exploration Co aus der Mormonenstadt Salt Lake City gehört eine künstliche Verknappung. So sind nicht nur alle Nutzerinnen und Nutzer eines Android-Smartphones außen vor. Auch die meisten iPhone-Besitzer, die Clubhouse installiert haben, müssen noch warten, um die App überhaupt nutzen zu können. Sie benötigen eine Einladung von einem aktiven Clubhouse-Anwender.

Für die virale Verbreitung setzt Clubhouse außerdem auf eine umstrittene Methode, die bereits Grundlage des rasanten Wachstums von WhatsApp war. Nachdem man die App installiert und die Einladung aktiviert hat, fordert die App Zugriff auf sämtliche Einträge im Kontakte-Adressbuch des verwendeten iPhones. Diese Praxis wurde bei Whats-App von Datenschützern in Europa heftig kritisiert, weil die Anwender eigentlich zuvor jeden einzelnen Kontakt um Erlaubnis fragen müssten, bevor die persönlichen Daten auf Server in den USA übertragen werden. Das dürfte aber kaum jemand machen.

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Die Clubhouse-Mitglieder werden außerdem von den Machern des Dienstes als auch von den Moderatoren einzelner Gruppen aufgefordert, ihre Profile auf anderen Plattformen zu verknüpfen und dort die Inhalte der Gespräche zu kommentieren. Damit soll der Wunsch geweckt werden, möglichst schnell an eine Einladung zu dem Netzwerk zu kommen. „Fear of missing out“ (Angst, etwas zu verpassen) nennen Marketing-Experten diesen Ansatz.

1000 Menschen versammelt

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Das fragwürdige Datenschutzkonzept von Clubhouse, das vermutlich auch gegen die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verstößt, hinderte am Wochenende viele Influencer in Deutschland nicht daran, schnell auf den Zug aufzuspringen. So versammelten sich über 1000 Menschen virtuell in einem Clubhouse-Raum, in dem die Digitalministerin im Bundeskanzleramt, Dorothee Bär (CSU) und andere über das „Diversity Jahr 2021“ diskutierten. 

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