Finanzen - Institut verspricht mehr nachhaltige Anlageprodukte / Umweltorganisation Urgewald hat große Zweifel / Virtuelle Hauptversammlung am Mittwoch Deutsche Bank will grüner werden

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Rolf Obertreis
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Klimaschutz auf der Agenda: Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. © dpa

Frankfurt. Deutsche Bank-Chef Christian Sewing hat keinen Zweifel: Nach der Überwindung der Corona-Pandemie wird der Klimawandel noch stärker in den Fokus rücken. Die Deutsche Bank stellt sich massiv darauf ein. Verspricht sie. Bis 2025 soll das Volumen von Finanzierungen für den Klima-, Umweltschutz und soziale Belange sowie der Bestand von nachhaltigen Anlagen auf mindestens 200 Milliarden Euro steigen. Umweltorganisationen hegen große Zweifel.

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Auf der ersten virtuellen Hauptversammlung der Deutschen Bank an diesem Mittwoch werden der Dachverband der Kritischen Aktionäre und die Umweltorganisation Urgewald das Thema zur Sprache bringen und wegen Verfehlungen in der Klima- und Kohlepolitik auf Nicht-Entlastung des Vorstandes dringen. Vor der Zentrale der Deutschen Bank wollen Aktivisten mit einer symbolischen Ölplattform und Öl-Fässern protestieren.

„Das Thema wird nach der Corona-Pandemie mit Macht zurückkommen. Die Sorge um den Klimawandel und das Bewusstsein, dass wir entschieden und schnell handeln müssen wird nicht kleiner, sondern größer werden“, sagt Sewing. Und kündigt vor der Hauptversammlung eine beispiellose Nachhaltigkeitsinitiative an. „Aus tiefster Überzeugung wollen wir den globalen Wandel zu einer nachhaltigen, klimaneutralen und sozialen Wirtschaft mitgestalten.“

Die zum Ziel gesetzten 200 Milliarden Euro umfassen Kredite und Anleihen, die bis 2025 platziert werden. Die Deutsche Bank will noch in diesem Jahr die erste eigene grüne Anleihe auflegen. Damit sollen der Ausbau erneuerbarer Energien und Maßnahmen zur Energieeffizienz finanziert werden. Zum anderen betrifft die Summe nachhaltige Anlageprodukte in den Depots. Seit Jahresanfang habe man, so die Bank, für Kunden insgesamt 22 grüne Anleihen, Sozial- und Nachhaltigkeitsanleihen sowie an Nachhaltigkeitskriterien gebundene Anleihen im Volumen von fast 3,5 Milliarden Euro platziert.

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Regine Richter von der Umweltorganisation Urgewald begrüßt zwar die Ankündigung. Aber sie hat nicht nur viele Fragen, sondern sieht weiter drastische Verstöße gegen den eigenen Anspruch der Bank. „Dass die Bank weiter fossile Energien finanziert, ist ein Widerspruch. Die Deutsche Bank zählt in Europa zu den größten Finanzierern klimaschädlicher Energien. Und sie ist weltweit der drittgrößte Geldgeber von Firmen, die in der Arktis Öl- und Gasvorkommen ausbeuten.“

Umstrittene Kundschaft

Von 2016 bis 2019 hat sich die Bank demnach mit 1,7 Milliarden Dollar an der Finanzierung des Kohlenminen-Sektors beteiligt und ist damit siebtgrößter Geldgeber der Branche weltweit. Es müsse endlich klare rote Linien geben, die Deutsche Bank dürfe nicht mehr länger Firmen finanzieren, die die Ausbeutung klimaschädlicher Energien betreiben, fordert Richter. Besonders empört ist man bei Urgewald, dass das Institut weiter den US-Öl-Multi Exxon Mobil unterstützt.

Korrespondent Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich für den Mannheimer Morgen und für andere wichtige Regionalzeitungen wie den Tagesspiegel/Berlin, die Badische Zeitung/Freiburg, die Südwest Presse/Ulm und den Münchener Merkur als Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. Banken, Europäische Zentralbank, Bundesbank, Börse und in Frankfurt ansässige Unternehmen wie Lufthansa und auch Verbände wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA zählen zu meinen Schwerpunkten. Daneben auch die Luftfahrt. Zudem befasse ich mich über die KfW Bankengruppe und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Fragen der Entwicklungszusammenarbeit.